Subventionen
Für 30, nicht für 3 Prozent ist es «unser Theater»

Alt-Regierungsrat Andreas Koellreuter übt Kritik an seiner FDP. Gegner der Theatersubventionen haben falsche Zahlen veröffentlicht.

Jürg Gohl
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Theater Basel

Theater Basel

Zur Verfügung gestellt

30 Prozent und nicht 3 Prozent der Baselbieter besuchen in Basel das Theater. Mit einem Augenzwinkern werfen die Befürworter der Baselbieter Theater-Subvention keck diese neue Zahl in die Diskussion. Sie erläutern: Pro Jahr verkauft das Theater Basel rund 100000 Einzelbillette an Baselbieter. Bei 275000 Einwohnern gehe also, rein statistisch, jeder Dritte, rund 30 Prozent, ins Theater.

Dass der Verein «Unser Theater» seine Rechnerei selber nicht ernst nimmt, zeigt sich alleine daran, dass er in seiner Rechnung in letzter Konsequenz nicht auf 30, sondern auf über 36 Prozent gekommen wäre. Fest steht hingegen, dass fast jedes zweite Theaterabonnement und fast jeder dritte Einzeleintritt ins Baselbiet verkauft wird. Die Zahl von 3 Prozent Theatergängern, mit der die Wortführerin SVP gegen die zusätzlichen 17 Millionen Franken Theatersubventionen aus dem Baselbiet für die kommenden vier Jahre argumentiert, erklärten gestern die Theater-Freunde wahlweise als «völlig unsinnig» oder als «haltlos».

Unsinnige Zahlen der Gegner

Alt Regierungsrat Andreas Koellreuter brachten die vielen falschen Zahlen, welche die Gegner der Theater-Subventionen ins Feld führen, so sehr in Rage, dass er im Hinblick auf die Theaterabstimmung vom 13. Februar sogar seinen Vorsatz brach, sich nicht mehr aktiv in kantonale Geschäfte einzumischen. So sass er denn gestern am prominent besetzten Tisch, um gemeinsam mit dem Vorstand von «Unser Theater» für die zusätzlichen Gelder zu werben. «Dass meine eigene Partei die falschen Angaben der SVP einfach übernommen hat, enttäuscht mich sehr.» Neben Koellreuter machte sich gestern auch Beatrice Geier, die frühere Präsidentin der FDP Baselland, stark für die Baselbieter Subventionen und dokumentierte so, dass der Theater-freundliche Flügel ihrer Partei zahlenmässig stark und prominent besetzt ist.

Für Baselland «absolut verkraftbar»

Alle Parteien ausser der SVP waren gestern in Liestal vertreten, um hintergründig ihren Schulterschluss in der Theaterfrage zu veranschaulichen und um vordergründig ihr Ja zu den Subventionen aus verschiedenen Blickwinkeln zu stützen. So strich Andreas Koellreuter hervor, dass ein attraktiver Wirtschaftsstandort auch über ein angemessenes Kulturangebot verfügen müsse: «Ein Provinztheater passt nicht zur zweitstärksten Wirtschaftsregion des Landes.»

SP-Landrat Marc Joset, Präsident der landrätlichen Finanzkommission, warnt davor, verschiedene Kulturangebote gegeneinander auszuspielen. Trotz aktueller Haushaltprobleme seien die durchschnittlich 4,25 Millionen Franken für einen Triple-A-Kanton «absolut verkraftbar».

CVP-Landrätin Barbara Peterli Wolf, die krank war und deshalb ihre Argumente vortragen liess, betont, dass grössere Aufgaben wie Uni, Spitäler und eben Theater partnerschaftlich angegangen werden müssen, auch wenns ans Zahlen geht. Und die Grüne Madeleine Göschke, die gerne «die Milliarde für übergrosse Spitalbauten» ins Feld führt, hebt die anerkannte Spitzenklasse hervor, die das Theater bietet.