Landwirtschaft
Frostnächte setzen Kulturen zu: Schadensbilanz erfolgt an Ostern

Die Frostnächte von letzter und dieser Woche haben diversen Kulturen zugesetzt. Wie sehr, wissen Bauern noch nicht.

Andreas Hirsbrunner
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Die Kirschen im Frühling vor dem Winter schützen: Samuel und Jonathan Schaffner bereiten ihre Anlage auf eine weitere Frostnacht vor.

Die Kirschen im Frühling vor dem Winter schützen: Samuel und Jonathan Schaffner bereiten ihre Anlage auf eine weitere Frostnacht vor.

Nicole Nars-Zimmer

Einen Moment lang zögerten Jonathan und sein Vater Samuel Schaffner zu Beginn dieser Woche. Im Raum stand die Frage: Sollen wir die Cordia-Kirschen aufgeben? Dies, nachdem vergangene Woche eine Frostwelle übers Land gezogen war, die bei Obstkulturen Schäden in noch unbekannter Höhe hinterliess (die bz berichtete). Und jetzt herrscht erneut eine Bisenlage mit mehreren Frostnächten.

Nun, die beiden Anwiler Bauern verwarfen ihre Zweifel wieder und gingen ans Werk. Angesagt war, die vom Wind teils zerrissenen Abdeckfolien zu flicken und die Frostschutzkerzen in den Anlagen unter den Folien für die Nacht wieder in Stellung zu bringen. Jonathan Schaffner sagt: «Diese Bise ist eine neue Herausforderung für uns, weil sie ständig droht, die Frostschutzkerzen auszublasen. Brennen diese nicht, können wir die Temperatur nicht auf den mindestens erforderlichen minus zwei Grad halten. Doch wer A sagt, muss B sagen.»

Damit spielt er auf letzte Woche an, als Schaffners die Kerzen auch schon anzündeten. Das habe pro Nacht 1000 bis 1500 Franken gekostet, je nach Temperatur. Würden Schaffners die besonders gefährdeten Cordia-Kirschen, die mit 50 Aren fast die Hälfte ihrer Obstanlage-Fläche belegen, jetzt aufgegeben, so hätten sie das Geld für die Kerzen von letzter Woche für diese heikle Sorte in den Sand gesetzt. Für Jonathan Schaffner gilt jetzt das Prinzip Hoffnung: «Die Knospen sind noch nicht offen, deshalb kann man die Schäden noch nicht quantifizieren. Noch ist alles möglich – von einer Vollernte bis zu einem Totalausfall. Um Ostern wissen wir mehr, wenn sie blühen.»

«Ich schaue nicht nach, das macht mich verrückt»

Vom Tafeljura in den mittleren Kantonsteil zu Ernst Lüthi. Für den Ramlinsburger Obstbauer, der auch den Baselbieter Obstverband präsidiert, ist es ebenfalls zu früh, um allfällige Schäden quantifizieren zu können. Er tönt jedoch eher zuversichtlich: «Bei den Aprikosen und frühen Birnensorten ist die Situation heikel. Auch bei den Cordia-Kirschen dürfte es Schäden geben. Bei den restlichen Kulturen ist aber immer noch eine Vollernte möglich.»

Im Unterbaselbiet herrschen in der Regel mildere Temperaturen, dafür sind die Kulturen schon weiter und teils in einer anfälligeren Phase. Der Biel- Benkemer Landwirt Matthias Kleiber differenziert. Zu den Frostnächten von letzter Woche sagt er: «Wir haben praktisch keine Schäden, wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen.» Zu dieser Woche äussert er sich skeptischer: «Ich schaue nicht gross nach, das macht mich nur verrückt. Ich warte jetzt die letzte Frostnacht ab.»

Bei den praktisch schon verblühten Aprikosen habe er aber keine grosse Hoffnung, dass sie überlebten. Bei den sehr frühen Kirschensorten wie Merchant oder Georgia, die bereits blühten, sei er skeptisch. Kleiber hat allein in der Nacht auf gestern Frostschutzkerzen zum Preis von etwa 3000 Franken verfeuert. Keinen Schaden hätten die Reben erlitten.

Dramatisch tönt es aus dem hinteren Baselbiet, aus Bretzwil. Bauer Bernhard Straumann sagt nur: «Wir haben bei den Kirschen massive Schäden. Ich habe mich noch gar nicht getraut, nachzuschauen.» Sein Trost: Er hat eine Frostversicherung abgeschlossen.