Mobilfunknetz der Swisscom
Wegen 5G-Gegnern wird Münchenstein teilweise zum Funkloch

Im Mobilfunknetz der Swisscom kommt es in den nächsten Monaten in zwei Münchensteiner Quartieren zu teils massiven Einschränkungen.

Tobias Gfeller
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Die Einsprachen gegen 5G-Antennen beim Gymnasium Münchenstein im Ehingerpark, Ecke Baselstrasse/Bruderholzstrasse haben Folgen.

Die Einsprachen gegen 5G-Antennen beim Gymnasium Münchenstein im Ehingerpark, Ecke Baselstrasse/Bruderholzstrasse haben Folgen.

Bild: Kenneth Nars

Die beiden Einsprachen – die eine davon von fast 350 Personen unterzeichnet – gegen die geplante 5G-Antenne bei der Kreuzung Neue Welt haben Folgen: Weil der Betrieb der bestehenden Antenne am Teichweg am Montag eingestellt wurde und die neue Antenne noch nicht gebaut ist, kommt es in den Quartieren Neuewelt und Zollweiden zu teils massiven Einschränkungen im Mobilfunknetz der Swisscom.

Der Betrieb der bestehenden Antenne musste eingestellt werden, weil der Eigentümer des betreffenden Gebäudes den Mietvertrag mit der Swisscom gekündigt hat. Er will das Gebäude umbauen und künftig anderweitig nutzen. Einen möglichen Vorwurf, die Swisscom hätte schlecht geplant, weist Mediensprecherin Sabrina Hubacher zurück.

«Wir haben seit 2016 intensiv nach neuen Standorten gesucht. Leider gestaltet sich die Suche nach neuen Standorten immer wie schwieriger, nicht zuletzt wegen der Debatte rund um 5G.»

Die Einschränkungen für die Mobilfunknutzerinnen- und Nutzer in besagten Quartieren sind teilweise gravierend: Sogar im Freien sind das Telefonieren und Surfen im Internet eingeschränkt. In Innenräumen sei das Telefonieren noch stärker eingeschränkt und teilweise sogar gar nicht mehr möglich. Die mobile Datennutzung stehe nicht mehr oder nur mit reduzierter Geschwindigkeit zur Verfügung.

Für eine Verbesserung des Handyempfangs in Gebäuden rät Sabrina Hubacher eine Verschiebung an ein Fenster oder ins Freie. Mit der Nutzung des privaten WLAN fürs Mobiltelefon könne das eingeschränkte Surfen via Mobiltelefon kompensiert werden. Der Festnetzempfang und das Internet via Glasfaser- oder Kupferanschluss sind nicht beeinträchtigt. Dank der Inbetriebnahme einer Antenne an der Kreuzung Dammstrasse/Gartenstrasse könne sich die Situation ab Frühjahr womöglich wieder leicht verbessern.

Sowohl die Abonnentinnen und Abonnenten wie auch die Gemeinde Münchenstein wurden von der Swisscom frühzeitig über die Empfangslücken informiert. Gemeindeverwalter Stefan Friedli will erst gar nicht einen Schuldigen festmachen.

«Das ist ein klassischer Fall einer Güterabwägung: Mobilfunkempfang hat heute fast schon den Status des öffentlichen Interesses. Aber auch das Rechtsmittel der Einsprache liegt im öffentlichen Interesse und ist Teil der ordentlichen Baugesuchs- und Bewilligungsverfahren.»

Für Peter Schmidt, Präsident des Münchensteiner Gewerbevereins, ist die Situation «suboptimal». Es könne jetzt noch mehr wie sonst schon passieren, dass es auf Baustellen oder zu Hause bei Kundinnen und Kunden zu Funklöchern kommt.

Gemeinden behandeln Baugesuche nicht

Obwohl die Einsprachen gegen die 5G-Antenne bei der Neuen Welt am 22. Februar von der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) «vollumfänglich abgewiesen» wurden, geht die Swisscom nicht davon aus, dass die neue Antenne bereits in diesem Jahr in Betrieb gehen wird. Das Verfahren ist auch noch nicht abgeschlossen. Die Einsprechenden haben bis am kommenden Donnerstag Zeit, gegen das Urteil der BUD Beschwerde einzulegen.

Dass es beim 5G-Ausbau nicht vorwärtsgeht, hänge nicht nur mit dessen Kritikern zusammen, sondern auch mit Gemeinden, die die Baueingaben der Mobilfunkanbieter schlicht nicht behandeln würden, kritisiert Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher. Dies habe kürzlich so auch das Bundesamt für Umwelt moniert.


Auch Riehen von Einschränkungen betroffen

Die Mobilfunkantenne beim Bahnhof Riehen wird am 31. März abgebaut, weil analog zu Münchenstein der Eigentümer das Gebäude umbauen und anderweitig nutzen möchte und deshalb den Mietvertrag mit der Swisscom gekündigt hat. Der Standort sei ideal gewesen, um Riehen gut mit Mobilfunk zu versorgen, betont die Swisscom. Der Verlust des Standorts muss deshalb gleich mit zwei neuen 5G-Antennen ersetzt werden. Nach intensiver und langjähriger Suche konnten zwei Ersatzstandorte gefunden werden: Die Antenne an der Schützengasse 62 wurde kürzlich in Betrieb genommen, so dass der nördliche Bereich von Riehen versorgt bleibt. Die Suche nach dem zweiten Ersatzstandort gestaltete sich langwieriger, verlief in den letzten Monaten aber ebenfalls erfolgreich. Das entsprechende Baugesuch für eine Antenne im Gebiet Banhofstrasse/Bettingerstrasse/Immenbachstrasse wird zurzeit ausgearbeitet und bis Mitte 2021 eingereicht. Den genauen Standort gibt die Swisscom erst dann bekannt. Bis diese Antenne in Betrieb genommen werden kann, ist die Mobilfunkversorgung im südlichen und südwestlichen Gebiet des Ortszentrums von Riehen teilweise eingeschränkt. Für Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde (parteilos) sind die Einschränkungen «unglücklich». Er gibt zu bedenken, dass immer mehr Menschen kein Festnetzanschluss mehr hätten und zum Beispiel auch für das Fernsehprogramm Mobilfunk nutzen.