Max & Claude
Gegensätze lieben sich: Aus zwei Mundart-Solisten wurde ein Duo

Max Mundwiler und Claude Mesmer («dr Glood») sind mit ihrem dritten gemeinsamen Programm unterwegs: «E neui diMENsion». Einen Abend mit den beiden gegensätzlichen Persönlichkeiten bietet viel Würze und Abwechslung.

Claudia Maag
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Sie sind wieder unterwegs: Max und Glood. Sprachlich, instrumental und Song-mässig haben sie Neues im Gepäck.

Sie sind wieder unterwegs: Max und Glood. Sprachlich, instrumental und Song-mässig haben sie Neues im Gepäck.

Max Mundwiler und Claude dr Gloo

Unterschiedlich sind sie ja. Da ist einerseits Max Mundwiler, Geschäftsführer und Inhaber einer Zimmerei in Sissach. Er wirkt überlegt und wie der gemütliche, galante Nachbar mit sich lichtendem Haaransatz. Und andererseits ist da Claude Mesmer alias «dr Glood». Der frühpensionierte Schulleiter ist ein Mann der lebhaften Gesten und erinnert mit seinem grauen Pferdeschwanz an einen Altrocker. Beide sind Baselbieter Lied-Poeten und eher als Solisten bekannt. Seit Ende Jahr sind sie mit ihrem dritten gemeinsamen Programm unterwegs: «E neui diMENsion».

Zu Beginn ihrer Zusammenarbeit spielten sie abwechselnd auf der Bühne. Mit der Zeit wählten sie Songs aus ihren Soloprogrammen aus und machten daraus etwas Gemeinsames. Neuerdings begleiten sie sich nicht nur mit Gitarren, sondern auch mit dem Piano, der Mundharmonika, dem Kazoo und Perkussionsinstrumenten.

Mesmer über das aktuelle Programm: «Wir arrangieren diesmal viel intensiver.» Zudem erweiterten sie es auf sprachlicher Ebene: Einige Titel tragen sie jetzt in Standardsprache vor. Im Gepäck haben sie 20 neu arrangierte Titel.

Was reizt Mundwiler an Mundartmusik? «Sich in Mundartsprache vielseitig und in der Stärke treffend auszudrücken, ist vermutlich etwas vom Schwierigsten.» Die Schattierungen seien viel grösser als in der Standardsprache. Man könne das Doppelbödige besser herausarbeiten.

Doppelbödiges mit Mundart

An einer Vorpremiere und Premiere Ende Jahr testeten sie die Reaktionen. Mundwiler spricht von durchweg positiven Rückmeldungen. Das Publikum sei mitgegangen. «Die Standardsprache hingegen ist eher noch ungewohnt für die Zuhörer. Nicht bei Glood, aber bei mir.» Claude Mesmer brachte unter anderem eine CD mit standardsprachlichen Liedern heraus («Deutsch & deutlich»).

Mundwilers Publikum hörte ihn bisher nur auf Mundart singen. Den Einstieg hätten sie nun rassiger gemacht. Sie seien dort zu balladenartig gewesen. Er habe von vielen gehört: «Ich war von Anfang an sehr berührt und in den Melodien eingebettet.»

Männerdimension

Auf das «MEN» im Programmnamen angesprochen, schmunzelt der 60-Jährige: «Wir spielen nicht den Macho gegen das Weichei aus. Aber es soll den männlichen Standpunkt betonen.» Das bedeutet, es werden Themen wie Fernweh, Altern, Wunschvorstellungen und Zerbrechlichkeit aufgegriffen. Aber auch Alltägliches, beispielsweise in «Dr Läbenslauf vonere Cola-Büchse», von Mundwiler in den 80er-Jahren geschrieben. «Wir spielen diesen Song nun total anders, fast schon Klezmer-artig.» Das Thema Wegwerfgesellschaft sei noch immer brandaktuell.

Mesmer überlegt lange, was bei den letzten beiden Auftritten sein magischer Moment war. Dann erzählt der 64-Jährige, Max kenne man hauptsächlich aus gesellschaftlichem Rahmen wie Hochzeiten. Er begleitet sich selber meist mit Gitarre. «Für mich war es genial, wie ein kleines, stilles Raunen durch das Publikum ging, als Max seine Gitarre hinstellte und zum Klavier ging. Das kannte man nicht – der Max am Klavier», ruft Mesmer lachend und klatscht die Handflächen auf die Knie.

Mit Gegensätzen zum Erfolg

Beide waren als Liedermacher Solisten. Wie kann da eine Zusammenarbeit funktionieren? Mundwiler: «Wir ergänzen uns als Lied-Poeten und vertrauen unserem Zusammenspiel. Es ist ein Prozess, auf den sich beide einlassen müssen. Wenn man sich nicht spürt, kann nichts Neues entstehen.»

Mesmer: «Beide sehen gegenseitig in der Andersartigkeit eine Chance.» Wenn sie aus einem Song des anderen etwas Neues ausprobierten, gingen sie mit extremem Respekt und Vorsicht an die Zusammenarbeit. Nach einem Konzert würden «alle» sagen: «Ein ganzer Abend mit dir – na ja. Aber zu zweit – gerade weil ihr so verschieden seid – das gibt eine unglaubliche Kraft, Würze und Abwechslung.»

Auftritte: Freitag, 29. Januar, Münchenstein, Trotte.

www.drglood.ch

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