750-Jahr-Jubiläum
«Filmen ist zu 90 Prozent Wahnsinn» – Ettingen wird zum Filmprojekt

Anlässlich des 750-Jahr-Jubiläums der Gemeinde erzählen die Schauspieler David Bröckelmann und Salomé Jantz die Geschichte Ettingens vor der Kameralinse.

Daniel Aenishänslin
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David Bröckelmann (von links), Salomé Jantz, Thomas Stöcklin und Sarah Dumas sehen sich Aufnahmen an.

David Bröckelmann (von links), Salomé Jantz, Thomas Stöcklin und Sarah Dumas sehen sich Aufnahmen an.

Daniel Aenishänslin

David Bröckelmann trottet gut gelaunt durch Ettingen. Gewandet, als sei er Bernhard, der Herzog von Sachsen-Weimar, der im Dreissigjährigen-Krieg an der Seite des Schwedenkönigs Gustav Adolf kämpfte.

Eine Rolle, die Bröckelmann in einer von sieben Episoden aus Ettingens Geschichte mimt. Gezeigt werden sie am Dorffest «750 Jahre Ettingen» im September. Seine Rolle als Bernhard ist eine Ausnahme innerhalb des Projekts. Grundsätzlich ist David Bröckelmann als Regisseur engagiert. Deshalb ist er nun auf der Suche nach einem geeigneten Baum. Diesen braucht er, um einen Barden mitsamt seiner Laute an ihn zu fesseln. In bester Asterix-Manier. Die Drehbücher lassen Platz für Augenzwinkern.

Projekt mit 150 Laien

Drei dieser Drehbücher stammen aus der Feder von Bröckelmanns Lebenspartnerin, der Schauspielerin Salomé Jantz. «Es hat echt Spass gemacht, Historisches zu recherchieren, zu dramatisieren und zu dialogisieren», sagt Jantz. Drei weitere Drehbücher verfasste Produzent und Initiant Benno Graber, eines Pascal Wirth. «Eine sehr schöne Sache ist es, mit diesen vielen Laien zu arbeiten», sagt Jantz. «Ich bin wahnsinnig gespannt auf das Resultat.» Insgesamt 150 Laiendarsteller transportieren Geschichten über Armut, Tourismus und den Zweiten Weltkrieg. Über Pfarrer Jeissi, dessen Matura das reformierte Liestal nicht anerkannte, und natürlich über den Überfall der Schweden. Jantz führt als Erzählerin durch die Epochen. Pikantes Detail am Rande: Gemeindepräsidentin Sibylle Haussener wird als Höhlenbewohnerin zu sehen sein. «Für die Teilnehmenden sind die Dreharbeiten ein Event», sagt Graber.

Gezeigt werden die sieben historischen Episoden am Dorffest «750 Jahre Ettingen». Gegen 20 Wirtschaften bilden den Rahmen, eine Jazzmatinee, Konzerte von Anna Rossinelli und den Pedestrians, aber auch ein ökumenischer Gottesdienst. «Die Ettinger haben Festkultur», sagt Benno Graber. «Ettingen ist es sich gewohnt, sich zu feiern.» David Bröckelmann reicht gleich die passende Geschichte über Ettinger Festbrüder hinterher. Als die Crew in Biel-Benken drehte, gings danach in die Wirtschaft Heyer, wo sie für satte 300 Franken tranken und Crème-Schnitten assen. «Verkraftbar», sind sich Bröckelmann und Graber einig. Das Budget beläuft sich immerhin auf 35 000 Franken. Dafür kommen Bürger-, Einwohnergemeinde, der Swisslos-Fonds und Sponsoren auf.

Für Neuzuzüger und Dorfadel

Kameramann Thomas Stöcklin fängt ein, wie die Schergen von Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar im Dorf ihr Unwesen treiben: Schweden-Überfall. «Krieg ist anstrengend, ich sage es euch», kommentiert der Regisseur in der unbequemen Rüstung. «Solche Kostüme haben Konsequenzen.» Sie drücken da, ziehen dort. Sie ziehen aber auch die verwunderten Blicke der Passanten auf sich. Viele Kostüme stammen aus dem Fundus von Jantz und Bröckelmann selbst.

Während des Mittagessens im Restaurant spricht Salomé Jantz spontan Gäste an. Sie will wissen, was ihnen zu Schweden in den Sinn kommt. «Abba, Ikea, Pippi Langstrumpf.» Sie tut dies mit ebenso viel Einsatz und Freude, wie sie David Bröckelmann den Laien attestiert. Diese positiven Emotionen begründet er mit fehlender Verbissenheit am Set. «Im professionellen Business gibt es viel Druck und oft Konflikte», erklärt Bröckelmann, «der professionelle Anspruch ist hier aber zweitrangig.» Die Dreharbeiten sieht er als ein «identitätsbildendes Integrationsprojekt», wo Neuzuzüger und Dorfadel aufeinandertreffen. Vielleicht schreibt die Filmcrew mit ihrem Werk gerade ein neues Stück Ettinger Geschichte. Die 8. Episode.