Wahlkreis Pratteln
FDP will Sitz zurück, den die SVP von einem Überläufer erhalten hatte

Der Konkurrenzkampf zwischen FDP und SVP tobt auch im Wahlkreis Pratteln. Inzwischen hat sich der auf der FDP-Liste gewählte Patrick Schäfli mit seiner Partei verkracht und schloss sich der SVP-Fraktion an.

Michel Ecklin
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So wählte der Wahlkreis Pratteln

So wählte der Wahlkreis Pratteln

bz Basellandschaftliche Zeitung

FDP gegen SVP: Dieser Konkurrenzkampf tobt nicht nur auf Bundesebene, sondern auch im Wahlkreis Pratteln. Vor vier Jahren holten die beiden Parteien je zwei Sitze. Inzwischen hat sich der auf der FDP-Liste gewählte Patrick Schäfli mit seiner Partei verkracht. Für die letzten Monate der Legislaturperiode schloss er sich der SVP-Fraktion an. Wieder antreten darf er aber wegen der Amtszeitbeschränkung nicht mehr. Die SVP möchte den Sitz behalten, die FDP ihn zurückerobern.

Leicht im Vorteil könnte die SVP sein, dank den inzwischen verschwundenen Schweizer Demokraten (SD). Für die Rechtsaussen-Partei war der Wahlkreis Pratteln eine Hochburg, 3,9 Prozent der Stimmen holte sie 2011. Ideell stehen die SD-Wähler der SVP nahe. Zudem hat die SVP eine starke Liste. Neben den Bisherigen Urs Hess und Andi Trüssel präsentiert die Volkspartei ausschliesslich Personal, das bereits auf Gemeindeebene in Erscheinung getreten ist, etwa den Füllinsdorfer Holzbauunternehmer Christoph Häring.

FDP war auch schon richtig stark

Die FDP ihrerseits stellt den im Baselbiet seit Jahrzehnten bekannten Paul Dalcher auf. Er sass 1991 bis 1998 bereits im Landrat. Unbestrittenes Zugpferd der Freisinnigen ist aber der bisherige Christoph Buser. Der Direktor der Wirtschaftskammer dürfte mehr als genug Stimmen für seine eigene Wiederwahl holen. Die Freisinnigen hatten im Wahlkreis auch schon drei Sitze.

Die SP kann auf die Wiederwahl von Mirjam Würth zählen, muss hingegen einen prominenten Abgang ersetzen. Der Prattler Gemeinderat Ruedi Brassel fällt nämlich der Altersguillotine zum Opfer. Auf seine Nachfolge bewerben sich vier Jungpolitiker unter 25 Jahren. Der etwas ältere Bruno Baumann, der im Prattler Einwohnerrat sitzt, erhält prominente Unterstützung. SP-Urgestein Helmut Hubacher hat den Gewerkschafter nämlich in einem Leserbrief zur Wahl empfohlen – eine seltene Ehre, denn der 88-jährige ehemalige Basler Nationalrat begibt sich selten in die Niederungen der Kantonalpolitik, erst recht nicht im Baselbiet. Ob seine Schützenhilfe reicht, ist aber fraglich. Denn Baumann wurde 2011 abgewählt, nachdem er nur zwei Jahre im Landrat gesessen hatte. Jetzt steht er an der Spitze der SP-Liste.

Schlechtes Pflaster für die CVP

Ein herber Verlust für die kantonale BDP wäre eine Abwahl des Prattlers Marc Bürgi. Denn die Doppelfraktion mit den Grünliberalen, die er im Landrat präsidiert, hat er gut im Griff, trotz einiger schillernder Persönlichkeiten in ihren Reihen. 2011 holte die GLP zwar ein halbes Prozent mehr Stimmen als die BDP, doch nur Letztere holte einen Sitz. Bei den Grünliberalen kandidiert Yves Krebs, der sich im Sommer als engagierter Fusionsbefürworter einen Namen machte.

Der Wahlkreis Pratteln ist sowohl für die GLP als auch für die BDP ein gutes Pflaster – was man für die CVP nicht behaupten kann. Ausser im oberen Kantonsteil, wo sie gar nicht erst Listen aufstellte, holte sie hier 2011 den tiefsten Stimmenanteil (3,74 Prozent) und ging leer aus. Die Grünen hingegen haben mit dem Bisherigen Philipp Schoch mindestens einen Sitz auf sicher.

Eins steht jetzt schon fest: Dem zukünftigen Landrat wird niemand aus Augst angehören. Im Wahlkreis Pratteln, zu dem die 900-Seelen-Gemeinde gehört, wollen sich zwar 53 Personen ins Kantonsparlament wählen lassen, und es sind alle Gemeinden vertreten – nur eben nicht Augst.