Domino Möbel AG
Für den Erfolg braucht es nicht immer Spitzenleute

Ein Muttenzer Schrankbauer zeigt, dass Erfolg auch mit Leuten der IV-Stellen Baselland und Basel-Stadt möglich ist. Mit viel Engagement baute Markus Oberholzer seine Firma auf und besteht auch gegen Konkurrenz aus dem Ausland.

Daniel Haller
Drucken
Teilen
Geschäftsführer Markus Oberholzer (links) und Betriebsleiter Rudi Schumacher haben die Firma umgebaut.Roland Schmid

Geschäftsführer Markus Oberholzer (links) und Betriebsleiter Rudi Schumacher haben die Firma umgebaut.Roland Schmid

Roland Schmid

Sich selbst bezeichnet Markus Oberholzer als «in gewissen Dingen eher konservativ». Doch «soziale Verantwortung muss sein», ist der Geschäftsführer der Muttenzer Domino Möbel AG überzeugt.

«Wenn etwas gut ist, muss man es tun.» Entsprechend arbeitet Domino mit den IV-Stellen Baselland und Basel-Stadt zusammen, der Organisation Lernhaus des Arbeiterhilfswerks und dem Timeout des Amts für Volksschule des Kantons Baselland.

«Wir wollen jungen Leuten eine Perspektive geben und gestandenen Berufsleuten den Wieder-Einstieg ermöglichen.» Voraussetzung für dieses «Investieren in die Leute», wie es Oberholzer nennt, sei aber, dass die Firma läuft.

Der frühere Chef als «Bank»

Als es darum ging, die Domino Möbel AG von Peter Kiefer, dem Gründer, zu übernehmen, waren die Banken zuerst skeptisch: Die Möbelbranche wird dominiert von grossen Ketten, die oft im Osten produzieren und mit tiefen Preisen locken können, da der Kunde das Möbel selbst zusammenbaut.

Oberholzer gab nicht nach, machte eine Ausbildung zum Betriebswirtschafter und legte als Diplomarbeit seinen Businessplan vor, der nicht nur den Banken einleuchtete, sondern auch Peter Kiefer gefiel.

Dieser lieh Oberholzer das nötige Kapital und übernahm bei Domino den Job als Buchhalter: So behält er den Überblick, ob sein Nachfolger reüssiert.

Oberholzer baute den Betrieb mit Betriebsleiter Ruedi Schumacher um: So führten sie die Samstagsarbeit ein. Wer am Samstag arbeitet, hat an einem anderen Tag frei. «Mit der besseren Maschinenauslastung erreichen wir mit gleich viel Personal bedeutend mehr Umsatz.»

Das Lager reduzierten sie radikal. Aus den früheren Lager- wurden Ausstellungsräume. Dafür müssen die Zulieferer die Lieferfristen sehr exakt einhalten. Auch sonst intensivierte das Duo den Kontakt zu den Lieferanten, etwa indem sie in die Produktentwicklung eingebunden werden. «Partnerschaften sind für einen Kleinbetrieb wahnsinnig wichtig.»

Individuell entwickelte Schränke

Innovation ist entscheidend, um die Kunden von seinen Einbauschränken zu überzeugen: Oberholzer will genau wissen, was in den Schrank kommt, und dann wird in wöchentlichen Entwicklungssitzungen die optimale Nutzung des zur Verfügung stehenden Stauraums durch das Team erarbeitet.

Lohn der individuellen Entwicklungsarbeit: «Teilweise müssen wir Kunden helfen, nach 30 Jahren bei einem Umzug die Schränke aus- und in die neue Wohnung wieder einzubauen. Dafür braucht man Leute, die mitdenken», betont er als Chef des 20-Personen-Betriebs. «Und man kann nicht nur die Ausgebildeten abschöpfen.»

Entsprechend bietet Domino drei Ausbildungsplätze für Schreiner-Praktiker an. Gleichzeitig steht Domino sporadisch offen für Timeout-Schüler, die aus disziplinarischen Gründen für eine befristete Zeit von der Schule ausgeschlossen wurden, da ihr Verhalten im Unterricht nicht mehr tragbar war.

«Hier haben sie keine Verbündeten, die auch ‹Saich› machen», berichtet Oberholzer. «Wir bieten ein Gefüge, stehen unter Zeitdruck und verlangen Verbindlichkeit.

Die Jungs bekommen einen Einblick in die Berufsrealität und sehen ein: So wie bisher gehts nicht weiter.» Heinz Treuer, Leiter Timeout Baselland, beobachtet: «Der Rat vom Profi im Betrieb ist oft glaubhafter, als was Eltern und Lehrer predigen.»

Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit den IV-Stellen: «Wir schätzen die Offenheit von Domino für jede Art der Integration», bestätigt Mario Kobler vom Berufsberatungsteam der IV Baselland.

Der Betrieb habe eine gute Grösse, sodass man Personen, die lange vom Arbeitsmarkt weg waren, gut integrieren könne, da sie effektiv im Team mitarbeiten. So wurde eine Person, die von der IV kam, bei Domino angestellt, und derzeit testet jemand, der von der IV wieder in den Arbeitsmarkt zurück soll, seine Belastbarkeit in der Werkstatt.

Oberholzer versteckt nicht, dass er sich von solchem Engagement auch etwas verspricht: «Wer nicht sät, erntet nicht», meint er. «Und ohne die Grosszügigkeit meines Vorgängers wäre ich auch nicht in dieser Position.»