Abfallentsorgung
Französischer Weltkonzern mischt den Baselbieter Müllmarkt auf

Mit einem Öko-Kehrichtwagen sticht die Veolia-Gruppe in Binningen das Prattler Familienunternehmen Anton Saxer AG aus – dieses geht vor Gericht.

Andreas Maurer
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Test in London: Dieser Lastwagen soll in Binningen den Kehricht entsorgen.

Test in London: Dieser Lastwagen soll in Binningen den Kehricht entsorgen.

Zur Verfügung gestellt

International kriselt die Veolia-Environment-Gruppe mit Sitz in Paris. Der weltgrösste Abfallbeseitiger und Wasserversorger will sich aus der Hälfte seiner achtzig Länder zurückziehen. Im Baselbiet hingegen expandiert der Weltkonzern. Der hiesige Müllmarkt ist offenbar ein lukratives Geschäft. Die Veolia-Tochter Swiss Recycling Services SA mit einer Niederlassung in Allschwil hat zwei neue Aufträge ergattert. Von den Gemeinden Binningen und Allschwil erhielt sie den Zuschlag für den Kehrichttransport.

Kehrichtwagen mit Hybridantrieb als Trumpf

Der Trumpf von Veolia ist ein Kehrichtwagen mit Hybridantrieb. Der Lastwagen verfügt über einen Elektro- und Dieselmotor. Mit diesem Gefährt hat der französische Konzern den Prattler Familienbetrieb Anton Saxer AG in Binningen ausgestochen. Saxer bot der Gemeinde für den Abfalltransport zwar einen minim günstigeren Preis, erhielt aber weniger Punkte für die Ökologie. Diesen Entscheid ficht Saxer nun vor dem Baselbieter Kantonsgericht an. Am 24. April findet die Verhandlung statt.

Der Prattler Unternehmer glaubt nicht, dass der Hybridkehrichtwagen ökologisch Sinn macht: «Weil die Batterie Platz weg nimmt, müsste Veolia mit ihrem Lastwagen dreimal fahren, während bei uns zwei Fuhren genau reichen.» Saxer rechnet sich vor Gericht gute Chancen aus. Hoffen lässt ihn die aufschiebende Wirkung, die ihm das Gericht gewährt. Bis zu einem Urteil bleiben die Prattler Kehrichtwagen in Binningen im Einsatz.

Schlimmer Preiskampf

In Allschwil hingegen verkehren seit Anfang Jahr die Lastwagen des französischen Konzerns. Veolia hat Saxer im Preis unterboten. Die Ausschreibung in Allschwil endete eine Stunde nach jener in Binningen. Saxer vermutet, dass Veolia ihr Angebot für Allschwil in letzter Minute angepasst habe, nachdem der offerierte Preis von Saxer in Binningen bekannt geworden war. Diese Vergabe ficht Saxer jedoch nicht an.

Der Preiskampf sei in den letzten zehn Jahren schlimm geworden, klagt Gaby Grolimund, Geschäftsinhaberin des Familienbetriebs Vogelsanger AG aus Arlesheim. Im unteren Baselbiet ist Vogelsanger im Mülltransportgeschäft die Nummer zwei hinter der Anton Saxer AG. Bei den meisten Ausschreibungen der Gemeinden bieten die beiden Familienbetriebe sowie Veolia.

«Die lachenden Dritten sind die Gemeinden»

Obwohl der Grosskonzern im Baselbiet bisher erst wenige Aufträge erhalten hat, sind die Auswirkungen davon auch in anderen Gemeinden spürbar. Der Konkurrenzkampf zwischen den beiden regionalen Anbietern verschärft sich mit jedem Auftrag, den diese an Veolia verlieren. «Die lachenden Dritten sind die Gemeinden», stellt Grolimund fest. Im Gegensatz zum Stadtkanton lässt das Baselbiet beim Abfalltransport den Markt spielen. Die an die Transportfirmen bezahlten Tarife seien in den letzten Jahren gesunken, obwohl die Kosten für Fahrzeuge, Löhne und Versicherungen gestiegen seien, sagt Grolimund. «Für die tiefen Tarife sind wir ‹Transpörtler› grundsätzlich leider selber schuld», sagt die Enkeltochter von Hans Vogelsanger. Bereits mehrmals haben die Firmen Vogelsanger und Saxer gegeneinander vor Gericht um Aufträge gekämpft.

Viele Unklarheiten

Während die beiden regionalen KMU auskunftfreudig sind, gibt sich Veolia zugeknöpft. Der Filialleiter in Allschwil beantwortet keine Fragen, aus Prinzip. Dabei gibt es viele Unklarheiten. Etwa, ob der Konzern das versprochene Hybridfahrzeug in Binningen überhaupt termingerecht einsetzen könnte. Der bisher einzige Hybridkehrichtwagen der Schweiz ist um Lausanne im Einsatz. Herstellerin Volvo konnte einer Baselbieter Transportfirma auf Anfrage nicht einmal ein Demo-Fahrzeug zur Verfügung stellen. Die vermeintliche Wunderwaffe im Baselbieter Müllkampf könnte sich als leere Drohgebärde entpuppen.