Kantonsfusion
Fusions-Gegner machen Jagd auf Frauen, Kulturschaffende und Linke

Die Gegner eines geeinten Kantons Basel fischen in fremden Gewässern. Der Baselbieter SVP-Präsident Oskar Kämpfer setzt bewusst auf Taktik. Das Nein-Komitee soll frauenlastig werden.

Leif Simonsen
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Blutige Schlacht: Das Hülftenschanz-Denkmal in Frenkendorf.Niz

Blutige Schlacht: Das Hülftenschanz-Denkmal in Frenkendorf.Niz

SVPler Oskar Kämpfer will vor dieser Aufgabe die Scheuklappen ablegen. Der Präsident des Komitees gegen die Kantonsfusion setzt vor allem auf eine breite Abstützung. Zudem hat er sich im Hinblick auf eine mögliche Abstimmung zur Kantonsfusion schon eine taktische Finesse überlegt. Zielpublikum sollen dieses Mal die Frauen sein. Kämpfer betont, dass er nicht in die traditionellen Rollenbilder verfallen wolle. Trotzdem ist der SVP-Präsident der Überzeugung, dass die Frauen in den Gemeinden öfter mit den «Entscheidungsstrukturen in Verbindung» kämen. «Die Männer sind oft arbeitstätig. Sie gehen morgens in die Stadt und kommen abends nach Hause.» Der Föderalismus sei in den Köpfen der Frauen daher viel stärker verankert, ist Kämpfer überzeugt. Er will daher auch vorschlagen, das Komitee frauenlastig zu gestalten. Dieses, so sein Plan, soll in der zweiten Septemberhälfte präsentiert werden. Im Optimalfall könnten die Frauen ihre wankelmütigen Männer auch noch von einem Nein zur Kantonsfusion überzeugen, sagt Kämpfer und lacht.

Den Abstimmungskampf soll gemäss Kämpfer ein 6- bis 10-köpfiges Komitee bestreiten. Der Startschuss für das Gremium soll laut den Wünschen des Therwilers in seinem Wohnort stattfinden. Das nicht etwa aus Lokalpatriotismus: Hier wurde Stephan Gutzwiller geboren, der als Hauptführer der Baselbieter Revolution gilt, die 1833 zur Kantonstrennung führte.

Warten auf die Freisinnigen

Bis zur Präsentation des Komitees erwartet ihn aber noch eine Menge Arbeit. Die Baselbieter Freisinnigen haben sich bisher auf Druck von Parteipräsidentin Christine Pezzetta nicht oder nur zaghaft geäussert. An der Parteitagsversammlung vom Mittwoch wird die FDP die Parole fassen. Pezzetta macht derweil klar, dass der Entscheid der Parteibasis nicht bindend sein soll. «Wir wollen niemandem einen Maulkorb verpassen», sagt sie. Vielmehr wolle sie die FDP-Parole gerade in einer derart emotionalen Thematik nicht zur Direktive machen. «Es ist sehr gut möglich, dass wir uns zwar auf eine Parole einigen, dass die Parteimitglieder danach aber unterschiedliche Meinungen kundtun dürfen.» Kämpfer steht schon jetzt in regem Austausch mit FDP-Politikern, die sein Anliegen teilen. Ohnehin könne man auf Politiker aus allen Lagern zählen, «nur mit Grünen hatte ich bisher kaum Kontakt».

Die Fusionsgegner scheinen stetig zuversichtlicher, zumal sie offenbar erste Kratzer im Lack der Befürworter ausmachen. «Die Unterschriftensammlung läuft viel schlechter als erwartet», meint der SVP-Präsident. Für ihn ein Zeichen, dass die Fusions-Initiative dieses Mal schon bei der ersten Gelegenheit gebodigt werden kann – und nicht wie 1969 erst bei der Bestimmung des Verfassungsrats. «Dann sparen wir nämlich viel Zeit», so Kämpfer.