Salina Raurica
Für die BDP fährt das 14er-Tram in der falschen Spur

Das Projekt zur Verlängerung der Tramlinie 14 von Pratteln nach Salina Raurica kommt nicht vom Fleck. Die Baselbieter BDP will den Stillstand nutzen, um mit einem Vorstoss im Landrat die Linienführung für die Trams 14 und 3 neu aufzugleisen.

Hans-Martin Jermann
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Der 14er (hier bei der Haltestelle Pratteln Bahnhofstrasse) soll nach dem Willen der BDP nach Augst weitergeführt werden und von dort als 3er zurück Richtung Schweizerhalle–Birsfelden weiterfahren. (Archiv)

Der 14er (hier bei der Haltestelle Pratteln Bahnhofstrasse) soll nach dem Willen der BDP nach Augst weitergeführt werden und von dort als 3er zurück Richtung Schweizerhalle–Birsfelden weiterfahren. (Archiv)

Kenneth Nars

Zwar will die federführende Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) noch im dritten Quartal 2016 ein generelles Projekt in den Landrat geben, in dem die Linienführung und die Anordnung der Haltestellen festgehalten werden. Doch mit dem Bau will der Kanton zuwarten, bis der Bundesrat das Strategische Entwicklungsprogramm (Step) 2030 verabschiedet hat. Das wird Anfang 2018 der Fall sein. Erst dann wird klar, ob und in welchem Ausmass der Bund das auf 140 Millionen Franken veranschlagte und 3,1 Kilometer lange Tramteilstück mitfinanziert.

Die Baselbieter BDP will den Stillstand nutzen, um die Linienführung des Trams neu aufzugleisen. Dies fordert BDP-Präsidentin Marie-Therese Müller in ihrem Vorstoss, den sie am Donnerstag im Landrat einreicht. Anstatt die Tramlinie 14 von der heutigen Endstation in Pratteln via Gewerbegebiet Grüssen durch das Planungsgebiet Salina Raurica nach Augst zu verlängern, fordert die BDP, dass die Tramlinien 3 und 14 verlängert und in Augst verknüpft werden. Demnach würde das Tram Salina Raurica künftig von der heutigen Endstation via Pratteln-Schwimmbad, Bahnhof Salina Raurica und Augst in einem Halbkreis umfahren. Ab Augst würde das Tram als Linie 3 der heutigen Rheinstrasse entlang via Schweizerhalle zur heutigen Endstation Birsfelden-Hard geführt.

Schweizerhalle einbinden

Für den Prattler BDP-Einwohnerrat Marc Bürgi hätte diese Linienführung einen wesentlichen Vorteil gegenüber der bisherigen Variante: Erstmals würde damit das Arbeitsgebiet Schweizerhalle ins Tramnetz eingebunden. Bürgi betont, dass die Chemie-Konzerne Bayer und CABB zuletzt Millionen in neue Produktionsanlagen investiert hätten; dadurch sei Schweizerhalle als Werkplatz aufgewertet worden. Derzeit sind dort insgesamt rund 2400 Mitarbeitende beschäftigt. Die Busse der beiden Linien 80 und 81, die das Gebiet heute erschliessen, stecken zu Stosszeiten oft im Stau – sind also punkto Fahrplanstabilität wenig zuverlässig.

Abhilfe schaffen würde ein Tram. «Platz dafür hat es neben der hier grosszügig dimensionierten Rheinstrasse mehr als genug», findet Bürgi. Das Gegenargument, dass die Idee für eine Tramerschliessung von Schweizerhalle vor Jahrzehnten bereits abgelehnt wurde, weist Bürgi zurück: «Jetzt wäre sie in ein Gesamtkonzept mit einem Entwicklungsgebiet für Wohnen und Arbeiten in Salina Raurica eingebunden.» Daneben sieht Bürgi weitere Vorteile: So könnten das Prattler Schwimmbad und der neue Bahnhof Salina Raurica ins Tramnetz integriert werden. Dass umgekehrt in der neuen Variante das Gewerbegebiet Grüssen nicht ans Tram angebunden werde, sei kein Drama. Das Grüssen soll laut Bürgi weiterhin per Ortsbus erschlossen werden. Zudem sei die vom Kanton in zwei Etappen geplante Verlängerung der Tramlinie 14 in der Prüfung durch den Bund durchgefallen. So hat das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) im August 2013 den geringen Wirkungsgrad moniert – und das Tramprojekt im Agglomerationsprogramm zurückgestuft. «Ein Tram-Rundkurs würde beim Bund mehr Kredit geniessen als das aktuelle Projekt», ist Bürgi überzeugt.

«Eine Lachnummer»

Gar nichts anfangen kann mit dem Vorstoss Gert Ruder (SP), der Präsident der Prattler Bau- und Planungskommission. «Das ist, mit Verlauf, eine Lachnummer.» Erst am 30. Mai habe der Einwohnerrat den Zonen- und Strassennetzplan zu Salina Raurica verabschiedet; die Linienführung des Trams sei ein integrierter Bestandteil davon gewesen. Dass die BDP wenige Tage später einen Vorschlag für eine völlig neue Linienführung lanciere, sei nicht glaubwürdig, findet Ruder. Der Vorstoss komme aber nicht nur zum falschen Zeitpunkt, er sei auch taktisch unklug. Zwar teilt Ruder die Kritik der BDP an der Verzögerung des Tramprojekts: «Mir scheint, der Kanton interessiert sich überhaupt nicht mehr für Salina Raurica», stellt Ruder ernüchtert fest. Allerdings ist er überzeugt, dass eine Diskussion um eine neue Linienführung der Regierung bloss Gründe liefern würde, das Projekt weiter zu verschleppen. Für ihn ist deshalb klar: «Pratteln muss nun darauf pochen, dass die Tramlinie mit der aktuellen Linienführung so schnell wie möglich realisiert wird.»

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