Super League
FCL-Goalie Zibung: «Yakin-Nachfolger? Das traue ich Bernegger zu»

Luzern und der Basel spielen am Samstag im Direktduell auf in Luzern um den Titel des Wintermeisters. Mit dem Ex-Basler Carlos Bernegger ist der FC Luzern zum Spitzenteam geworden – auch heute gegen den FC Basel?

Etienne Wuillemin, Luzern
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Fortschritte von hinten bis vorne: Torhüter Zibung und der FCL unter Trainer Bernegger. KEystone

Fortschritte von hinten bis vorne: Torhüter Zibung und der FCL unter Trainer Bernegger. KEystone

Luzern liegt im dichten Nebel an diesem Donnerstag. Es ist, als wolle die Stimmung rund um die Swissporarena an vergangene Zeiten erinnern. Anfang April dieses Jahres erst war es, als der FC Luzern am Abgrund taumelte. Nach einem 0:4 gegen Basel resümierte ein ernüchterter David Zibung: «Wir sind ein besserer Trainingsgegner.» Trainer Komornicki wurde entlassen.

Nun, gut acht Monate später, hat sich der Nebel aufgelöst. Aus dem Abstiegskandidaten FC Luzern ist ein Spitzenteam geworden. Eines, das heute im St. Jakob-Park den FC Basel fordert. Und mit einem Sieg plötzlich Wintermeister wäre.

Hat der FC Luzern eine Wunderheilung erfahren? Kaum. Vielleicht ist es unfair, den Erfolg eines Teams an einzelnen Personen festzumachen. Wir tun es trotzdem. Wie Sportchef Alex Frei und vor allem sein Trainer Carlos Bernegger dem FCL ein neues, sonniges Gesicht verpassten, ist bemerkenswert.

Neun Siege holte Luzern bis anhin – die meisten der Liga. Bernegger sitzt im Luzerner Presseraum. Wie viel Wert wäre dieser ominöse Titel, lautet die Frage: «Viel weniger, als dass wir uns gerettet haben letzte Saison», antwortet er. Ehe er anfügt: «Das Schönste am Erfolg ist die Gewissheit, dass das Team so spielt, wie es der Trainer mit ihm plant.»

Vor drei Jahren war Luzern unter Rolf Fringer bereits einmal Wintermeister. Danach folgte ein fürchterlicher Absturz. «Damals waren wir total überbewertet», sagt Torhüter Zibung. «Wir haben daraus gelernt.»

Wie aber ist es Bernegger gelungen, den FCL derart zu festigen? Zibung lacht und sagt: «Das Geheimrezept von Carlos verrate ich nicht im Detail.» Eine Näherung daran lässt er trotzdem zu. «Jeder in unserer Gruppe hat denselben Plan im Kopf. Jene elf, die beginnen. Jene auf der Ersatzbank. Und sogar jene, die auf der Tribüne sitzen.»

Kürzlich hat Bayern-Präsident Uli Hoeness gesagt: «Die Kunst des grossen Trainers ist es, aus 20 Spielern eine Mannschaft zu formen und alle bei Laune zu halten. Mittlerweile ist es mir fast egal, wenn sich einer verletzt.» Das könnte, so ähnlich, auch auf den FCL zutreffen. Denn Bernegger versteht es, seine Spielidee dem gesamten Kader zu vermitteln. Es gibt keine «Stammformation», sondern viele verschiedene Spieler-Kombinationen, die je nach Gegner und Situation zur Anwendung kommen.

Wie viel «Bernegger-Luzern» ist schon drin in dieser Mannschaft, lautet die nächste Frage. Der Trainer überlegt, spricht, überlegt wieder, spricht wieder, lässt sich zu einer ersten Note verleiten (6,5 auf der Skala 0–10), sagt dann aber sofort: «Nein, stopp, das ist typisch Bernegger, lieber keine Note! Ich habe viel zu viele Dinge im Kopf, die ich auf die Schnelle nicht mit einbeziehen kann.» Klar ist für ihn nur eines: «Wir befinden uns in einer Zwischenstation. Ich will eine Spielidee stimulieren, die unendlich ist.» Jetzt tönt er wie HCD-Erfolgsgarant Arno Del Curto.

Die Frage, ob aus Luzern gar ein Titelaspirant werden könnte, lächelt Bernegger mühelos weg. Der 44-Jährige sagt: «Solche Gedanken sind vorschnell.» Er erachtet den fünften Platz weiterhin als realistisches Saisonziel.

Basel gegen Luzern ist auch das Duell Murat Yakin gegen Carlos Bernegger. Yakin ist einer von Berneggers Vorgängern in Luzern. Die beiden eint, dass sie es verstanden, den nominellen Aussenseiter dank grosser taktischer Raffinesse voranzubringen.

Derzeit kommt der FC Basel in den Genuss von Yakins Taktikkünsten. Nur wissen das einige noch immer nicht richtig zu schätzen. Deshalb die Frage an Luzern-Torhüter Zibung. Was passiert, sollte in Basel das Bewusstsein reifen, der Carlos Bernegger sei doch einer für den FCB? Zibung antwortet: «Yakin-Nachfolger? Das traue ich Bernegger zu.»

Die Frage ist nicht ob, sondern eher wann Bernegger FCB-Trainer wird. Dass es derzeit dafür noch zu früh ist, ist genauso klar. «Und überhaupt», sagt Zibung, «hoffe ich schon, dass unsere Vereinsleitung zur Grätsche ansetzt, wenn uns jemand Bernegger wegnehmen will.»