Verkehr
Flaschenhals A2 bei Muttenz: 130000 Wagen zwängen sich täglich durch

Die A2 bei Muttenz ist der Flaschenhals der Region. 130000 Fahrzeuge zwängen sich dort jeden Tag durch. Schon ein unvorsichtiger Spurwechsel kann heute einen Stau auslösen. Ein Ende des grössten Engpasses im Baselbieit ist nicht ins Sicht.

Benjamin Wieland
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Der Verkehr stockt auf der A2 bei Muttenz: Für Automobilisten ein gewohnter Anblick.

Der Verkehr stockt auf der A2 bei Muttenz: Für Automobilisten ein gewohnter Anblick.

bz-Archiv

Das A2-Teilstück zwischen Muttenz und Pratteln als Nadelöhr zu bezeichnen, ist ein wenig übertrieben. Schliesslich ist in der Bibel, woher das berühmte Gleichnis stammt, von einem ganzen Kamel die Rede, das durch ein Nadelöhr muss. Aber die Menge Blech, die sich bei der Zählstelle Muttenz-Hard über die Autobahn zwängt, kommt dem Bibelgleichnis ziemlich nah: Fast 130 000 Fahrzeuge fahren dort im Schnitt jeden Tag durch – und damit fast exakt eineinhalb pro Sekunde. Das ist schweizweit Rang zwei (siehe Box).

130000 Fahrzeuge täglich

Immer wieder ist von der A 2 bei Muttenz von der am stärksten befahrenen Strasse der Schweiz die Rede. Doch das ist nicht korrekt: Die A 1 bei Wallisellen wies 2012, wie schon in den vorhergehenden Jahren, mehr Verkehr auf. Die dortige Messstelle verzeichnete im vergangenen Jahr durchschnittlich 140 845 Fahrzeuge pro Tag, diejenige in Muttenz 126 872. Auf Rang 3 folgt die A 1 bei Neuenhof/Baden (126 216). Mit der A 2 im Gellert rangiert ein weiterer Nationalstrassen-Abschnitt der Region Basel in den «Top Ten»: Mit rund 103 000 Fahrzeugen liegt er auf Rang 8. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat 2012 auf den Nationalstrassen bei der Jahresfahrleistung eine Steigerung in der Höhe von 0,3 Prozent gemessen. Dieser Wert liegt deutlich unter den Zuwachsraten der Vorjahre. Die höchsten Frequenzen werden in den Agglomerationen der grossen Wirtschaftsräume gemessen - das zeigt, dass der Verkehr auf den Schweizer Strassen zum grössten Teil hausgemacht ist. Bei Transitstrecken wie etwa dem Gotthard staut sich der Verkehr vor allem jeweils zu Ferienbeginn. (bwi)

Die jüngsten Zahlen publizierte das Bundesamt für Strassen (Astra) Anfang Woche in seinem Verkehrsentwicklungsbericht der Nationalstrassen für das Jahr 2012. Zwar hat auf der A2 im Raum Basel der Verkehr im vergangenen Jahr leicht abgenommen. Das könnte jedoch damit zu tun haben, dass diese immer stärker von Stau betroffen ist – und die Strasse somit gar nicht mehr Verkehr aufnehmen kann. Droht der A2 bei Basel der Stau-Kollaps?

Verkehr stockt immer häufiger

Soweit möchte der Baselbieter Kantonsingenieur Oliver Jacobi nicht gehen. Aber er räumt ein: «Das Teilstück der A2 von der Osttangente bis Pratteln hat die Grenze seiner Leistungsfähigkeit erreicht.». Das habe Folgen auf den Verkehrsfluss: «Schon ein unvorsichtiger Spurwechsel kann dazu führen, dass der Verkehr zum Stocken oder gar zum Erliegen kommt.»

Ist eine Strasse stark befahren, so steigt auch die Unfallgefahr. In der Tat ist der Abschnitt ein heisses Pflaster: Bei der Polizei Basel-Landschaft gilt die Verzweigung Hagnau, wo die H 18 in die A2 übergeht, als Unfallschwerpunkt. Auf wenigen hundert Metern kam es 2012 in beiden Fahrtrichtungen zu insgesamt 20 Unfällen. Ein weiteres Problem der Überlastung: der Ausweichverkehr auf die Kantonsstrassen.

Im Astra-Bericht sind die Staustunden der einzelnen Abschnitte nicht separat aufgeführt. Auf der gesamten A 2 jedoch haben die Staustunden gegenüber dem Vorjahr um 9,2 Prozent zugenommen – das ist fast der doppelte Wert wie auf dem gesamten Nationalstrassennetz. Und: Bei der A2 schreibt das Astra explizit von «Stauschwerpunkten in der Agglomeration Basel», womit die A2 von Muttenz bis Pratteln gemeint ist.

«Nicht mehr in diesem Jahrzehnt»

Laut Oliver Jacobi hat der Kanton das Teilstück schon seit längerem auf dem Radar. Das Ziel bestehe darin, den Verkehr möglichst flüssig zu halten. Das könnte auch mit je einer zusätzlichen Spur geschehen, also mit einem Ausbau von heute sechs auf acht Spuren. Das sei jedoch «nur eine Option», so Jacobi. Die Aufsicht über die Nationalstrassen hat der Bund – und er hat das Problem des Flaschenhalses vor Basel erkannt: Im zweiten Programm der Engpassbeseitigung im Nationalstrassennetz ist die A2 vor Basel prioritär aufgeführt. Die Vernehmlassung des Programms wird Ende Juni publiziert.

Aber auch im Fall, dass die Spurerweiterung enthalten ist, kann nicht mit einer baldigen Verbesserung gerechnet werden. Denn Autobahnbauten benötigten viel Zeit. Dazu Jacobi: «Falls die achtspurige A2 kommt, dann nicht mehr in diesem Jahrzehnt.»

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