Eigener Kurs
Franken-Schock: Sportartikel-Verkäufer greift zu drastischer Massnahme

Überall herrscht Euro-Franken-Parität. Die Notenbanken sind machtlos. Die Politik hat kapituliert. Nur ein Lädeli-Besitzer wagt den Aufstand.

Benjamin Wieland
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«Scheiwi-Sport» und der Eurokurs

«Scheiwi-Sport» und der Eurokurs

Zur Verfügung gestellt
Flugblatt Scheiwiller-Sport

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In einem Laden am Postplatz 1 in Arlesheim, nur eine Gehminute vom prächtigen Dom entfernt, sollte man den Namen Thomas Jordan wohl besser nicht in den Mund nehmen. Der Präsident der Schweizer Nationalbank ist dort so etwas wie eine Persona non grata. Am vergangenen Donnerstag hob er den fixen Euro-Mindestkurs auf – seither bleiben «Scheiwi-Sport» noch mehr Kunden weg als zuvor. So, wie dem gesamten Detailhandel in der Region – weil es auf der anderen Seite der Grenze nun noch günstiger geworden ist.

Als «schrecklich» bezeichnet Inhaber Andy Scheiwiller Jordans Entscheid. «Als ich das las, dachte ich, das ist jetzt der endgültige Todesstoss für uns Gewerbler.» Doch Scheiwiller hat den Kampf gegen die übermächtige Nationalbank aufgenommen – und setzte kurzerhand einen eigenen Euro-Mindestkurs in Kraft: 1:1,25. Das heisst: Für 1 Euro gibt es Waren im Wert von 1 Franken und 25 Rappen. Das sind rund 20 Rappen mehr als, als man bei einer Bank erhält, Stand gestern Abend.

Seit Samstag gilt die Aktion in beiden Läden (Scheiwiler betreibt in Arlesheim auch noch ein Mietgeschäft für Ski). Der Rabatt habe schon Wirkung gezeigt, wie der Inhaber erzählt: «Es kamen viele Passanten in den Laden und sagten, so könnten sie ihre Euro ja geradesogut bei uns ausgeben.»

Laden zahlt drauf

Für den Inhaber ist der Kurs ein Verlustgeschäft. Er zahlt bei jedem Euro, mit dem in seinem Geschäft eingekauft wird, zwanzig Rappen drauf. Doch es sei es ihm Wert, sagt Scheiwiller. Er müsse die Löhne zahlen, bilde drei Lehrlinge aus. «Wir müssen etwas tun. Sonst können wir ja gleich aufgeben.»

In einem Punkt ist Scheiwiler dem Nationalbank-Präsident ähnlicher, als ihm lieb sein dürfte. Denn wie Jordan hortet er nun einen Berg Euro, und er wächst auch noch täglich. «Ein Grund mehr», sagt er, «zu hoffen, dass der Eurokurs bald wieder steigt.»