Strafgerichtsfall
Feuerwerk vor Schulhaus kostet Lehrling 145'000 Franken

Ein Lehrling verursachte am Neumattschulhaus in Aesch mit einem Feuerwerkskörper einen Brand. Er erhält zwar die Minimalstrafe, doch der Schaden ist immens.

Patrick Rudin
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Der Lehrling warf einen brennenden Vulkan in einen Wohnwagen vor dem Schulhaus. (Symbolbild)

Der Lehrling warf einen brennenden Vulkan in einen Wohnwagen vor dem Schulhaus. (Symbolbild)

«Dass es anfängt zu brennen, war mir eigentlich klar. Aber dieses Ausmass habe ich nicht erwartet», sagte der 19-jährige Elektrikerlehrling gestern an der Verhandlung im Strafgericht in Muttenz. Ihm war die Sache sichtlich peinlich, hinten auf den Zuschauerplätzen sassen seine Eltern.

Vor fast genau einem Jahr war die Stimmung offensichtlich gelöst: Zusammen mit Freunden hing er in der Nacht zum ersten August auf dem Schulhausareal Neumatt in Aesch herum, und zu später Stunde warf er einen 20 Zentimeter grossen, brennenden Vulkan in einen Wohnwagen. Das Gefährt diente der Schule als Verkaufsstand, die Heckklappe stand offen.

Schadenhöhe ist umstritten

Zuerst fingen die Kissen- und Sitzbezüge im Wohnwagen Feuer, der Brand griff später auch auf das Vordach und die Wandisolierung des Schulhauses über. Durch die Hitze ging schliesslich die Fensterfront des Lehrerzimmers zu Bruch. Mit Wasser und Bier versuchten die Hobby-Feuerwerker zuerst, den Brand zu löschen, gaben aber rasch auf und flüchteten. Die Feuerwehr wurde erst später durch Anwohner alarmiert.

«Warum haben sie in diesem Moment nicht die Feuerwehr gerufen?», fragte Gerichtspräsidentin Irène Laeuchli den Mann. «Ich weiss es nicht. Ich bin in Panik geraten», sagte der 19-Jährige dazu. Nach dem Brand sass er einen Tag lang in Untersuchungshaft.

Der ausgebrannte Wohnwagen schlug lediglich mit 1200 Franken zu Buche, doch den Schaden am Schulgebäude bezifferte die Gebäudeversicherung und das Hochbauamt auf rund 145'000 Franken. Diese Schadenhöhe ist noch umstritten, der Lehrling anerkannte allerdings die Zivilforderung zumindest im Grundsatz.

Teenager versucht zu zahlen

Damit war ein sogenannt abgekürztes Verfahren möglich: Die Staatsanwaltschaft und der Lehrling einigten sich auf das tiefstmögliche Strafmass von 12 Monaten bedingt. Richterin Laeuchli genehmigte gestern diesen «Deal», angesichts des kooperativen Verhaltens des Mannes und seiner Geständigkeit sei das Strafmass angemessen. Das Urteil ist damit definitiv.

Das Strafgesetzbuch sieht für Brandstiftung eine Freiheitsstrafe zwischen einem und zwanzig Jahren vor. Der 19-Jährige hat bereits teilweise die Kosten für die Feuerwehr in mehreren Raten abgestottert, er verdient momentan monatlich 1200 Franken. Sein Verteidiger betonte, man möchte nun mit dem Kanton ebenfalls eine Abzahlungsvereinbarung treffen. Der Teenager hat inzwischen einen Verjährungsverzicht unterschrieben: Offensichtlich ist es ihm ernst damit, zumindest einen Teil der 145'000 Franken langfristig abzuzahlen. «Da kommt noch einiges auf Sie zu. Schauen Sie, dass Sie mit dem Kanton Baselland eine Lösung finden», kommentierte Gerichtspräsidentin Irène Laeuchli.