Binningen
Flop: Verband der Islamischen Kulturzentren kriegt seine Internate kaum voll

Die Kritik am Vorhaben des Verbands der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), in Binningen eine Moschee samt Wohnheim einzurichten, reisst nicht ab. Unter anderem werden Zweifel geäussert an den Geldquellen des VIKZ.

Benjamin Wieland
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Der Verband der Islamischen Kulturzentren kriegt seine Heime kaum voll

Der Verband der Islamischen Kulturzentren kriegt seine Heime kaum voll

Juri Junkov

Juri Junkov

Das geplante muslimische Jungen-Internat in Binningen hat die Politik auf den Plan gerufen. Landrat Pascal Ryf (CVP) will in einem Vorstoss von der Baselbieter Regierung unter anderem wissen, ob geschlechtergetrennte religiöse Bildungsinstitutionen überhaupt mit dem kantonalen Bildungsgesetz vereinbar wären.

Der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) Schweiz betreibt hierzulande bereits drei derartige Schülerwohnheime: in Zürich, Wetzikon ZH und Buchs AG. Sie scheinen sich keiner grossen Nachfrage zu erfreuen.

Per Juli 2018 lief für das Heim in Buchs die Betriebsbewilligung aus, heisst es von der Aargauer Bildungsdirektion auf Anfrage der bz. Ein Antrag auf Erneuerung sei keiner eingegangen, die Gründe kenne man nicht.

Der VIKZ jedoch bestätigt der bz, die Einrichtung sei immer noch in Betrieb. Das lässt nur ein Fazit zu: Die Zahl der Schüler ist unter die Limite gefallen, ab der eine kantonale Bewilligung notwendig ist. Die Grenze liegt im Kanton Aargau bei vier Kindern.

Muslim-Verein kontert Vorwurf, Ausland finanziere Internat mit

Die Kritik am Vorhaben des Verbands der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), in Binningen eine Moschee samt Wohnheim einzurichten, reisst nicht ab. Der Verein sieht vor, in einem kürzlich erworbenen Gebäude bis zu 20 Knaben und Jugendliche unterzubringen. Unter anderem werden Zweifel geäussert an den Geldquellen des VIKZ. Der Verband könne die 5,8 Millionen Franken für den Kauf der Immobilie unmöglich selber aufgebracht haben, äussert sich etwa ein Binninger Einwohnerrat in der Lokalpresse.

Der verschwiegene VIKZ sah sich gezwungen, Stellung zu beziehen. Er hält in einer Medienmitteilung fest, er erhalte keine finanzielle Unterstützung von «irgendwelchen Staaten». Die Behauptung, der türkische Staat finanziere die neue Moschee mit und nehme entsprechend Einfluss, sei falsch.

Kein Novum für Baselland

Den Kaufpreis für die Binninger Liegenschaft habe man mit Erspartem und mit einem Kredit einer regionalen Bank bezahlt. Der Verein finanziere sich ausschliesslich über Mitgliederbeiträge und Spenden sowie aus Erlösen von Wohltätigkeits-Basaren.
Der VIKZ weist auch auf die zahlreichen bereits existierenden geschlechtergetrennten Internate hin. Im Kanton Baselland sind es die Schulheime Wolfbrunnen in Lausen (für Mädchen) und Schillingsrain in Liestal, wo nur Jungen untergebracht sind.

Noch kein Gesuch eingegangen

Über die Gründe für die geringe Auslastung des Heims gibt der VIKZ keine Auskunft. Gemäss Betriebsbewilligung lebten 2015 zehn Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren in der Liegenschaft am westlichen Rand von Buchs, gleich an der Grenze zur Stadt Aarau.

Auch im Kanton Zürich kämpft der VIKZ mit Nachwuchsproblemen. So legte er in der Stadt Zürich zwei Heime zusammen. Das geht aus einer Antwort des Aargauer Regierungsrats aus dem Jahr 2016 auf einen Vorstoss aus dem Grossen Rat hervor. In der Einrichtung in Wetzikon gibt es laut dem Zürcher Verzeichnis der kantonalen Kinder- und Jugendheime 22 Plätze, im Internat in Zürich kommen bis zu 28 Jugendliche unter.

In Binningen wächst der Widerstand gegen das Kulturzentrum, in dem auch eine Moschee mit Wohnheim unterkommen soll. In einem Leserbrief im «Binninger Anzeiger» fordert FDP-Einwohnerrat Peter Heiz die Baselbieter Regierung dazu auf, das Baugesuch auf keinen Fall zu bewilligen.

Im Kulturzentrum in Binningen sollen 20 Buben und Jugendliche wohnen. Gemäss den Plänen des VIKZ werden sie weiterhin die öffentlichen Schulen besuchen und in den Räumlichkeiten an der Baslerstrasse Religionsunterricht und Aufgabenhilfe erhalten. Weitere Details sind keine bekannt. Das Baselbieter Amt für Kind, Jugend und Behindertenangebote schreibt auf Anfrage, es sei noch kein Gesuch um eine Heimbewilligung eingegangen.

Beanstandungen in Buchs

Hoch ist der Kenntnisstand zum Buchser Schulheim, dank des erwähnten Vorstosses, eingereicht von der Aargauer EVP-Grossrätin Lilian Studer. Sie interessierte sich speziell für allfällige Auflagen, die der Einrichtung auferlegt wurden. Gemäss der Antwort der Regierung fanden die Behörden bei ihren Besuchen Anlass für Beanstandungen. Etwa, was die Betreuung angeht.

Bei der Erteilung der Betriebsbewilligung sei auch die Auflage für ausreichende Deutschkenntnisse gemacht worden. Von den drei Betreuern besitze einer die deutsche Staatsbürgerschaft, die anderen seien in der Schweiz aufgewachsen, einer ist gebürtiger Basler. «Die Deutschkenntnisse und die Vertrautheit mit den hiesigen schulischen Gegebenheiten wurden bei allen drei als ausreichend beurteilt.» Zusammenfassend wertet der Regierungsrat den Eindruck von der Institution als «zufriedenstellend».