Spar-Opfer
Findet «Kunst in Reinach»zum allerletzten Mal statt?

Die seit 1996 existierende Traditionsausstellung «Kunst in Reinach» fiel vor kurzem dem Sparstift zum Opfer. Die Organisatorinnen hoffen jetzt, dass der Einwohnerrat den Entscheid rückgängig macht.

Thomas Brunnschweiler
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Exponenten mehrerer Parteien möchten die Veranstaltung retten.

Exponenten mehrerer Parteien möchten die Veranstaltung retten.

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Heute sind selbst Traditionsveranstaltungen nicht mehr sakrosankt. Meist müssen gerade jene Kultur-Events Federn lassen, die eher im Mittelfeld angesiedelt sind. «Kunst in Reinach» wird in diesem Jahr zum 9. Mal durchgeführt. Wenn es nach dem Entscheid des Einwohnerrats vom 1. September ginge, wäre es das letzte Mal. Die Verkaufsausstellung, die Kunstschaffenden aus der Metropolitanregion Basel eine Plattform gibt, ist in der Region äusserst beliebt. Auch wenn – oder gerade weil – Kunst in Reinach sich nicht mit der Art Basel messen kann und will, zieht es Kunstliebende, die nicht über unbegrenzte Mittel verfügen, hierher. Kunst in Reinach ist für viele Künstlerinnen und Künstler eine Startrampe zu regionaler oder manchmal sogar internationaler Bekanntheit.

Sparerfolg versus Imageverlust

Ziemlich irritiert waren die Organisatorinnen der alle zwei Jahre stattfindenden Ausstellung, als sie aus der Zeitung erfahren mussten, dass Kunst in Reinach in Zukunft nicht mehr stattfinden werde. Begründet wird die Sparmassnahme mit den mit 32 000 Franken veranschlagten internen Kosten für Personal- und Sachaufwand. Veranstalterin Irene Endress widerspricht dieser Kostenlogik: «Wir haben seit einigen Jahren einen Gewinn im vierstelligen Bereich erwirtschaftet. Interne Kosten, etwa beim Werkhof, entstünden auch, wenn es uns nicht gäbe.»

Schon im Papier zum Stabilisierungsprojekt wurde auf den Imageverlust hingewiesen, der durch die Preisgabe von Kunst in Reinach entstehen könnte. Bei der entscheidenden Einwohnerratssitzung war offenbar niemandem bewusst, dass das Abnicken von Nummer 19 der Sparmassnahmen, die Streichung von Kunst in Reinach, äusserst brisante Folgen haben würde. Der für die Kultur zuständige Gemeinderat Paul Wenger (SVP) sieht hingegen noch Chancen, dass Kunst in Reinach weitergeführt wird. «Es gibt ja legale Mittel, den Entscheid zu korrigieren», sagt Wenger, «nicht zuletzt im Rahmen der Budgetdebatte».

Bereits ist ein Antrag auf eine Wiedereintretensdebatte im Einwohnerrat deponiert. Exponenten mehrerer Parteien möchten die Veranstaltung retten. Insofern besteht durchaus noch berechtigte Hoffnung, dass es auch eine 10. Ausgabe von Kunst in Reinach geben wird.

Kunst in Reinach, 9. Ausgabe, Gemeindehaus Reinach, 7. bis 9. November. 29 Künstlerinnen und Künstler aus der Metropolitanregion Basel. – Im 3. Obergeschoss Sonderausstellung Cartoons und Karikaturen. – Vernissage: Freitag, 7. November, um 18.30 Uhr. Samstags von 11 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr. Eintritt frei.