Aesch
Flugblatt-Verfasser gegen Aesch Nord wehren sich: «Herausgeber war deutlich genannt»

Sie seien auf dem Flyer gegen Aesch Nord nicht anonym aufgetreten, sagt der Verantwortliche der Gruppe «PlanBasel» . Sie planen schon das nächste grosse Ding – dieses Mal in Basel.

Benjamin Wieland
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Hier ist der See geplant, aber nicht alle sind dafür: Würde die Vision für Aesch Nord umgesetzt, sagen Gegner, kämen auf die Einwohner Steuererhöhungen zu.

Hier ist der See geplant, aber nicht alle sind dafür: Würde die Vision für Aesch Nord umgesetzt, sagen Gegner, kämen auf die Einwohner Steuererhöhungen zu.

Juri Junkov

Geht es nach den Autoren auf der Infoplattform PlanBasel, läuft bei grossen Bauvorhaben in der Region Basel fast alles schief. Auf ihrer Webseite kritisieren die Macher unter anderem das geplante Herzstück für die S-Bahn, die vorgesehene Überbauung des Güterbahnhofs Wolf und jüngst die Entwicklungsplanung für Aesch Nord samt künstlichem See und neuer Veranstaltungshalle, dem Holz-Dom.

Bei der Kritik an Aesch Nord betrat «PlanBasel» jedoch neue Wege: Statt «nur» online verbreiteten die Verantwortlichen ihre Sicht der Dinge analog, liessen am vergangenen Samstag Flugblätter in zahlreiche Aescher Briefkästen verteilen.

Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger, die in einer Karikatur als «Dorfkönigin» dargestellt wurde, kritisierte den Stil der Publikation und vermutete dahinter Wahlkampf – am 28. Juni finden in Aesch die Wahlen fürs Gemeindepräsidium statt. Hollinger tritt jedoch nicht mehr selber an.

Wir kritisieren Personen ohne Rücksicht auf ihren Einfluss.

(Quelle: Oliver Bippus, Koordinator «PlanBasel»)

Der Koordinator von «Planbasel» ist Oliver Bippus. Er schreibt auf Anfrage der bz, auf dem Flugblatt würden die Wahlen mit keinem Wort erwähnt: «Es geht denn auch nicht um Personen oder Wahlen, sondern um die Sache: Es geht um Aesch Nord und den Holzdom, es geht um Raum- und Verkehrsplanung.» Man kritisiere Personen «ohne Rücksicht auf ihren politischen oder wirtschaftlichen Einfluss» – aber nur dann, wenn sie auch tatsächlich beteiligt seien.

Auf dem zweiseitigen Papier mit dem Titel «Fehlplanung!» war von Filz und Vetternwirtschaft zugunsten von «Betonlobby und Landeigentümern» die Rede. Aesch werde sich wegen des unrealistischen Vorhabens verschulden müssen, es drohten Steuererhöhungen.

Flugblatt wurde in Auflage von 5000 Stück verteilt

Hollinger bemängelte neben Falschinformationen auch, die Urheberschaft sei nicht klar ersichtlich. Bippus entgegnet, auf dem Flugblatt, von denen man rund 5000 Exemplare verteilt habe, sei deutlich «Planbasel» als Herausgeber genannt.

Übers Pfingstwochenende war jedoch auf der «PlanBasel»-Webseite die Kategorie «Team», zu dem neben Bippus unter anderem der Binninger alt Landrat und Margarethenstich-Bekämpfer Roger Moll gehört, leer. Nur unter einer anderen Kategorie war Oliver Bippus angegeben. Der Reinacher liess die Domain im Oktober 2019 reservieren, kurz darauf folgten die ersten Beiträge.

Der Betriebswirt sagt zur bz, er selber finanziere bislang alle Tätigkeiten der Plattform selbst, weil ihm die «Koordination der Raum- und Verkehrsplanung» ein persönliches Anliegen sei. Ebenso wolle er Aesch vor «leer stehenden Bauten und vor einer Schuldenfalle bewahren».

Im Flugblatt wird neben Hollinger auch Architekt Hans-Jörg Fankhauser kritisiert. Sein Büro wurde 2016 vom Aescher Gemeinderat damit beauftragt, eine Positionierung von Aesch Nord aufzubauen und eine Strategie zu entwickeln, gemeinsam mit den Grundeigentümern. Zu den bedeutenden Landbesitzern zählen unter anderem die Gemeinde Basel-Stadt sowie der frühere Basler Baudirektor Christoph Stutz. Ihm gehört eine Parzelle neben dem geplanten See.

«PlanBasel» will die Uhrenbranche aufmischen

«PlanBasel» wagt sich offenbar auch in bislang fremde Gebiete vor. Seit vergangener Woche ist auf Youtube ein Film aufgeschaltet, der auf Deutsch und Englisch das Projekt Swiss Watch Treasure House bewirbt, eine Promotionsplattform für Luxusuhren und laut Beschreibung «die nächste Revolution in der Uhrenbranche». Im Gebiet Kirschgarten soll es Interessierten möglich sein, das gesamte aktuelle Sortiment aller Schweizer Uhrenhersteller sowie Second Hand-Exemplare anzuprobieren. Ein Tresor würde die rund 100 000 Uhren lagern.

Gut möglich, dass die jüngsten «PlanBasel»-Aktivitäten Karl Heinz Nuber eingefädelt hat. Der Journalist mit österreichischen Wurzeln gründete das Uhrenmagazin Tourbillon und tritt regelmässig als Kenner der Branche in Erscheinung.