Umzug
Für Thommen Aircraft hat der Abflug aus Waldenburg begonnen

Der Traditionshersteller Revue Thommen von Flugzeug- und Cockpit-Instrumenten verlegt die halbe Produktion von Waldenburg nach Muttenz.

Bojan Stula
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Die Hälfte des Unternehmens Revue Thommen zieht vom Standort Waldenburg (im Bild) nach Muttenz. (Archiv)

Die Hälfte des Unternehmens Revue Thommen zieht vom Standort Waldenburg (im Bild) nach Muttenz. (Archiv)

Martin Töngi

Passanten an der Hauptstrasse in Waldenburg ist es sofort aufgefallen: Seit Donnerstag fahren beim Traditionsunternehmen Revue Thommen die Zügelwagen vor. Ihr Zielort ist das Muttenzer Industriequartier auf dem Polyfeld. An der Hofackerstrasse 48 bezieht die Thommen Aircraft Equipment AG, wie das Unternehmen seit Mai 2015 heisst, ihren künftigen Hauptsitz.

Laut Firmenchef Stéphane Jaquier wird eine Aufteilung der Produktion vorgenommen. Die Abteilung für die Herstellung mechanischer Instrumente mit rund 30 Mitarbeitenden verbleibt bis auf weiteres in Waldenburg, während die Digitalabteilung mit etwa 35 Leuten samt Firmenadresse nach Muttenz umzieht. Diese werden am kommenden Dienstag in den neuen Räumlichkeiten gleich neben dem markanten weissen Valora-Gebäude ihre Arbeit aufnehmen.

«In Waldenburg mussten wir in überdimensionierten Gebäuden arbeiten, die noch aus Zeiten mit 600 Angestellten stammen», sagt CEO Jaquier. «In Muttenz können wir dagegen viel kostengünstiger produzieren.»

Grosse Hallen stehen leer

Damit wird auch klar, dass der Personalbestand, der im vergangenen Herbst mit 78 Angestellten angegeben wurde, nochmals abgenommen hat. Die Übernahme der einstigen Oberbaselbieter Vorzeigefirma durch die russische Investorengruppe Sistema vor einem halben Jahr hat innerhalb der Belegschaft Zukunftsängste geschürt und Thommen viel Negativpresse beschert. Das kann CEO Jaquier nicht nachvollziehen: «Wir tun hier wirklich alles dafür, um Arbeitsplätze zu erhalten und den Traditionsnamen wieder in eine blühende Zukunft zu überführen. Unser Umzug nach Muttenz ist Teil davon.»

Trotzdem bleibt für das finanziell angeschlagene Waldenburg die bittere Tatsache, dass sich ein weiteres Unternehmen, diesmal zumindest zur Hälfte davon, aus dem Tal verabschiedet. Welche Auswirkungen dies auf den künftigen Steuerertrag haben wird, konnte die Gemeindeverwaltung gestern auf Anfrage nicht abschätzen. Es werde sich aber angesichts des ständig kleiner gewordenen Unternehmens um keinen «erheblichen Betrag» handeln.

Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann bedauert den Teilabzug gleichwohl: «Für uns ist es ein Verlust; wie immer, wenn Arbeitsplätze verschwinden.» Was die Zukunft der jetzt leerstehenden grossen Produktionshallen an der Hauptstrasse angeht, bietet sie Hand zu «unkomplizierten Umnutzungen und Umzonungen». Denkbar sei etwa eine Mischnutzung aus Wohn- und Gewerberaum für Start-ups. Konkrete Pläne bestehen aber noch nicht.

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