Gegen Food Waste
Eine Tonne Fisch in drei Stunden verkauft: Private lösen Grossisten ab

Beim Rampenverkauf in Münchenstein wird das Oberwiler Fischlädeli überrannt. Noch 105 Tonnen Fisch liegen im Lager der Firma Bayshore SA.

Tobias Gfeller
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Anstehen für tiefgekühlten Fisch: der Rampenverkauf in Münchenstein.

Anstehen für tiefgekühlten Fisch: der Rampenverkauf in Münchenstein.

Tobias Gfeller

Toby Herrlich ist in seinem Element. Er berät und gestikuliert. Ob für das Egli-Filet, das Zander-Filet oder das Felchen-Filet, stets hat er eine Erklärung zu Geschmack, Beschaffenheit und sogar auch ein paar Zubereitungstipps parat.

Der Rampenverkauf beim Kuspo Münchenstein, der am vergangenen Mittwoch begann und auch diese Woche am Mittwoch- und Freitagnachmittag durchgeführt wird, läuft bestens. Innerhalb weniger Stunden ging am Freitag eine Tonne Fisch an die Frau und den Mann. Die Leute treibt eine Kombination aus Lust auf Fisch, Solidarität mit der Familie Herrlich und dem Willen, etwas gegen ein drohendes Vernichten der Lebensmittel an. Die Oberwiler Fischimporteure sitzen mit ihrer Firma Bayshore SA aufgrund der geschlossenen Restaurants auf tonnenweise tiefgekühltem Fisch fest.

Attraktiver Preis und Kampf gegen Food Waste

Auch Kevin Bussmann aus Münchenstein, der gleich mit einem Veloanhänger gekommen ist, drei Pakete à fünf Kilogramm gekauft hat und damit auch gleich seine Eltern, die Eltern der Freundin und Kollegen versorgt, will helfen.

«Als ich vom Rampenverkauf gelesen habe, habe ich in meinem Umfeld nachgefragt, ob jemand tiefgekühlten Fisch möchte. Die Resonanz war sehr positiv.»

Natürlich spiele dabei auch der attraktive Preis eine Rolle. Viel wichtiger sei ihm aber der Kampf gegen Food Waste. Nun freut er sich auf die erste Grillade zu Hause mit Egli-Filets im Bierteig und Salat.

Gemeinde sponsert Verkaufsort

Mit Zander-Filets haben sich Verena und René Hager aus Reinach eingedeckt. Der «Coronagedanke», wie es Verena Hager formuliert, spiele dabei eine wichtige Rolle.

«Wir möchten den Krisengeplagten wie der Familie Herrlich helfen. Wir sind als Pensionierte wirtschaftlich nicht so stark von der Krise betroffen.»

Solidarisch zeigte sich auch die Gemeinde Münchenstein, die aus Eigeninitiative der Familie Herrlich das Kuspo zur Verfügung gestellt hatte, um etwas gegen Food Waste zu tun, wie Bauverwalter Peter Heinzer gegenüber dem «Wochenblatt» betonte.

Familie ist auf Rampenverkäufe angewiesen

Die Rampenverkäufe wie beim Kuspo in Münchenstein sind alle einzelne Tropfen auf den heissen Stein und leeren langsam aber stetig das noch immer gut gefüllte Lager mit aktuell 105 Tonnen tiefgekühltem Fisch. Vor gut sechs Wochen waren es noch 130 Tonnen. Private ersetzen aktuell Grossisten als wichtigste Abnehmer.

Toby Herrlich in der roten Jacke erklärt einem Kunden die Vorzüge der verschiedenen Fische.

Toby Herrlich in der roten Jacke erklärt einem Kunden die Vorzüge der verschiedenen Fische.

Tobias Gfeller

Am gefragtesten seien jene Fische, die man hierzulande am besten kennt, verrät Firmenchef Toby Herrlich. Er ist guter Dinge, dass sie das Lager leer bekommen und ein Vernichten der Lebensmittel verhindern können. Dabei würde eine Verbesserung der Coronasituation und die baldige Öffnung der Restaurants helfen.

Momentan ist die Familie Herrlich aber auf die Rampenverkäufe angewiesen, die auf Bestellung auch direkt ab Lager in Möhlin und neu auch wie beim Kuspo Münchenstein aus dem Kühlwagen beim Smuggler’s Pub in Oberwil durchgeführt werden. Ein Rampenverkauf in Pratteln musste nach einem Tag gestoppt werden. Auch ein Versand im kleinen Rahmen läuft.

Egli-Filet, Zander-Filet oder Felchen-Filet: Die Kunden kaufen am liebsten diejenigen Fische, die hierzulande am besten bekannt sind.

Egli-Filet, Zander-Filet oder Felchen-Filet: Die Kunden kaufen am liebsten diejenigen Fische, die hierzulande am besten bekannt sind.

Tobias Gfeller

Warum der Zoo keine Fische annimmt

Keine Option ist eine Abgabe an Zoos. Einerseits seien die Waren für Menschen noch einwandfrei geniessbar und von hoher Qualität, andererseits seien der filetierte Fisch und auch die Knusperli für Tiere nicht geeignet. Dies bestätigt auch Tanja Dietrich, Sprecherin des Zolli Basel.

«Wir verfüttern nur ganze Fische. Die verschiedenen Bestandteile des Futters – in diesem Fall des Fischs – sind für die Tiere wichtig.»

Dietrich ist überzeugt, dass die Seelöwen oder die Fleischfresser im Vivarium ab Knusperli nicht sonderlich begeistert wären. Diese Auskunft erhielten die Herrlichs bereits vor Jahren, als ein Container mit Fisch in Rotterdam blockiert war. Die angefragten Zoos in Holland lehnten aus den gleichen Gründen ab.