Kantons-Fusion
Für Basel, für das Baselbiet – aber gegen eine Fusion

In Therwil wurde das Komitee für ein selbstständiges Baselbiet aus der Taufe gehoben. Unter den Mitgliedern tummeln sich auch ein paar «Überläufer». Sie sind der Meinung, dass eine Fusion einer «Kastration der Baselbieter Selbständigkeit» gleich käme

Benjamin Wieland
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Anti Fusion
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Die Gründungsversammlung des Komitees für ein selbständiges und eigenständiges Baselbiet stiess auf grosses Medieninteresse. Hinter Redner Hans A. Jenny (rechts, mit Brille) steht das Denkmal für Stephan Gutzwiller, einen der Hauptführer der Baselbieter Revolution.
Hans A. Jenny unterzeichnet das Gründungsprotokoll.

Anti Fusion

Juri Junkov

Ein kleiner Widerspruch war es schon. An der Gründung des Komitees für ein selbstständiges und eigenständiges Baselbiet hielten fünf Mitglieder Referate, warum denn das Baselbiet selbstständig bleiben müsse. Hans-Urs Spiess, Präsident der SVP-Sektion Gelterkinden, bediente sich dabei eines Schlachtrufs, der allen FC-Basel-Fans irgendwie bekannt vorkommen sollte: «Baselbieter kannst Du nicht werden - Baselbieter musst Du sein!».

Sagte nicht kurz danach der 82-jährige Publizist Hans A. Jenny, er sei in Riehen aufgewachsen, dann aber 1977 nach Tecknau gezogen? Und hatte nicht FDP-Landrat Marco Born (Sissach) in seinem Statement, noch vor Spiess, erwähnt, dass er in der Stadt aufgewachsen, aber vor Jahren nach Sissach umgezogen sei? Jenny löste den Widerspruch mit einem rhetorischen Trick auf: «Ich trage zwei Herzen in meiner Brust. Ich bin für das traditionelle Basel, für das Baselbiet, aber gegen eine Fusion.»

«Kastration der Baselbieter Selbständigkeit»

Die Stellung die Stadt als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum stehe für ihn ausser Frage. Eine Fusion der beiden gut funktionierenden Halbkantone bedeute jedoch eine «Kastration der Baselbieter Selbstständigkeit».

Die Gründungsversammlung fand auf dem Therwiler Kirchplatz statt, passend zum Anlass gleich vor dem Denkmal für Stephan Gutzwiller, einem Hauptführer der Baselbieter Revolution. In seiner flammenden Eröffnungsrede erläuterte Jenny Gutzwillers Wirken: «Er hat genau erkannt, wie undemokratisch der damalige Basler Rat war.» Auch bei den aktuellen Wiedervereinigungsbemühungen werde mit «Bubentrickli» versucht, das Baselbiet zu übertölpeln: «Im Verfassungsrat sollen beide Kantone gleichviele Vertreter stellen. Das ist nicht demokratisch. Baselland müsste entsprechend der Bevölkerung mehr Gewicht haben.»

Auch Nationalrat Thomas de Courten (SVP, Rünenberg) erwähnte die heutige bürgernahe Verwaltung, sie würde verloren gehen. SVP-Landrätin Caroline Mall (Reinach) plädierte für das bewährte Modell Partnerschaft: «Führen wir doch die vertragliche Zusammenarbeit fort, sie hat bis anhin viele Früchte getragen.»