Wahlen 2011
FDP zieht mit Saladin und Wagner statt Gysin in den Wahlkampf

Die Baselbieter FDP will ihren Nationalratssitz mit einer vollen Siebenerliste ohne den Bisherigen Hans Rudolf Gysin verteidigen. Gysin, seit 1987 im Amt, gab am Parteitag vom Dienstag in Pratteln überraschend seinen Verzicht bekannt.

Thomas Dähler
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Wagner (l) und Saladin (r) wollen in den Nationalrat, Gysin hat genug

Wagner (l) und Saladin (r) wollen in den Nationalrat, Gysin hat genug

AZ

Das Drehbuch hätte ebenso gut vom bürgerlichen Konkurrenten SVP inszeniert sein können. Selbst die Parteileitung der Baselbieter FDP war völlig überrumpelt: Nationalrat Hans Rudolf Gysin kündigte am Parteitag der Freisinnigen in Pratteln überraschend an, im Herbst nun doch nicht mehr antreten zu wollen. Damit präsentiert sich für die Nationalratswahlen eine neue Ausgangslage. Um Gysins Nachfolge in Bern dürfte ein Kampf zwischen der serbelnden FDP und der aufstrebenden SVP entbrennen.

Die Nationalratskandidaten der FDG

Für die Nationalratsliste der FDP wurden gestern Abend in Pratteln die folgenden Kandidierenden nominiert: Stephanie Eymann Schneider (Eptingen), Paul Hofer (Oberwil), Franz Saladin (Duggingen), Patrick Schäfli (Pratteln), Daniela Schneeberger (Thürnen), Balz Stückelberger (Arlesheim) und Martin Wagner (Rünenberg). Heiner Schärrer (Therwil) fiel trotz erreichtem absoluten Mehr als Überzähliger aus dem Rennen um einen Nationalratssitz.
Keinen Kandidaten nominierten die Freisinnigen für den Ständerat. Der Parteitag entschied sich, wie vom Vorstand beantragt, für Stimmfreigabe. Abgelehnt wurde der Antrag, die CVP-Kandidatin Elisabeth Schneider-Schneiter zu unterstützen. (td)

Therwils Gemeindepräsident bleibt auf der Strecke

Bereits vor dem Eklat war es zu einer Überraschung gekommen: Franz Saladin, der neue Direktor der Handelskammer beider Basel (HKBB) will für die FDP in den Nationalrat. Saladin war erst am Vorabend an einer eilig einberufenen Vorstandssitzung der HKBB zum Nachfolger von Direktor Andreas Burckhardt gekürt worden. Und schon am Tag zuvor hatte der FDP-Vorstand bekannt gemacht, dass er in der Person von Wirtschaftsanwalt und ex-BaZ-Verleger Martin Wagner ein weiteres Schwergewicht ins Rennen schicken wolle – einstimmig, wie verraten wurde.

Saladin und Wagner schafften die Nomination problemlos. Auf der Strecke blieb der Therwiler Gemeindepräsident Heiner Schärrer, der sich zuvor als Anhänger einer Wiedervereinigung der beiden Basel geoutet hatte.

Mit Gysins Rücktritt geht eine Ära zu Ende. Zwar reagierte die Versammlung mit einer Standing Ovation an die Adresse des verdienten Freisinnigen, doch betretene Gesichter waren dennoch auszumachen. Gysins Rücktritt erfolgt ausgerechnet nach der verheerenden Niederlage der FDP bei den kantonalen Wahlen. Vor vier Jahren hatte der Prattler mit 25000 Stimmen immerhin 8000 Stimmen mehr als der Zweitplatzierte erreicht. Gysin erklärte vor den Delegierten, er habe den Entscheid erst Stunden zuvor gefällt. Er sei zum Schluss gekommen: «Oft ist ein Rücktritt auch ein Fortschritt».