Deponien
Französische Behörden reagieren endlich auf offenes Gift auf Feldweg

Seit einem Jahr ist die illegale Deponie des toxischen Abfallprodukts HCH auf einem Feldweg im elsässischen Niederhagenthal bekannt – jetzt gibt es Untersuchungen

Boris Burkhardt
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Seit Juni ist die illegale HCH-Deponie in Niederhagenthal wenigstens abgesichert. Die Untersuchungen dauern aber noch bis ins neue Jahr hinein. Archivbild: Félicien Filleul/ zvg

Seit Juni ist die illegale HCH-Deponie in Niederhagenthal wenigstens abgesichert. Die Untersuchungen dauern aber noch bis ins neue Jahr hinein. Archivbild: Félicien Filleul/ zvg

«Endlich der Hinweis: Nicht auf dem Weg spazierengehen!», freut sich der Basler Umweltaktivist Martin Forter. Fast vor Jahresfrist hatte er als Mitglied der Umweltorganisation Pingwin Planet auf die illegale Deponie von Hexachlorcyclohexan (HCH) auf einem Feldweg in Niederhagenthal öffentlich hingewiesen. Erst über ein halbes Jahr später, diesen Sommer, hätten die französischen Behörden auf die Entdeckung reagiert, wie Forter nun der bz mitteilt.

Laut Forter hat die französische Umweltbehörde Dréal vor rund einem Monat Risikostudien zum kontaminierten Feldweg in der Nähe des Klepferhofs und den Lörzbach ausgeschrieben. Diese Untersuchungen kosten nach Forters Informationen rund eine Million Euro. Forter ist zwar froh, dass sich die französischen Behörden nach «Jahrzehnten der Untätigkeit» nun des HCH-Problems annehmen; er würde es jedoch vorziehen, wenn mit dem Geld keine Untersuchungen bezahlt, sondern das HCH gleich aus dem Boden entfernt würde: «Es ist offensichtlich, dass der gefährliche HCH-Sondermüll nichts auf frei zugänglichen Feldwegen beziehungsweise im Bach zu suchen hat.» Forter ärgert sich auch darüber, dass der Staat wohl die Steuerzahler für Untersuchung und Beseitigung des HCH zur Kasse bitten wird, statt den Bergwerkskonzern Rio Tinto als Rechtsnachfolger von Ugine Kuhlmann zu behaften.

Der krebserregende Giftstoff HCH ist ein Abfallprodukt der ehemaligen Hüninger Firma Ugine Kuhlmann zur Produktion des Insektizids Lindan, das bis Ende der Siebziger in Nieder- und Oberhagenthal abgelagert wurde. Schon seit damals wiesen verschiedene Umweltaktivisten auf die illegalen Ablagerungen hin. Im vergangenen November konnte Forter nach eigener Aussage 750 Gramm HCH pro Kilogramm Erde nachweisen; im Gegensatz zum Baselbieter Amt für Umwelt und Energie geht er auch weiterhin davon aus, dass auch die Sedimente des Lörzbaches, der zwischen Schönenbuch, Niederhagenthal und Allschwil die Staatsgrenze bildet, «massiv» mit HCH kontaminiert sind (die bz berichtete).