Ausbildung
Frauen in die Metallverarbeitung, Männer in den Coiffeursalon

In Küchen entzweien sich die Ansprüche von Mann und Frau. Die Liestaler Gewerbeschüler machen dies anlässlich des Gendertags zum Ausstellungsthema. Ein Rollentausch mit Folgen.

Lucas Huber
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Aargauer Zeitung

Wo gehen die Bedürfnisse von Männlein und Weiblein am diametralsten auseinander? Vielleicht beim Shopping, vielleicht beim Fernsehprogramm. Für die angehenden Maler, Schreiner und Hochbauzeichner der Gewerblich-industriellen Berufsfachschule Liestal (GiBL) ist es die Küche. Wie nutzt ein Mann die Küche, wie eine Frau? Was basiert auf Vorurteilen, was auf geschlechterspezifischen Animositäten?

Es waren nicht diese Fragen, die am Anfang der Ausstellung «Kochen-Küche-Bauen» stand, die heute im Lobbybereich der GiBL anlässlich des Baselbieter Gendertags eröffnet wird. Die Frage nach der geschlechtertypischen Hinterfragung stellte erst Rektor Tobias Pflugshaupt, als er vom interdisziplinären Projekt vernahm. «Am Anfang stand die berufsfachübergreifende Zusammenarbeit, der Schritt an die Öffentlichkeit, die Simulation der Realität im Vordergrund», erklärt Beat Hofer, Fachlehrer der künftigen Hochbauzeichner und gemeinsam mit Ruedi Riesen, Vater der Idee, Projektleiter.

Über den Tellerrand hinaus

«Als das Projekt an mich herangetragen wurde, dachte ich sofort an den Genderaspekt», ergänzt Pflugshaupt. So zeigt die Ausstellung heute nicht nur, was die Maler-, Schreiner- und Hochbauzeichen-Lehrlinge der zweiten und dritten Klassen handwerklich auf dem Skizzenblock entstehen liessen. Sie stellt auch die Frage nach der Rollenverteilung in der Küche, wirft einen Blick in die Vergangenheit, etwa in die gehobene Küche der Renaissance, oder in die auf Geschlechterunterschiede bauende Welt der Werbung.

Gerademal 20 Prozent beträgt der Anteil der weiblichen Projektteilnehmer, etwas höher ist er auf die gesamte Gibl berechnet. Trotzdem sind es typische Männerberufe – wie die Metallbearbeiter – die hier ausgebildet werden. Die Schule bietet Schülerinnen und Schülern neu die Möglichkeit an, reinzuschnuppern in den pädagogischen Berufsalltag, und auch die Schnupperkurse in Metallverarbeitung für Sekundarschüler, genannt Jumez, sind neu.

Schülerinnen ansprechen

Pflugshaupt betont, dass man bei den jeweiligen Ausschreibungen ganz bewusst auch Schülerinnen anspreche, was Teil der Philosophie der Institution sei: «Unsere Idee ist es, den Geschlechteraspekt künftig noch verstärkter zu berücksichtigen, etwa in der Themenwahl.» Es bräuchten nämlich, ergänzt er, nicht unbedingt Männer in metallverarbeiteten Berufen zu sein - und nicht zwingend Frauen in Coiffeursalons.