Allschwil
Froschlaich en masse vertrocknet, weil dem Kanton Personal und Geld fehlt

Von Ende Februar bis Anfang April trägt Catherine Anne Lasagni fast jeden Abend ehrenamtlich Frösche, Kröten und Molche über die Hauptstrasse zwischen Schönenbuch und Allschwil zu den nahen – französischen – Gewässern, wo sie ablaichen können. Und das macht sie schon seit fünf Jahren.

Andreas Hirsbrunner
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Keine Spur von Wasser: Catherine Anne Lasagni steht in der Mulde, die mangels Pflege ausgetrocknet ist.

Keine Spur von Wasser: Catherine Anne Lasagni steht in der Mulde, die mangels Pflege ausgetrocknet ist.

Kenneth Nars

In diesem Jahr waren es 450 Tiere, der Grossteil Erdkröten, die die Vermögensverwalterin Catherine Anne Lasagni über die Hauptstrasse zwischen Schönenbuch und Allschwil trug. Zwar gibt es zwischendurch immer wieder Kälteperioden, in denen die Amphibien inaktiv sind. Trotzdem kontrolliert Lasagni die Kübel, die entlang der über einen halben Kilometer langen Schutzzäune aufgestellten worden sind, regelmässig. Denn ein Igel oder eine Maus könnten hinein gefallen sein. Diesen Teil des alljährlichen Laichgeschäfts hat Lasagni mittlerweile bestens im Griff, aber jener im Hinterland bereitet ihr Sorgen.

Denn ein paar Dutzend Meter weiter östlich am Rande des Allschwiler Walds haben in den vergangenen Tagen auch die Grasfrösche gelaicht. Dabei sollten sie zumindest auf dem Papier in einer komfortablen Situation sein und über zwei Weiher verfügen, wobei der Kanton von «wechselfeuchten Mulden» redet. Diese wurden als Kompensationsmassnahme für den vor rund zehn Jahren unterirdisch gebauten Erdgasröhrenspeicher angelegt. Ein Bau, der das Gebiet wegen der Aufschüttungen bedeutend trockener machte.

Alle warteten auf den Kanton

Doch offensichtlich pflegte niemand die Weiher und sie verlandeten. Den Einen erahnt man wegen der Vertiefung noch, der Andere ist im Gelände nicht mehr auszumachen. In ihrer Not setzten die Grasfrösche jahrelang ihren Nachwuchs in Traktorspuren mit etwas stehendem Wasser, von wo er umgesiedelt werden musste, oder in die vom Kanton ausgebaggerten Ausbuchtungen am nahen Lützelbach ab.

In diesem Jahr haben die Frösche allerdings Pech: Mangels Niederschlägen ist der Bach derzeit versiegt und die Ausbuchtungen mittlerweile praktisch ausgetrocknet. In einem Notfalleinsatz trug Lasagni deshalb am vergangenen Sonntag zusammen mit Bethli Stöckli, der Leiterin der Amphibiengruppe von Pro Natura Baselland, kübelweise Froschlaich, den sie in den letzten feuchten Vertiefungen einsammelten, in den nächsten Weiher im Mühlitäli. Lasagni sagt: «Etwa ein Drittel konnten wir retten, der Rest ist vertrocknet.»

Die Problematik ist nicht neu. Bereits vor zweieinhalb Jahren fand eine Begehung mit Vertretern des Kantons, der Gemeinden Allschwil und Schönenbuch und des Naturschutzes statt. Der Allschwiler Umweltschutzbeauftragte Andreas Dill sagt dazu: «Die Weiher liegen nicht in der Zuständigkeit der Gemeinde. Wir sind aber daran interessiert, dass der Kanton die Weiher wieder instand stellt.»

Und Petra Ramseier, regionale Beauftragte von der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (Karch), die an der Begehung ebenfalls dabei war, hält fest: «Die Situation ist komplex mit vielen Beteiligten. Wir vereinbarten damals, dass ich zuständig bin für die Planung eines Leitsystems für die Amphibien unter der Hauptstrasse durch und dass der Kanton abklärt, wie weitere Gewässer im Wald erstellt werden können.» Die Realisierung von Amphibienunterführungen – sie würden Lasagni entlasten - sei aber nicht einfach, weil unter der Hauptstrasse Leitungen verliefen.

Kanton fehlte Geld und Personal

Was hat der Kanton seither zur Verbesserung der prekären Wassersituation gemacht? Ausser den sanierten Lützelbach-Ausbuchtungen nichts. Peter Tanner, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft beim Kanton, wirbt angesichts fehlender personeller und finanzieller Ressourcen für Verständnis, dass nicht alles auf einmal gemacht werden könne. Er stellt in Aussicht: «Wir werden die beiden Weiher noch dieses Jahr instandstellen. Vielleicht verschieben wir sie etwas, weil sie sehr nahe am Spazierweg liegen. Vielleicht machen wir auch aus den zwei kleineren einen grösseren Weiher.»

Die komplizierte Amphibienunterführung unter der Hauptstrasse werde man bei der nächsten Strassensanierung zusammen mit dem Tiefbauamt «hoffentlich» an die Hand nehmen können. Im Weiteren versuche der Kanton, die künftige Pflege der Weiher mittels Vereinbarung mit dem Bewirtschafter des entsprechenden Grundstücks zu regeln. Tanner gibt offen zu: «Es ist nicht optimal gelaufen. Bei der damaligen Planung, den Auflagen und der Ausführung wurde nicht klar abgemacht, wer für den Unterhalt zuständig ist. Das war sicher ein Fehler.»

Lasagni atmet auf ob dieser Neuigkeiten, fügt aber leicht zerknirscht an: «Dem Kanton ist schon länger bekannt, dass sich freiwillige Helfer aus Schönenbuch gemeldet haben, die Teichpflege für den Kanton zu übernehmen.»

Sie hat jetzt nur noch ein Amphibienproblem: Sie will in fünf Jahren in ihre Heimat England zurückkehren und braucht einen Nachfolger, der die Amphibien über die Strasse trägt, falls die Unterführung bis dann nicht realisiert ist. Dazu Lasagni: «Alle finden es toll, dass es jemand macht. Aber niemand will es selber machen.» Übrigens geht Lasagni diese Woche erstmals wieder mit ihrem Mann ins Kino - die Laichsaison ist zumindest im unteren Kantonsteil abgeschlossen.