Super League
GC Wintermeister: Wieso der FCB trotzdem der Favorit bleibt

Neben Aufsteiger St. Gallen ist Wintermeister GC die Überraschung der Hinrunde. Behalten die Grasshoppers ihre Konstanz, können sie den Baslern die Meisterschaft streitig machen. YB und FCZ zählen hingegen zu den grossen Enttäuschungen.

Etienne Wuillemin
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Der FC Basel ist nach dem Trainerwechsel auf der Erfolgsspur.

Der FC Basel ist nach dem Trainerwechsel auf der Erfolgsspur.

Keystone

Als der FC Basel Mitte Oktober Murat Yakin als Trainer installierte, nahm die Meisterschaft eine Wende. Yakin gelang es, die Basler nach schwachem Start zu stabilisieren, der Rückstand auf Leader GC schmolz von zeitweise 11 Punkten bis auf 4. Dies und der Fakt, in der zweiten Hälfte der Hinrunde alle Teams der ersten Tabellenhälfte besiegt zu haben, gibt dem FCB Sicherheit. Er bleibt erster Titelfavorit.

Überraschungsteam GC

Die Grasshoppers sind, zusammen mit St.Gallen, die positive Überraschung dieses Fussball-Herbstes. Gut sechs Monate nach dem Fast-Abstieg sind sie Wintermeister – das ist erstaunlich. Gründe dafür gibt es einige. Niemand hat in der Super League grösseren Einfluss auf sein Team als Vero Salatic. Seine Rückkehr aus Zypern war für GC Gold wert, genauso wie die neue Achse mit dem Abwehrduo Grichting/Vilotic und Ben Khalifa in der Offensive. Um dieses stabile Gerüst herum reiften Leute wie Zuber oder Hajrovic zu Leistungsträgern. Schliesslich kann die Arbeit von Trainer Forte nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er hat viele Junge weitergebracht. Zudem hielt er sein Team auch nach Siegen mit wohltuend selbstkritischen Analysen stets auf dem Boden der Realität. Wenn das junge GC seine Ruhe und Souveränität behält und an Effizienz zulegt, kann es den FC Basel im Meisterrennen herausfordern.

Was Jeff Saibene mit dem Aufsteiger aus St.Gallen leistet, verdient ebenso grossen Respekt. Nach dieser Vorrunde ist das Träumen von einem Europacup-Platz erlaubt. Bleibt aus dem Spitzenquartett Sion. Die Walliser haben auf dem Papier am ehesten das Kader, um Basel herauszufordern. Aber sie haben eben auch Christian Constantin. Der Präsident schafft es, selbst in den unnötigsten Fällen für Unruhe zu sorgen. Es wird ihm wieder gelingen.

YB und FCZ enttäuschend

Für YB ist die erste Hälfte der Meisterschaft eine grosse Enttäuschung. Berauschend waren die Auftritte höchstens in der Europa League. Allerdings: Der jüngste Trend zeigt aufwärts, zwei Siege zum Schluss und die Verpflichtung von Fredy Bickel als Sportchef könnten noch einmal Schwung verleihen. Der Rückstand auf einen Europacup-Platz ist gross (8 Punkte), aber nicht unaufholbar.

Die grösste Enttäuschung dieses Herbstes kommt ebenfalls aus Zürich. Was der FCZ derzeit auf und neben dem Platz abliefert, taugt bestenfalls zum Schmierentheater. Derzeit fehlen ein Sportchef, ein Trainer, Leader-Typen und natürlich: Punkte. Als Herausforderer in dieser wenig schmeichelhaften Kategorie taugt allenfalls noch der FC Luzern. Es besteht der dringende Verdacht, dass die Vorwürfe von Investor Bernhard Alpstaeg («Sportchef und Trainer? Das sind Ahnungslose!») vor allem auf ihn selbst zutrifft.

Im kampf gegen den Abstieg hat sich Servette nach einem Katastrophen-Start erholt und darf weiter hoffen. Trotzdem sei die Prognose gewagt: Am Ende werden die Genfer zusammen mit Thun den Absteiger ausmachen. Dass Lausanne nichts mit dem Tabellenende zu tun hat, ist auch der Ruhe im Umfeld und der hervorragenden Arbeit von Trainer Roussey zu verdanken. Die Waadtländer könnten mehr als nur einem Verein als Vorbild dienen.