Fachhochschul-Neubau
FHNW und Muttenz befürchten Verkehrschaos und fordern mehr Schnellzug-Halte

Mit dem Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) auf dem Polyfeld in Muttenz nehmen die Schülerzahlen ab Herbst 2018 massiv zu. Schulleitung und Gemeinde fordern nun eine bessere öV-Anbindung. Und die FHNW muss ihre Unterrichtszeiten staffeln.

Michael Nittnaus
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300 Millionen Franken kostet der Neubau der FHNW in Muttenz. Im Herbst 2018 löst er das aktuelle FHNW-Hochhaus (links hinten) ab.

300 Millionen Franken kostet der Neubau der FHNW in Muttenz. Im Herbst 2018 löst er das aktuelle FHNW-Hochhaus (links hinten) ab.

Nicole Nars-Zimmer

Das Mega-Projekt des «Kubuk»-Neubaus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) auf dem Polyfeld-Areal in Muttenz kommt sichtlich voran. Im Herbst 2018 soll das Gebäude bezogen werden – von über 4400 Studierenden und Angestellten. Im Vergleich zur heutigen Grösse von rund 1200 Personen bedeutet dies fast eine Vervierfachung. Diese Menschenmasse muss jeden Morgen pünktlich zu Schulbeginn nach Muttenz an die Hofackerstrasse gelangen und abends wieder heim. Das ist ein Problem, glauben FHNW und die Gemeinde Muttenz. Gemeinsam haben sie deshalb vergangene Woche eine Stellungnahme zum Baselbieter öV-Fahrplanentwurf 2018 bei der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) eingereicht.

Ab 2024 wird es noch schlimmer

Diese liegt der bz vor und hat es in sich: Darin erwähnt ist nämlich eine von der FHNW initiierte und gemeinsam mit Kanton, Muttenz und SBB verabschiedete Studie zur Verkehrsanbindung. Diese kommt zum deutlichen Schluss: «Die prognostizierte Schülerzahl kann mit dem vorgesehenen Angebot insbesondere auf den Buslinien 47 und 60 sowie auf der S-Bahn nicht transportiert werden.» Auf Nachfrage redet Ruedi Hofer, FHNW-Standortleiter beider Basel, Klartext: «Eigentlich ist es nicht denkbar, den Campus ohne eine bessere öV-Erschliessung in Betrieb zu nehmen.» Eigentlich. Denn Hofer weiss auch: «Im Herbst 2018 nicht zu starten, ist für uns kein Szenario.» Sollte es so weit kommen, bestünde aber das Risiko, dass sich gute Studierende gegen die FHNW entscheiden, da optimale öV-Verbindungen heutzutage ein immer wichtigeres Qualitätsmerkmal seien. «Der Bildungs-Markt ist hart», sagt Hofer trocken.

Ähnlich klare Worte findet der Muttenzer Gemeindepräsident Peter Vogt: «Wir wehren uns gegen ein Verkehrschaos. Wir erwarten, dass die Regierung handelt und ernsthafter als bis jetzt an einer Lösung mitarbeitet.» Dies nicht nur wegen der FHNW, sondern auch wegen der weiteren Schulen, die im Rahmen des kantonalen Masterplans Sekundarstufe II ab 2024 aufs Polyfeld ziehen (bz vom Dienstag). «Wir nehmen das Thema sehr ernst und wissen, was im Herbst 2018 auf uns zukommt», sagt Eva Juhasz. Die öV-Delegierte in der BUD verspricht: «Wir lassen keine Schüler auf der Strasse stehen.»

Schnellzug öfter in Muttenz halten

Doch was tun? In der Stellungnahme fordern FHNW und Muttenz einen Angebotsausbau bei den Buslinien 47 und 60, aber auch bei der S-Bahn und den Schnellzügen – dies nicht zwingend zum Fahrplanwechsel diesen Dezember, aber spätestens zur Campus-Eröffnung im darauffolgenden Herbst. Konkret sollen auf der 47er-Linie den ganzen Tag die längeren Gelenkbusse verkehren. Dazu brauche es am frühen Morgen Verstärkungskurse nach Muttenz. Hier zeigt sich der Kanton Baselland offen: «Gelenkbusse sind durchaus denkbar», sagt Juhasz. Man müsse allerdings noch Testfahrten durchführen, um sicherzustellen, dass sie um alle Kurven kommen. Die höhere Hürde stellen die Forderungen zur Bahn dar: Die S-Bahnen kurz vor und nach 8 Uhr ab Basel bräuchten zusätzliche Wagen. Und die Interregio-Züge zwischen Luzern und Basel müssten neu auch in Muttenz halten. Zusätzliche IR-Halte sollen auch die Verbindung der drei FHNW-Standorte von Muttenz, Olten und Brugg verbessern, vor allem in der Morgenspitze.

«Wir fordern keine zusätzlichen Verbindungen, sondern nur mehr Kapazitäten und neue Halte», sagt Hofer. Ob ein zusätzlicher Halt in Muttenz den Schnellzug-Fahrplan durcheinanderbringt und es nur auf Kosten von aktuellen Haltestellen möglich wäre, könne er nicht beurteilen, sagt der ehemalige Baselbieter Kantonsingenieur. Auf jeden Fall führe die FHNW zurzeit intensive Verhandlungen mit den SBB, aber auch mit Kanton, Gemeinde und BLT. «Ziel ist eine Lösung kommenden Herbst», sagt Hofer, der sich «sehr zuversichtlich» zeigt.

Neu gestaffelte Unterrichtszeiten

Doch nicht nur Kanton und Verkehrsunternehmen müssen etwas tun, findet Juhasz: «Die FHNW muss auch flexibel sein und ihre Stundenpläne so anpassen, dass nicht alle Schüler gleichzeitig den öV nutzen.» Das weiss auch Hofer. Er kündigt an: «Eine gewisse Staffelung der Unterrichtszeiten wird es geben.» Zurzeit werde geprüft, in welchem Ausmass dies möglich sein wird. Nicht entsprechen kann die FHNW Muttenz dagegen dem Wunsch der SBB, den Schulbeginn von heute 8.45 Uhr auf 9 Uhr zu verschieben. Im Gegenteil: «Für uns ist es sehr wichtig, dieselben Schulzeiten wie unsere anderen Standorte zu haben, daher planen wir in Muttenz neu einen Beginn um 8.15 Uhr», sagt Hofer. Dabei schreibt die FHNW selbst in der Stellungnahme, dass so genau «die Pendlerspitze überlagert» werde. Hofer nennt es ein «Spannungsfeld». Ein Weiteres also.

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