Wirtschaft
Für die Baselbieter Biotechfirma Santhera ist es fünf vor zwölf

Das restrukturierte Pharmaunternehmen Santhera hofft auf die Zulassung seines eintwickelten Wirkstoffes im Herbst. Nach den drastischen Restrukturierungsmassnahmen der vergangenen Monate wird dies zum bedeutenden Entscheid.

Ruedi Mäder
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Die Zahl der Beschäftigten wurde bei der Restrukturierung praktisch halbiert.

Die Zahl der Beschäftigten wurde bei der Restrukturierung praktisch halbiert.

Keystone

Für die restrukturierte Santhera Pharmaceuticals Holding in Liestal geht es im laufenden Jahr um Sein oder Nichtsein. Im Zentrum des Interesses des börsenkotierten Unternehmens steht die beantragte Zulassung des Wirkstoffs Catena gegen die Augenkrankheit LHON auf dem europäischen Markt. Der betreffende Entscheid der Zulassungsbehörde wird für das Baselbieter Unternehmen von existenzieller Bedeutung sein.

Restrukturierung abgeschlossen

Ursprünglich hatte Santhera im Geschäftsjahr 2010 profitabel wirtschaften wollen. Im Spätsommer 2011 zog das Unternehmen angesichts der schwindenden Mittel die Reissleine und startete eine markante Restrukturierung, inklusive Geschäftsleitung. Bis Ende Jahr wurde die Zahl der Beschäftigten auf noch knapp 30 praktisch halbiert. Er sei froh, dass die betreffenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Umgebung wieder adäquate Stellen gefunden hätten, resümierte Santhera-CEO Thomas Meier gestern im Gespräch mit der az. Verringert wurden insbesondere die Kapazitäten im Bereich der nichtklinischen Forschung.

Noch bis Mitte 2013 finanziert

Personell und finanziell sind die verfügbaren Ressourcen heute auf Catena und dessen Entwicklung in mehreren Indikationen, das heisst Anwendungsgebieten, fokussiert. «Jene Restrukturierung war ein schmerzlicher, aber richtiger Prozess, den wir rechtzeitig eingeleitet haben», sagte CEO Meier. Santhera sei heute «gut aufgestellt». Meier arbeitete während sieben Jahren als Chief Scientific Officer für das Unternehmen, ehe er im vergangenen Oktober zum neuen CEO ernannt wurde. Vorgänger Klaus Schollmeier übernahm damals das Präsidium des Verwaltungsrats.

Die verfügbaren Geldmittel sind innert Jahresfrist von 44 auf gut 23 Millionen Franken (per Ende 2011) gesunken. Als Folge der Restrukturierung konnte der monatliche Geldbedarf (die so genannte Cash-Burn-Rate) von 2,0 auf noch 1,3 Millionen Franken gedrosselt werden. Daran gemessen ist der Betrieb noch bis mindestens Mitte 2013 finanziert.

Für 2011 wies Santhera gestern einen Betriebsverlust von 27,5 Millionen Franken aus (11,6 Millionen betrug der Fehlbetrag im Vorjahr). Damit musste unter dem Strich für 2011 ein Nettoverlust von 27,8 Millionen (Vorjahresverlust: 11,3 Millionen) Franken ausgewiesen werden.

Der Santhera-Umsatz stammte letztes Jahr vom einzigen bereits zugelassenen Wirkstoff, Catena, zur Behandlung der seltenen neuromuskulären Erkrankung Friedreich Ataxie in Kanada. Der Umsatz betrug 3,3 (Vorjahr 3,5) Millionen Franken, wobei in lokalen Währungen ein Wachstum von 6 Prozent erreicht wurde. Mit dieser Umsatzgrössenordnung dürfte in Kanada der Plafond vorerst erreicht sein, schätzt CEO Meier. Im Unterschied zu 2010 konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr keine Lizenzeinnahmen verbuchen.

Die Santhera-Aktie büsste gestern über 3 Prozent ein und schloss bei Fr. 4.20. 2011 hatte der Titel mit einem Rückschlag um 43 Prozent bös Federn gelassen. Die Aktie wird seit November 2006 an der Schweizer Börse gehandelt. Der Emissionspreis hatte 90 Franken betragen.