Ormalingen
Frei laufende Weideschweine sorgen für besonders schmackhaftes Fleisch

Die Weideschweine auf dem Farnsburger Hof fühlen sich sauwohl. Denn sommers wie winters stehen ihnen grüne Weiden zur Verfügung. Im Winter legen sie sich dicke Borsten und eine dicke Fettschicht zu. Diese sorgen für besonders schmackhaftes Fleisch.

Thomas Immoos
Merken
Drucken
Teilen
Die Schweine auf dem Hofgut Farnsburg haben ein schönes Leben
6 Bilder
Zudem setzen sie mehr Fett an
«Pullover-Kühe» nennt Markus Dettwiler seine schottischen Galloway-Rinder liebevoll
«Besonders beliebt sind auch die Wurstwaren vom Hofgut Farnsburg», sagt Theres Dettwiler
Theres Dettwiler weiss alles über ihre Tiere und über die ideale Verwendung des Fleisches

Die Schweine auf dem Hofgut Farnsburg haben ein schönes Leben

Thomas Immoos

Unterhalb der Ruine Farnsburg, die zum gleichnamigen Hofgut gehört, führt Familie Dettwiler seit Generationen den Hof, genau genommen seit exakt 150 Jahren. Zurzeit führt mit Markus und Theres Dettwiler die sechste Generation den Hof hoch über Ormalingen. Das Paar hat zwei Kinder, Aaron (16) und Nayla (14).

Als Markus Dettwiler den Hof im Jahre 1990 übernahm, war er bereits weit gereist. Er hatte sich vor allem in den USA umgesehen, wie dort Landwirtschaft betrieben wurde. Dabei störte ihn, dass Landwirte in immer kürzerer Zeit immer mehr aus ihrem Boden herauswirtschaften sollten, die Kühe immer mehr Milch und das Vieh immer mehr Fleisch liefern müssen.

Natur und Geschäft verbinden

Dies war nicht das, was er unter Landwirtschaft verstand. «Landwirtschaft sollte mehr im Einklang mit der Natur betrieben werden», formuliert Theres Dettwiler das Konzept, zu dem sie sich entschieden, als sie den Hof gemeinsam übernahmen. Man wollte auf Qualität statt Quantität setzen. Markus ist Meisterlandwirt. Theres - eine Bauerntochter aus dem Berner Oberland - hat nach einer Kochlehre und einer Zusatzausbildung als Psychiatrieschwester ihren Mann kennen gelernt und ist so wieder zur Landwirtschaft zurückgekehrt.

Gemeinsam begannen sie, den 42 Hektaren grossen Hof umzustrukturieren. Die Landwirtschaft sollte fortan extensiv betrieben werden. Etwa die Hälfte der Wiesen und Weiden wurde renaturiert. Das bedeutete unter anderem, dass natürliche Lebensräume geschaffen wurden. Deshalb gehören inzwischen Magerwiesen, Biotope, gepflegte Hochstammbäume, Hecken und Brachen zu dem Hofgut.

Wertvolle Ausgleichsflächen

«Wir setzen auf naturnahen Lebensraum im Sinne von Biodiversität.» Theres Dettwiler hebt dabei die gute Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden hervor, welche das neue Konzept von Anfang begleitet hätten. Das Hofgut erhält denn auch Beiträge an die ökologischen Ausgleichsflächen.

Die Bemühungen des Ehepaares Dettwiler tragen seit langem Früchte. Zudem hat ihr Engagement breite Anerkennung gefunden. Vor zwei Jahren haben die beiden die Goldmedaille und damit den ersten Preis für Biodiversität erhalten. Nationalrätin Maya Graf (Sissach) hat in der Würdigung hervorgehoben, dass das Konzept auf dem Hofgut Farnsburg «inspiriert und glücklich macht».

Gewürdigt wurden auch die erfolgreichen Bemühungen, mit 22 weiteren Höfen Hochstammprodukte zu fördern. Das Hofgut sei «ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Ökologie und Ökonomie zu einem Ganzen gebracht nur Gewinner hinterlässt». Die Dettwilers betreiben seit einiger Zeit auf ihrem Hof zudem den vielfältigen und ebenfalls nachhaltig gepflegten Obstgarten Farnsburg.

Am Bauernmarkt in Sissach

Natürlich hat diese Anerkennung Theres und Markus Dettwiler gefreut und sie bestätigt. Auf den Weiden fühlen sich die Weideschweine, die jahraus, jahrein im Freien sind, sauwohl. Dasselbe gilt für die Galloway-Rinder und die Präriebisons. Den Tieren steht viele Weideland zur Verfügung. Denn die extensive, aufwendigere Produktion verteuert das Fleisch von ihrem Hof. Die Qualität und der besondere Geschmack des Fleisches würden von einem immer grösser werdenden Kundenstamm geschätzt. Die Kunden können direkt auf der gut eingerichteten Hofmetzg einkaufen, die jeweils am Donnerstag und Freitag (14 bis 17.30 Uhr) sowie am Samstag (9 bis 13 Uhr) geöffnet ist.

Ausserdem betreibt man am Bauernmarkt in Sissach einen Stand. Und jeden Samstag fährt Markus Dettwiler nach Zürich, wo er in der Bahnhofshalle sein nachhaltig produziertes Fleisch verkauft. «Gerne hätten wir auch einen Stand in der Stadt Basel», sagt Theres Dettwiler. Leider seien aber alle Standorte besetzt; aber man suche weiter und hoffe, bald auch am Rheinknie nahe beim Kunden sein zu können.

Schmackhaftes Tatar von «Pullover-Kühen»

Theres Dettwiler liebt ihre Tiere. Es scheint, dass ihr fast die Tränen der Rührung kommen, wenn sie das Besondere an den schottischen Galloway-Rindern, den Weideschweinen oder den Prärie-Bisons schildert. «Die Galloways haben einen so lieben und wachen Blick.» Für sie und ihren Mann Markus sind es «die schönsten Kühe der Welt».

Harter Kampf bis zum Import

Als das Ehepaar vor gut zwanzig Jahren seinen Betrieb auf extensive Landwirtschaft umgestellt habe, schaute es sich auch nach anderen Kühen als die in der Schweiz üblichen um. Dabei habe man die Galloways entdeckt. Es war aber ein harter Kampf, bis diese fremdländische Rasse in die Schweiz importiert und hier gezüchtet werden durfte. Inzwischen hat Markus Dettwiler sein Know-how rund um das Halten dieser schottischen Rinderrasse an zahlreiche Landwirte in der ganzen Schweiz weitergegeben. Selber hält er rund 60 der schwarz-weiss-schwarz gestreiften Tiere mit dem zotteligen Fell, die Markus liebevoll «Pullover-Kühe» nennt.

Super-Schweine ohne Namen

Ähnliche Schwierigkeiten gab es bei den Prärie-Bisons, von denen sich rund 15 Tiere auf den weitläufigen Weiden - den Baselbieter Prärien - tummeln. Für deren Zucht und Haltung hat das Ehepaar Dettwiler Anerkennung gefunden. Als sie aber begannen, die Schweizer Hausschweine von alten Rassen (vor allem Duroc- und Hampshire-Schweine) zurückzuzüchten, damit sie robust genug wurden, um das ganze Jahr über im Freien leben zu können, wurde Markus Dettwiler noch belächelt. Allerdings hat diese Schweinerasse noch keine Bezeichnung. Deshalb nennt sie Dettwiler einfach «Weide-Schweine». Für Theres Dettwiler sind es schlicht und einfach «Super-Schweine».

Besonderer Geschmack

Das dunkle Fleisch der Galloways sei leicht zu kochen. Aufgrund der Nahrung erhält das Fleisch einen besonderen Geschmack, denn diese Rinder fressen nicht nur Gras. Sie mögen auch Rosskastanien, Laub oder Holzspäne. Das Fleisch schmeckt, so Theres Dettwiler, «nicht mehr nach Kalb, aber noch nicht nach Rind». Besonders gut geeignet sei das Hackfleisch dieser Tiere für schmackhaftes Tatar.

Inzwischen suhlen sich gut sechzig Weideschweine auf den Wiesen bei der Farnsburg. Durch die Rückzüchtung ist die Haut der Schweine nicht rosa, sondern weiss oder bräunlich. «Sobald der Winter naht, bekommen sie dickere Borsten, also eine Art Winterfell», sagt Theres Dettwiler. Das Fleisch sei besonders schmackhaft, weil die Schweine als Schutz vor Kälte auch mehr Fett ansetzten. Das Fleisch der Bisons umschreibt Theres Dettwiler im Geschmack als «eine Mischung aus Galloway, Hirsch und Reh».

Artgerecht einkaufen

Wer auf der Hofmetzg einkaufen will, soll nicht nur Filet-Stücke kaufen. «Wer artgerechtes Fleisch will, soll auch artgerecht einkaufen», hält Theres Dettwiler fest. Deshalb achte man darauf, dass die Kunden nicht nur Nierstücke, Steaks und Entrecôtes kaufen, sondern auch Innereien oder anderes Fleisch.