Projekt
Forscher wollen wilden Katzen im Wald auf die Schliche kommen

Im Blauengebiet stellen Forscher den streunenden Katzen nach. Ziel: Die Paarung von Haus- und Wildkatzen verhindern. So soll die Wildkatze als Art erhalten werden.

Birgit Günter
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Eine Hauskatze tappt auf dem Blauen in eine Fotofalle. zvg

Eine Hauskatze tappt auf dem Blauen in eine Fotofalle. zvg

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt die Wildkatze in der Schweiz als ausgerottet. Auf leisen Pfoten hat sie sich später wieder in die Schweiz geschlichen. Sie bleibt aber eine grosse Unbekannte: So leben in der Schweiz laut Schätzungen zwischen 159 und 930 Tieren – die riesige Spannbreite zeigt, dass man diesbezüglich ziemlich im Dunkeln tappt.

Im Blauengebiet wird morgen nun ein Forschungsprojekt gestartet, das mehr Licht in die Angelegenheit bringen soll. Der Fokus der Untersuchung richtet sich dabei weniger auf die Wildkatzen – von denen es im Gebiet rund 30 haben soll – sondern vielmehr auf die Hauskatzen. Denn auch diese streunen gelegentlich durch den Wald und tappen in Fotofallen. Die Forscher wollen herausfinden, wie viele Hauskatzen sich das Gebiet mit den Wildkatzen teilen. Und ob es sogar verwilderte Hauskatzen gibt, die ohne menschliche Hilfe selbstständig im Wald leben. Die Projektmitarbeiter werden darum in mehreren Haushalten des Gebiets Umfragen über das Hauskatzen-
Vorkommen durchführen.

Katzen sollen sich nicht paaren

Das Ziel dahinter ist der Schutz der Wildkatzen. Denn: Wild- und Hauskatzen paaren sich. «Eine Vermischung ist aber nicht wünschenswert», sagt Projekt-Mitarbeiterin Anna Eichholzer. «Es gibt dann keine reinen Wildkatzen mehr. Ihre Art wäre also erneut vom Aussterben bedroht.» Vermutet wird zudem, dass die Mischlinge unfruchtbar sind.

Tückisch dabei ist: Von blossem Auge können nicht einmal Experten Wild- und Hauskatze unterscheiden. Die Wildkatze sieht exakt aus wie eine getigerte Hauskatze. Es gibt zwar Unterschiede bei der Darmlänge und dem Schädelvolumen, aber dies lässt sich nur beim toten Tier feststellen. Also arbeiten die Forscher mit Gen-Proben. Diese besorgen sie sich mit-hilfe von Holzpfählen, an denen sich die Katzen reiben. Zurück bleiben Haare, die genetisches Material liefern.

Auf die Resultate des Projektes darf man gespannt sein. Auf Bildern von Fotofallen haben die Forscher im Blauengebiet bereits 10 bis 15 Hauskatzen festgehalten. «Mit der Umfrage in der Bevölkerung wollen wir herausfinden, ob diese Katzen zu jemandem gehören oder ob sie völlig unabhängig leben», erklärt Eichholzer. Stellen die Forscher fest, dass im Wald tatsächlich verwilderte Hauskatzen leben, wäre das schweizweit erstmalig.

Schicksal noch offen

Nur würde das weitere Fragen aufwerfen. Zum Beispiel, was mit den verwilderten Katzen passieren soll. Schon jetzt ist es so, dass gemäss Jagdgesetz verwilderte Katzen ganzjährig abgeschossen werden dürfen. Eine kürzlich in Bern eingereichte Motion, die das unterbinden will, fand vor dem Bundesrat keine Gnade. Der Abschuss verwilderter Hauskatzen sei jedoch «keinesfalls häufig», heisst es in der Antwort. Das könnte sich ändern.

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