Hölstein
Frequenzwechsel in der Erlebnis-Gaststätte

Der Verein Frequenzwechsel schafft bei Hölstein einen neuen Erlebnis- und Impulsraum sowie gleichzeitig eine stille Oase. Für einen Kauf der Holdenweid müssen aber noch einige Hürden gemeistert werden.

Simon Tschopp
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Cornelia Huber verliert im schwebenden Seminarraum vorübergehend den Boden unter den Füssen.

Cornelia Huber verliert im schwebenden Seminarraum vorübergehend den Boden unter den Füssen.

Nicole Nars-Zimmer

Bigband-Musik hallt durchs mächtige Gebäude. Plötzlich durchbricht der Lärm eines Winkelschleifers die sanfte Stimmung. Ein Handwerker ist daran, der neuen Erlebnis-Gaststätte «Tankstelle» ein gemütliches Ambiente zu verpassen. Daneben bemalt ein Kollege Wände. Im Korridor schleift eine Frau an Türzargen. Es tut sich was in der Holdenweid bei Hölstein.

Dort, wo bis 1986 eine Aussenstation der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel als Altersasyl gedient und vor drei Jahren ein Bundeszentrum für Asylsuchende zur Debatte gestanden hat, entsteht ein Impulszentrum. Am kommenden Samstag werden die «Tankstelle» und sechs Erfahrungsräume «Kultur der Wirklichkeit» eröffnet.

Kauf zieht sich in die Länge

In der Erlebnis-Gaststätte soll man wortwörtlich tanken können – nicht nur essen, sondern mit allen Sinnen. Über irgendwas reden, aber auch selber etwas erfahren, dafür dienen die esoterisch anmutenden Erfahrungsräume wie der goldene Raum oder der schwebende Seminarraum. Darin sei auf Form, Farbe und Material ein besonderes Augenmerk gerichtet worden, auch auf die Kombination von alt und neu, erklärt Cornelia Huber. Die 41-jährige Künstlerin ist der «Kopf» des Vereins Frequenzwechsel, der auf der Holdenweid ein Impulszentrum aufbaut.

Die Arbeiten dafür laufen hochtourig, auch wenn sich der Kauf der Gebäude in die Länge zieht. Der Verein, dem mehrere Leute aus der Künstlerszene und diverse Stiftungen angehören, besitzt eine Bewilligung für die provisorische Nutzung, die an strenge Auflagen geknüpft ist. Frequenzwechsel sieht sich mit einer komplexen Situation konfrontiert.

Das Areal gehört Immobilien Basel-Stadt und befindet sich in einer Spezialzone. Das Kulturland rund um die Holdenweid hat ein Bauer gepachtet. Das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain schlage vor, das intensiv bewirtschaftete Land abzuparzellieren und das Gebiet «Amerika» dem Gebäudeensemble zuzusprechen, sagt Huber.

Diese hätte mit ihrem Verein am liebsten die Gebäude auf der Holdenweid samt dem Kulturland im «Amerika» im Baurecht erworben und «wahnsinnig gerne» den dortigen Bauernhof wieder aufleben lassen. «Das hätte aber nur funktioniert, wenn alle Leute mitmachen würden und es nicht auf Kosten des Friedens geht», betont die
41-Jährige. So schnell dürfte es auf der Holdenweid also nicht zu einem Eigentümerwechsel kommen.

«Riesiges» Interesse

Das Impulszentrum ob Hölstein ist für die breite Öffentlichkeit gedacht. «Es soll eine Art Biotop werden, wo Sachen wachsen können oder Platz haben, die an anderen Orten nicht gedeihen können», beschreibt Cornelia Huber das Projekt. Eine Oase für Ruhe und Erholung – ohne virtuelle Medien. Nicht das Verkaufsziel, sondern das Wohlbefinden des Menschen stehe im Zentrum. «Wir richten unsere Kulturangebote so aus, dass der Mensch bei uns Anregungen bekommt.»

Huber ist überzeugt, dass ihr Vorhaben einem Bedürfnis entspricht. «Wer sehnt sich nicht nach Lebendigkeit, einem Aufbrechen und neuen Impulsen, soweit wie möglich frei von Einschränkungen?», fragt sie sich. Frequenzwechsel bietet auch Veranstaltungen an, die niederschwellig sind. Gemäss Cornelia Huber besteht ein «riesiges» Interesse am Projekt, auch von fachspezifischer Seite, also von Ärzten, Psychologen, Physikern. «Im Alltag drängen sich wegen Sachzwängen immer mehr Fragen auf, welche die Medizin nicht mehr lösen kann», meint Huber.

Für sein Projekt hat Frequenzwechsel die Architektin Barbara Buser ins Boot geholt. Diese ist auf der Holdenweid für bauliche Fragen zuständig. Buser ist auch in die Zwischennutzungen auf dem Ziegelhof-Areal in Liestal und in der Revue in Waldenburg involviert.

80 000 Franken investiert

Für den Zeitraum von Mai bis Oktober 2017 standen dem Verein 60 000 Franken für die «Tankstelle» und die «Kultur der Wirklichkeit» zur Verfügung sowie weitere 20 000 Franken zweckbefreite Gelder für die sanitären und baulichen Belange. «Die unentgeltliche Arbeit geht in die Hunderttausende», rechnet Huber vor. Mietkosten für die Räumlichkeiten fallen nicht an, dafür schlagen hohe Stromrechnungen zu Buche.

Cornelia Huber ist auch zuversichtlich, dass der Betrieb später kostendeckend geführt werden kann. Ihr Verein kooperiert mit der Fachhochschule Nordwestschweiz. Ökonomie-Studenten verfassten eine Bachelor-Arbeit über nachhaltige Finanzierung. «Das Papier zeigt auf, dass es durchaus möglich ist», weiss die
41-jährige Künstlerin, schränkt jedoch ein, dass die Angaben zur Kalkulation auf Annahmen beruhen. Huber dazu: Künstlerische Sachen seien zwar mit sehr hohem Aufwand verbunden, mit Vermietungen, Catering, externen Seminaren und eigenen Anlässen könnten sie aber Einnahmen generieren.

«Ohne Risikobereitschaft entsteht bei uns nichts», weiss Cornelia Huber aus eigener Erfahrung. Bei ihren Projekten habe man ihr stets gesagt, sie seien nicht möglich – aber es habe immer geklappt. «Ich habe noch nie etwas in den Sand gesetzt», beteuert die Berufsoptimistin und fügt an: «Wenn man mit wenig Geld auskommen muss, kann man sich das gar nicht leisten.»

www.frequenzwechsel.ch