Gesundheitswesen
Geburten kosten zu viel Geld für die Spitäler der Region

Eigentlich sind Babys gut fürs Image. Doch sie verursachen Kosten. Die Spitäler in der Region beklagen sich: Entbindungen sind nicht kostendeckend. Werden nun Geburtsabteilungen geschlossen?

Leif Simonsen
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Gut fürs Image, schlecht fürs Portemonnaie: Spitäler sind der Meinung, dass sie für die Geburtshilfe mehr Geld bekommen müssten.

Gut fürs Image, schlecht fürs Portemonnaie: Spitäler sind der Meinung, dass sie für die Geburtshilfe mehr Geld bekommen müssten.

Keystone

Auch Entbindungen müssen sich lohnen, seit durch die neue Spitalfinanzierung mittels Fallpauschalen abgerechnet wird. Spitäler sind gezwungen, schwarze Zahlen zu schreiben. Für gewöhnlich lohnt es sich, einen guten Ruf zu haben: je mehr Patienten, desto höhere Einnahmen. Wie in der Privatwirtschaft gibt es zwischen dem Aufwand und dem Preis eine Gewinnmarge.

Nicht so bei den Geburten. Verschiedene Spitäler und Geburtshäuser in der Region beklagen sich, dass sie kaum etwas daran verdienen; oder noch schlimmer: damit sogar Verluste einfahren. Ines Kolb, Hebamme im Ita Wegmann-Geburtshaus in Arlesheim, spricht von einem extremen Kostendruck. Sie führt das Geburtshaus zusammen mit einer Kollegin. «Wir arbeiten seit 20 Jahren für die gleichen Tarife.»

Bethesda mit Geburtenzunahme

Urs-Peter Modespacher, Mediensprecher des Kantonsspitals Baselland (KSBL), könnte vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt eigentlich zufrieden sein, dass in seinem Betrieb die Geburten im letzten Jahr leicht rückläufig waren. Denn «normale Geburten sind nicht kostendeckend», sagt er. Damit meint Modespacher jene Babys, welche ohne Komplikationen oder mittels Kaiserschnitt zur Welt kommen. Martin Gerber, Leiter Finanzen im Basler Unispital, sagt ebenfalls: «Bei den Geburten ist für uns die Kostendeckung ebenfalls ein Thema.» Im Unispital aber äussert sich die Unzufriedenheit eher in der Kostengewichtung bei komplexeren Geburten, etwa bei Mehrlingen oder Frühgeborenen. Das Bethesda-Spital hat seit Inkrafttreten der Revision des Krankenversicherungsgesetzes stark zugelegt: Während in den Jahren zuvor die Geburten im Bethesda bei rund 900 lagen, verzeichnete man im Jahr 2012 einen Sprung auf 1132. Direktor Thomas Rudin dürfte daher besonders wurmen, dass die «Geburten nach wie vor eher zu tief bewertet sind». Er ist dennoch optimistisch, dass das Bethesda vor dem zunehmenden Kostendruck gewappnet ist. Damit die Geburten kostendeckend würden, werde das Bethesda zukünftig ebenfalls eine Geburtsklinik führen. Im Januar wurde dazu der Grundstein gelegt. Rudin peilt eine «Fallzahl» von 1500 an. In der neuen Klinik wird es kurze Wege und schlankere Strukturen als in einem Spital geben, bei der die Infrastruktur auf eine ganze Grundversorgung ausgelegt ist. Das könnte sich dann lohnen.

Lernfähiges System

Gemäss Urs-Peter Modespacher erhofft sich das KSBL nun eine Anpassung des Fallpauschalen-Systems: «Es wurde bei der Einführung des Systems gesagt, dass es lernfähig sei. Wenn die Leistungen nicht rentieren, müssen die Pauschalen erhöht werden.» Verantwortlich für die schweizweiten Fallpauschalen ist die Swiss DRG AG. Was Geschäftsführer Simon Hölzer sagt, dürfte die hiesigen Spitäler und Geburtshäuser nicht freuen. Zwar bestätigt er laufende Anpassungen bei den Kostengewichtungen. Aus den Daten, die aus den Spitälern vorliegen, werde aber nicht ersichtlich, «dass wir mit dem relativen Preis weit weg von der Realität liegen». Die Kostengewichtung bei der Geburtshilfe, so Hölzer, werde sich daher wohl nur «um Nuancen» ändern. «Aus der Ferne» über die Baselbieter Situation zu urteilen, komme für ihn nicht infrage. Hölzer aber betont, dass die Zentralisierung Ziel und Zweck der neuen Spitalfinanzierung sei.

Für das Image wichtig

Wenn sich also an den Geburten kein Geld verdienen lässt: Besteht die Gefahr, dass die Spitäler ihre Geburtsabteilungen schliessen werden? Kaum. Denn ein gutes Image kann langfristig ebenso förderlich sein wie die kurzfristige Marge. Babys sind Sympathieträger. Und für die meisten Mütter ist eine Geburt eine schöne Erinnerung - sobald sie vorbei ist. Modespacher sagt, sie sei «ein Stück weit Kundenbindung. Wenn eine Frau in einem Spital ein Kind geboren hat, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie später dorthin wieder zurückkommt.»