Herbstferien
Ferien im Oktober liegen im Trend in den beiden Basel

Die Herbstferien haben begonnen. Vor allem Staatsangestellte fehlen derzeit am Arbeitsplatz. Die Kantonsverwaltungen sind gut darauf eingestellt. In anderen Branchen herrscht hingegen Hochsaison.

Boris Burkhardt und Jeremias Kläui
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Auf und davon: Viele Basler und Baselbieter ziehts während der zwei Wochen Herbstferien in die Ferne – doch nicht jede Branche kann sich das leisten.

Auf und davon: Viele Basler und Baselbieter ziehts während der zwei Wochen Herbstferien in die Ferne – doch nicht jede Branche kann sich das leisten.

Martin Töngi

Er stimmt also doch, der Mythos unter den Baselbieter Journalisten, dass in den zwei Wochen Herbstferien beim Kanton kein Mensch mehr zu erreichen ist - mit steigender Tendenz in den vergangenen Jahren. Der Baselbieter Personalchef Markus Nydegger kann sich dazu nicht äussern; er weilt derzeit nämlich selbst in den Ferien. Sein Stellvertreter Thomas Schwarb, der die ganzen zwei Wochen im Dienst sein wird, kann den Eindruck der Redaktionen jedoch bestätigen.

Drei Tage mehr Ferien im Jahr

Zahlen hatte er gestern keine parat. Es sei aber eine Tatsache, dass in den Herbstferien überdurchschnittlich viele Kantonsmitarbeiter in Urlaub gingen. Das liege zum einen wie in anderen Branchen an den Eltern mit Schulkindern, zum anderen aber auch daran, dass der Regierungsrat in den Schulferien nicht tagt. «Mehr Kantonsmitarbeiter als man denkt sind in ihrer Arbeit abhängig von Entscheiden des Regierungsrates», sagt Schwarb. Will heissen: Da die Mitarbeiter sowieso zum Warten verdammt wären, machen sie lieber gleich Urlaub.

Für den Kanton ist diese Konzentration auf die Schulferien laut Schwarb kein Problem; das sei schon länger Tradition: «Das hat fast schon den Charakter von Betriebsferien.» Auch im Kanton Basel-Stadt gibt es die Herbstferien-Tradition. In der Personalabteilung weiss man allerdings noch einen dritten Grund dafür: Die rund 15 000 Angestellten des Kantons erhalten seit Anfang Jahr mehr Ferien. Den Mitarbeitern stehen neu 25 freie Arbeitstage pro Jahr zu, drei mehr als vorher. Diese Absenzen würden dann stärker auffallen, da sie sich auf nur zwei Wochen konzentrieren, und nicht wie im Sommer auf anderthalb Monate verteilen, heisst es beim Personaldienst des Kantons.

Verändertes Reiseverhalten

Dass während der Herbstferien immer weniger gearbeitet wird, gehe auch auf ein verändertes Reiseverhalten zurück, erklärt Tobias Eggimann, Tourismusdirektor des Kantons Basel-Landschaft. Der Trend neige dazu, immer kürzer Ferien zu machen; dafür häufiger. Als Beispiele nennt er Städtereisen oder Tagesausflüge in die nähere Umgebung. Die Hotels fördern dieses Verhalten, indem sie zwei- bis dreitägige Ferien-Pakete anbieten. Auch die SBB sind mittlerweile auf diesen Zug aufgesprungen und lancierten den Ferienpass: Mit ihm können Kunden für rund 200 Franken während 15 Tagen unbegrenzt mit dem Zug fahren. Damit wolle das Bahnunternehmen auf den momentanen Einbruch in der Tourismusbranche reagieren, teilt Mediensprecher Reto Schärli mit.

«Starke Jahreszeit» für Logistik

«Wenn andere in Ferien gehen, fahren wir das Personal rauf», beleuchtet hingegen Euro-Airport-Sprecherin Vivienne Gaskell die andere Seite der Medaille. So habe der Flughafen während der Schulferien prinzipiell besonders viel Passagierverkehr; im Juli besteht die Spitzenzeit aus drei Wochen, in denen Schweizer, Deutsche und Franzosen gleichzeitig Ferien haben. Wie es konkret mit den Herbstferien aussieht, konnte Gaskell gestern nicht ermitteln.

Wenig Absenzen gibt es momentan auch in der Logistikbranche. Ruedi Matti, Bereichsleiter Gütertransport beim Branchenverband Astag, weiss, dass der Herbst «traditionell eine starke Jahreszeit für die Logistik ist». Das liege hauptsächlich daran, dass viel produzierendes Gewerbe im Sommer Betriebsferien habe und danach wieder auf Hochtouren laufe.

Im Baugewerbe wird gearbeitet

Beim Baugewerbe hingegen kennt man keine Personalengpässe in den Herbstferien. Vorrang haben sowohl bei der Implenia Bau AG in Pratteln wie auch bei der Erne AG in Laufenburg Eltern mit Schulkindern. Während die Laufenburger Bauarbeiter aber auch im Sommer für ihre Familienferien zwei Wochen haben, in denen der Betrieb eingeschränkt ist, herrscht für die Implenia-Mitarbeiter im Sommer Hochbetrieb: «Das ist wegen des Wetters die produktivste Zeit», heisst es aus der dortigen Personalabteilung. Üblich sind im Baugewerbe ausserdem zwei bis drei Wochen Betriebsferien um den Jahreswechsel, die in Gleitzeit vor- oder nachgearbeitet werden müssen.