Umfrage
FDP zurückgefallen: Klimawahl bringt den Baselbieter Freisinn in Bedrängnis

Eine Umfrage sagt der FDP für den Nationalrat 3 Prozent Minus voraus. Die Parteipräsidentin hält ihre Umweltpolitik dennoch für richtig.

Michel Ecklin
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Laut Sotomo-Umfrage liegt die FDP Baselland bei den Nationalratswahlen hinten. (Symbolbild)

Laut Sotomo-Umfrage liegt die FDP Baselland bei den Nationalratswahlen hinten. (Symbolbild)

Das ist brutal für die Baselbieter FDP: Ein Minus von drei Prozent gegenüber 2015 sagt ihr das Forschungsinstitut Sotomo für die Nationalratswahlen voraus. Die Freisinnigen kämen damit noch auf einen Wähleranteil von 12,8 Prozent. Dabei sagen gesamtschweizerische Umfragen der Partei voraus, mehr oder weniger stabil zu bleiben. Allerdings hatte die Baselbieter FDP bereits bei den Landratswahlen Anfang Jahr Federn lassen müssen.

Im Frühling hatte die Schweizer FDP mit einer Richtungsänderung versucht, den Sorgen der Bevölkerung um das Klima gerecht zu werden. Doch das scheint im Baselbiet nicht zu fruchten. Von der Klimadiskussion profitieren dafür die Grünen. Satte 4,7 Punkte Gewinn sagen ihnen die Zürcher Forscher voraus. Sie kämen so auf 18,9 Prozent Wähleranteil, so viel wie keine Grüne Sektion in der Schweiz.

Gleichzeitig sollen im Landkanton auch die Grünliberalen hochschiessen, um 2,7 Punkte auf 4,7 Prozent Wähleranteil. Die SVP ihrerseits wird laut Sotomo 2,1 Punkte verlieren. Sie bliebe aber mit 27,7 % klar stärkste Kraft im Kanton. National sind den Rechtskonservativen in den vergangenen Monaten auch schon stärkere Verluste vorausgesagt worden, nicht zuletzt, weil sie lange die Klimadiskussion ignorierten. Handkehrum ist die SVP inzwischen die einzige Partei, die Klimaskeptikern nicht die kalte Schulter zeigt. Stabil bleibt laut der Umfrage die SP (-0,3 Punkte auf 21,9 Prozent Wähleranteil). Entgegen dem schweizweiten Trend würde die CVP im Baselbiet mit 9,6 Prozent um 0,5 Punkte zulegen.

 Saskia Schenker, FDP.

Saskia Schenker, FDP.

Martin Toengi

«Die FDP schöpft ihr Wählerpotenzial nicht aus»

«Das Resultat der Umfrage nehme ich jetzt mal zur Kenntnis. Es widerspricht dem nationalen Trend, wonach die FDP stabil bleibt. Ich rechne trotz der Umfrage damit, dass wir unseren Wähleranteil mehr oder weniger halten. Denn in den kommenden Wochen werden wir unseren Wahlkampf bei den Leuten zur Schlussmobilisierung nochmals intensivieren. Schweizweite Untersuchungen zeigen nämlich, dass die FDP nur 40 Prozent ihres Wählerpotenzials ausschöpft. Mobilisierung ist für uns das A und O. Die Stärkung der Klimapolitik der FDP war richtig, davon bin ich nach wie vor überzeugt. Wir sind die richtige Partei für diejenigen, denen das Klima nicht egal ist, die aber bürgerlich denken. Ich glaube nicht, dass wir darum Stimmen an die SVP verlieren. Als breit etablierte Volkspartei kommen wir damit besser bei den Stimmbürgern an als die Grünliberalen, die sich im Baselbiet nie richtig als liberale Partei etablieren konnten.»

 Bálint Csontos, Grüne.

Bálint Csontos, Grüne.

Zur Verfügung gestellt

«Wir sind glaubwürdig, nicht nur bei Umweltthemen»

«Es ist nicht realistisch, dass wir am Wahlsonntag tatsächlich so stark zulegen. An den Landratswahlen erreichten wir mit einer sehr starken Mobilisierung 15,2 Prozent. In diesem Bereich werden wir uns auch jetzt wiederfinden. Zurückhaltend bin ich auch deshalb, weil 18,9 Prozent fast doppelt so viel sind wie der prognostizierte Wähleranteil der Grünen auf Schweizer Ebene.

Zudem zeigen aktuelle Umfragen aus anderen Kantonen, dass die Wahlbeteiligung bisher sehr tief ist. Da kann sich bis zum Wahlsonntag noch einiges tun. Natürlich gibt uns die Klimadiskussion Aufwind. Unsere aktuelle Stärke hat aber vor allem mit unserem gut vernetzten, sachlich politisierenden Personal zu tun. Wir sind glaubwürdig, nicht nur bei Umwelt- und Klimathemen, im Gegensatz zur GLP, die in entscheidenden Umweltfragen für die Wirtschaft stimmt und sich für das reichste Viertel der Gesellschaft einsetzt.»

... und Fraktionschef Dominik Straumann. Dominik Straumann, SVP.

... und Fraktionschef Dominik Straumann. Dominik Straumann, SVP.

Juri Junkov

«Wir müssen mit einem oder zwei Prozent Verlust rechnen»

«Unser Ziel ist, die stärkste Partei zu bleiben, und das sind wir auch noch mit 27 Prozent Wähleranteil. 2,1 Prozent Verlust wäre fast das Gleiche wie bei den Landratswahlen, und das wird uns ungefähr auch schweizweit prognostiziert. Darum erschüttert mich die Umfrage nicht. Unser Spitzenresultat von 29 Prozent vor vier Jahren ist in unserem politischen System sowieso fast nicht zu halten. Wir müssen mit einem oder zwei Prozent Verlust rechnen.

Slalomläufe wie der der FDP zu Umweltthemen sind grundsätzlich schwierig. Die Leute schätzen es nicht, wenn man nur für den Wahlkampf seine Meinung ändert. Und manche Wähler haben die Nase voll von der Klimadiskussion. Wir haben unsere Grundwerte, die wir in der Klimapolitik nicht auf den Kopf stellen. Sorgen macht mir aber, wenn das bürgerliche Lager Wähler verliert. 30 Prozent für uns, aber nur 10 für die FDP, das bringt niemandem etwas.»

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