Belchentunnel
Für die Eptinger AG geht die Sperrung der Autobahneinfahrt ins Geld

Ab kommendem Montag beginnen auch auf Baselbieter Boden die Vorarbeiten für den Bau der dritten Belchenröhre. Für Eptingen sind das aber nur bedingt gute Nachrichten: Das Dorf muss für die nächsten fünf Jahre auf seine Autobanzufahrt verzichten.

Bojan Stula
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Noch dauert es ein knappes Jahr, bis am Belchen eine ähnliche Tunnelbohrmaschine wie hier 2008 beim Voreinschnitt am Ceneri-Basistunnel in Betrieb gesetzt wird.

Noch dauert es ein knappes Jahr, bis am Belchen eine ähnliche Tunnelbohrmaschine wie hier 2008 beim Voreinschnitt am Ceneri-Basistunnel in Betrieb gesetzt wird.

KEYSTONE

Der Moment rückt näher, an dem am Belchen mit dem Bau einer neuen, 3,2 Kilometer langen Tunnelröhre begonnen wird. Noch in diesem Herbst werden am Südportal die Bestandteile für die grosse Tunnelbohrmaschine angeliefert und zusammengesetzt. Diese treibt ab Frühjahr 2016 von Solothurner Seite her die dritte Belchenröhre in Richtung Baselbiet voran.

Auf der Höhe des Nordportals, also auf Eptinger Boden, wird gleichzeitig der sogenannte Voreinschnitt samt Tunneleinfahrt und neuer Tunnelzentrale erstellt. Der auf 500 Millionen Franken veranschlagte Sanierungstunnel Belchen (STB), wie das Bauvorhaben offiziell heisst, soll im Idealfall bis 2022 fertig und für den Verkehr geöffnet sein. Das ermöglicht anschliessend die aufeinanderfolgende Sanierung der beiden alten Tunnelröhren, sodass immer vier Autobahnspuren auf der stark befahrenen A 2 offen bleiben.

Umleitung über Diegten

Nachdem im vergangenen Herbst die Vorarbeiten am Südportal bei Hägendorf begonnen haben, geht es ab kommendem Montag in Eptingen los. Wie das Bundesamt für Strassen (Astra) gestern mitgeteilt hat, beginnen am 4. Mai die Arbeiten für den Voreinschnitt beim Tunnelnordportal. Zudem werden «Anpassungen bei der Einfahrt Eptingen» vorgenommen. In einem späteren Schritt sollen dann die Arbeiten für die Zentrale am Nordportal starten, was nicht ohne Auswirkungen auf die Umgebung bleibt.

«Aufgrund des fehlenden Platzes und zur Gewährung der Verkehrssicherheit ist eine Sperrung der Autobahneinfahrt Eptingen in Fahrtrichtung Luzern ab 4. Mai 2015 bis ca. Ende 2020 unumgänglich», kündet das Astra an. Der Verkehr muss über die rund drei Kilometer entfernte Einfahrt Diegten umgeleitet werden. Die Einfahrt Eptingen wird laut Astra aber weiterhin für Notfallfahrzeuge und Fahrzeuge der Ereignisdienste nutzbar sein. Wegen der Nähe zum Anschluss Diegten sei bei der Vorinformation der betroffenen Gemeinden ein Aufschrei ausgeblieben, berichtet Astra-Mediensprecherin Esther Widmer.

Keine Freude in Eptingen

«Wir werden die Situation genau im Auge behalten», kündet Thomas Gerber an, «und darauf hinwirken, dass die Vollsperrung vielleicht nicht so lange andauert wie vom Astra angekündigt». Der Gemeindevizepräsident von Eptingen, der unter anderem für Verkehr und Raumplanung zuständig ist, gibt an, dass innerhalb seiner Gemeinde natürlich keine allzu grosse Freude darüber herrsche, fünf Jahre lang von der direkten Autobahnzufahrt abgeschnitten zu sein. Anderseits sei es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich, die genauen Auswirkungen vorauszusagen, weswegen er die Aussage von Astra-Sprecherin Widmer im Grundsatz bestätigt.

Bei der Mineralquelle Eptingen AG, dem bedeutendsten Unternehmen vor Ort, hat man dagegen sehr genaue Vorstellungen davon, was die Autobahnsperrung für ökonomische Auswirkungen haben wird. Bei 2500 Lastwagenfahrten im Jahr, die alle den 3,5 Kilometer langen Umweg über Diegten nehmen müssen, ergebe dies bei einem Kilometerpreis von 3,40 Franken einen Mehraufwand von rund 30 000 Franken jährlich; also in fünf Jahren 150 000 Franken, wie Eptinger-Geschäftsleiter Matthias Buchenhorner vorrechnet. Selbst für ein Unternehmen seiner Grösse sei dies ein namhafter Betrag, der ihm von den Logistikern in Rechnung gestellt wird und am Schluss in der Erfolgsrechnung fehlt.