Tourismus
Ferien – ausgerechnet auf der Landschaft? Wie die Baselbieter ihre Region neu entdecken

Ferien in der Schweiz sind dieses Jahr beliebter denn je. Nun wird auch das Baselbiet zu einer populären Ausflugsdestination.

Kelly Spielmann
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Auf dem direkt am Rhein gelegenen Campingplatz in Kaiseraugst ist zurzeit viel los.

Auf dem direkt am Rhein gelegenen Campingplatz in Kaiseraugst ist zurzeit viel los.

Nicole Nars-Zimmer

Auf die Frage nach Sommerferienplänen antworten zurzeit die meisten, dass sie dieses Jahr in der Schweiz bleiben. Auch wenn die Grenzen wieder passierbar sind und die Airlines wieder abheben, sind Campingplätze im Tessin ausgebucht, im Thurgau entsteht ein Tourismus-Boom. Ist auch unsere Region diesen Sommer eine beliebte Feriendestination?

Ausflugstipps in drei Kantonen

«Seit wir im Mai die Kampagne Ferien im Baselbiet gestartet haben, hat sich der Zugriff auf unsere Kanäle und die Nachfrage nach Infomaterial extrem gesteigert», sagt Michael Kumli, Geschäftsführer von Baselland Tourismus. Eine zweite Kampagne, «SommerSpass», wurde vergangene Woche gemeinsam mit den Kantonen Solothurn und Aargau lanciert.

Dabei gibt es Ausflugstipps für die Ferien zuhause in den drei Kantonen – im Baselbiet unter anderem der Swiss Mega Park in Frenkendorf, ein Escape Room in Füllinsdorf oder die Ruine Farnsburg. Konkrete Zahlen habe er noch nicht, «aber wir haben diverse Rückmeldungen erhalten, dass die lokale Bevölkerung ihre Region zurzeit wiederentdeckt und neue Gäste aus der Schweiz hierherkommen». In der Natur seien beispielsweise beim Biken oder Wandern viele Leute unterwegs.

Dass Baselbieter ihre Ferienzeit eher in der eigenen Region verbringen, zeigt sich auch bei Hotellerie- und Campingbetrieben. Etwa beim Campingplatz am Rhein, auf Aargauer Boden in Kaiseraugst liegend: Dort ist am Donnerstagnachmittag so viel los, dass der Betreiber Reto Demarmels kaum Zeit für ein Gespräch findet. An Tagen wie diesen sei er den ganzen Tag mit dem Check-In von neuen Gästen beschäftigt, sagt Demarmels am Telefon.

Kaum Ausländer auf den Campingplätzen

Der Campingplatz ist im Sommer ein beliebtes Ziel für Langzeitbesucher, aber auch solche, die für einen Tagesausflug zum Schwimmbad kommen. Dieses ist zurzeit jedoch lediglich für 250 Gäste geöffnet – Zutritt erhalten Personen mit Wohnsitz in Kaiseraugst und Augst, Dauermieter und die Gäste des Campingplatzes, wie es auf der Website heisst.

Auch Christoph Unterrainer, Geschäftsführer des Campingplatzes Waldhort in Reinach, hat diese Woche viel zu tun. «Ich habe viele Gäste aus der ganzen Schweiz», sagt er. «Sogar Walliser und Waadtländer. Das ist schon eher ungewöhnlich.» Ausländer hingegen würden dieses Jahr fehlen. Auch seien die kommenden Wochen noch lange nicht ausgebucht.

«Das liegt daran, dass alle Veranstaltungen in Basel ausfallen. Auf diese sind wir angewiesen», so Christoph Unterrainer. Denn auch wenn viele zurzeit im Inland Ferien machen, würden sie lieber in die Berge oder an einen See gehen. Einen Vorteil habe dies jedoch: «Bei mir findet man immer einen Platz zum Campen», sagt Unterrainer und lacht.

«Der Nachholbedarf scheint gross zu sein»

Dass die diesjährige eine aussergewöhnliche Saison ist, sei auch im Bad Ramsach Quellhotel zu spüren, wie Hotelier und Gastgeber Hermann Mazotti sagt. «Wir haben noch Kapazitäten, sind jedoch schon recht gut ausgelastet», so Mazotti. Es sei sicher ein Vorteil, dass man das Hotel im vergangenen Jahr rundum erneuert habe. «Das kommt uns nun in der Krise zugute», meint er.

Ich hoffe, dass die Krise nachhaltig Wirkung zeigt und wir die Naherholungsgebiete neu kennen lernen können.

(Quelle: Hermann Mazotti, Hotelier Bad Ramsach)

Im Gegensatz zu anderen Jahren merke er jedoch, dass kaum Gäste aus dem Ausland im Hotel übernachten: «Die internationalen Seminare, die wir sonst haben, finden dieses Jahr nicht statt.» Dieses Jahr seien es hauptsächlich Schweizer Besucher, auch im Bad, das seit Anfang Juni offen ist. «Dort haben wir jetzt viele Gäste aus der Region. Da scheint der Nachholbedarf gross zu sein», sagt Mazotti.

Nachhaltige Wirkung auf regionalen Tourismus?

Die Krise habe im Bad Ramsach auch neue Ideen gebracht, so Mazotti. «Im Restaurant haben wir die gesperrten Tische dem regionalen Gewerbe als eine Art Marktstand zur Verfügung gestellt.» Trotz der Krise rücke man in der Region so näher zusammen. Er fügt an: «Ich hoffe, dass die Krise auch nachhaltig Wirkung zeigt und wir die Naherholungsgebiete neu kennen lernen können.»