Fazit
Frau Fasnachts letztes Aufbäumen - Strengere Regeln zum Fasnachtsausklang

Es war nicht anders zu erwarten: Bei der Umsetzung einer kantonalen Verordnung, die für 86 unterschiedliche Gemeinden gilt, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Mirjam Bollinger
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In Sissach demolierten aufgebrachte Fasnächtler ein Polizeiauto.

In Sissach demolierten aufgebrachte Fasnächtler ein Polizeiauto.

zvg

So kam es letzten Sonntag zur absurden Situation, dass in Pratteln Fasnacht gefeiert wurde, während sich Liestal und Sissach einem Ausschankverbot gegenübersahen (die bz berichtete). Zur Erinnerung: In allen drei Gemeinden wurde der Umzug abgesagt.

Landfasnacht zwischen Unverständnis und erhoffter Solidarität

Diese Ungleichbehandlung wirft Fragen und mancherorts Unmut auf. «Es kann doch nicht sein, dass in Liestal alle Veranstaltungen abgesagt wurden und in Pratteln darf frisch-fröhlich gefasnachtet werden», empört sich der Liestaler Fasnächtler Hanspeter Meyer in einem Leserbrief. Auf Nachfrage beim Baselbieter Krisenstab wird als Erklärung die unterschiedliche Besucherzahl der drei Anlässe genannt. «Kleine Umzüge mit zwei bis drei Cliquen waren erlaubt, weswegen ein beschränkter Teil der Pratteler Fasnacht stattfinden konnte», schreibt Andrea Bürki. In Liestal und Sissach hätten sich hingegen weit über 1000 Personen versammelt. Die Polizei sei also gezwungen gewesen, die Verordnungen des Bundesrates umzusetzen. Bürki betont jedoch, dass sich die meisten Fasnachtsgesuchsteller kooperativ zeigten und konstruktive Gespräche geführt werden konnten: «Entscheide wurden weitgehend akzeptiert.»

Im Hinblick auf das kommende dritte und letzte Fasnachtswochenende geht der Krisenstab sogar von einem grösseren Verständnis der Bevölkerung aus, da sich die Zahl der Verdachtsfälle und der bestätigten Corona-Fälle vergrössert habe. «Damit einher gehen verschärfte Massnahmen des Bundesrates und einer Verstärkung der Informationskampagne des Bundesamtes für Gesundheit», schreibt Bürki. Somit zähle man auf die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger und erinnere an die Solidarität gegenüber Risikogruppen.

Ansteckung: Beizenfasnacht weniger gefährlich als Umzüge?

An die Verantwortung eines jeden appelliert auch die Baselbieter Polizei. «Wir werden die Situation beobachten und wo nötig verhältnismässig reagieren», sagt Mediensprecher Roland Walter. Mit Aggressionen, wie sie der Polizei letzten Sonntag entgegenschlugen, rechnet man wohl kaum. Dies allein aufgrund der Tatsache, weil die diesjährige Baselbieter Fasnacht so gut wie vorbei ist. Nur in Läufelfingen, Pratteln und Bretzwil wird Frau Fasnacht noch ein letztes Mal auf den Putz hauen. Während heute Abend in Läufelfingen Schnitzelbänke zum Besten gegeben werden, steigt im Pratteler Fonduestübli Beizenfasnacht. Walter erklärt: «Die Beizenfasnacht ist zum jetzigen Zeitpunkt grundsätzlich erlaubt, sofern die Auflagen eingehalten werden.» Sprich: Eine Freinacht ist am letzten Wochenende ebenso verboten, wie an allen anderen diesjährigen Fasnachtsanlässen.

Letztlich drängt sich auch hier die Frage der Ungleichbehandlung auf. Weshalb sollen Outdoorveranstaltungen wie Umzüge oder das «Gässle» mehr Ansteckungspotenzial in sich tragen als die «Ihnehoggede» in den Beizen? Die Antwort des Krisenstabs klammert die räumlichen Gegebenheiten völlig aus und fokussiert sich lediglich auf die Besucherzahlen: «Je kleiner die Veranstaltung, desto weniger Personen sind dem Risiko einer Ansteckung ausgesetzt.»