Renaturierung
Freilegung des Saaleggbächlis: Platz für den Bach, der keiner sein darf

Pro Natura feiert die Freilegung des Saaleggbächlis in Langenbruck. Seit vergangenem Herbst fliesst das Gewässer rund 200 Meter unter freiem Himmel. Am Samstag wurde das Teilstück feierlich eingeweiht.

Lucas Huber
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Saaleggbächli
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Der renaturierte Bach mündet in den ebenfalls renaturierten Weiher beim Kloster Schönthal.

Saaleggbächli

Kenneth Nars

Wer sich die Zahlen vor Augen führt, kommt ins Staunen – und womöglich auch ins Grübeln. Denn die Hälfte aller kleineren Fliessgewässer im Kanton Baselland plätschert durch Rohre, die einst in die Erde verlegt worden sind. Man schätzt, dass es rund 500 Kilometer Fliessgewässer sind. Es handelt sich nicht in allen Fällen um Bäche. Manche sind auch sogenannte Drainagen, also Entwässerungsläufe, die nicht das ganze Jahr über Wasser führen.

So lautet zumindest die Definition, wie sie die kantonalen Behörden erlassen haben. Das kann dann zur skurrilen Tatsache führen, dass das Saaleggbächli in Langenbruck zwar den Bach im Namen trägt, laut Definition aber als eine Drainage gilt.

Diese Nichtgewährung des Bachstatus bedeutet nicht nur, dass das Saaleggbächli quasi unter Wert verkauft wird; das Gewässer profitierte auch nicht von der finanziellen Beteiligung des Kantons bei der Renaturierung. Wäre es offiziell ein Bach, hätte der Kanton die Hälfte der Sanierungskosten von rund 83'000 Franken übernommen.

Und damit auf die Saalegg, die oberhalb des Klosters Schönthal bei Langenbruck liegt. Hier floss dieses bis vor kurzem noch namenlose Saaleggbächli jahrzehntelang unterirdisch. Eingedolt wurde es um den Zweiten Weltkrieg herum, um Land für die Landwirtschaft zu gewinnen. Seither weideten hier Kühe.

Landwirte packten selber an

Hier kommt Pro Natura Baselland ins Spiel. Die Naturschutzorganisation hat es sich auf die Fahnen geschrieben, solche Bäche – oder eben Drainagen – wieder ans Tageslicht zu holen. Das Resultat sind 20 befreite Bäche in zehn Jahren, deren Gesamtlauf rund zwei Kilometer Länge beträgt. Das schafft Lebensraum für Tiere, verleiht der Landschaft ein ursprünglicheres Antlitz und, so umschreibt es Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura: «Es macht einfach Freude.»

Die 200 Meter, die das Saaleggbächli nun seit vergangenem Herbst unter freiem Himmel fliesst, ist der neueste Zuwachs in dieser Statistik. Und es scheint sogar den betroffenen Landwirten Freude zu bereiten. Die beteiligten sich nämlich nicht nur finanziell an der Ausdolung; sie halfen auch tatkräftig mit, als es im vergangenen Herbst darum ging, das Gewässer zurück ans Licht der Welt zu bringen.

Bagger fuhren auf

Seither kristallisiert sich übrigens eindeutig heraus, dass es sich beim Bächli nicht nur um ein idyllisches Wiesenbächlein handelt, das sich geruhsam durch eine Furt den Hang herunterschlängelt. Das Saaleggbächli führt nämlich offenbar ganzjährig Wasser, was ihm eindeutig das Prädikat Bach verleihen sollte. Man arbeite daran, das zu ändern, verriet Chrétien anlässlich der feierlichen Einweihung des renaturierten Bächleins vergangenen Samstag auf Anfrage.

Nach seinen ausladenden Schlenkern mündet der Bach schliesslich in den Weiher des Klosters Schönthal. Der ist neun Aren gross, trägt die Auszeichnung «Kantonales Naturschutzgebiet» und wurde vor rund anderthalb Jahren saniert.

Und wenn man von der Sanierung eines Weihers spricht, dann bedeutet das, dass mit Kettensägen und Baggern aufgefahren wird. Fast 900 Kubikmeter Schlick wurden ausgebaggert und zahlreiches Geäst gekappt, sodass man den Weiher nun auch wieder sieht.
Am Anfang der Bachbefreiung stand übrigens Arthur Rohrbach. Der sass bei einem Gläschen mit Urs Chrétien zusammen und anerbot sich, ein Inventar von Weihern und eingedolten Gewässern im Kanton anzulegen. Er stiess auf über 400 Weiher und zahllose Bächlein und Drainagen. In manchen Gemeinden kam er auf über 40 kanalisierte Gewässer, andernorts fehlten Dokumentationen gänzlich.

Diese Liste ist die Grundlage, wenn Pro Natura weitere Bäche ans Licht der Welt bringt. Die nächsten Bachausdolungen stehen denn auch schon auf dem Fahrplan. In Bretzwil und Reigoldswil entstünden derzeit entsprechende Projekte, sagt Chrétien.

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