Gewässer
Geht es nach einer Vision, hat Basel schon bald einen Seeanstoss

Die Kiesgruben um Basel zum Leben erwecken? Warum nicht. So könnte Basel endlich seinen See erhalten: Ein IBA-Projekt an der Internationalen Bauausstellung will nämlich stillgelegte Gruben umnutzen.

Andreas Maurer
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50 Kiesgruben gibt es um Basel; hier diejenige bei Blotzheim. Sie sollen Naherholungsgebiete werden. zvg

50 Kiesgruben gibt es um Basel; hier diejenige bei Blotzheim. Sie sollen Naherholungsgebiete werden. zvg

Der alte Traum nach einem See in der Region Basel wird plötzlich greifbar. Denn es gibt bereits mehrere Seen in der Region, nur sind sie kaum bekannt, da sie nicht zugänglich sind. Das will der selbstständig tätige Stadtentwickler Andreas Courvoisier ändern.

Sein Projekt ist in der engeren Auswahl der Internationalen Bauausstellung (IBA) Basel. Der Geschäftsführer eines Basler Stadtentwicklungsbüros hat 50 Kiesgruben im Südelsass, in Südbaden und in der Nordwestschweiz analysiert. Viele davon liegen brach und sind abgesperrt. Rund zehn Gruben möchte er neues Leben einhauchen.

Vielversprechend sind die Kiesgruben in den elsässischen Gemeinden Blotzheim und Bartenheim. Beide liegen wenige Schritte vom Euro-Airport entfernt. Die meisten Leute haben bisher nur aus dem Flugzeug einen Blick darauf erhascht. Da die idyllischen Seelein umzingelt sind von wuchernder Natur und staubigen Kiesbergen, eignen sie sich noch nicht als Ausflugsziele.

In vier Jahren ergibt sich die Gelegenheit, den Baggersee von Blotzheim zu erschliessen. Dann wird der Kiesabbau eingestellt. Beim nahe gelegenen See in Bartenheim sind die Verhandlungen schon weiter. Der Westteil könnte bereits in einem Jahr neu genutzt werden. Wegen Blaualgen eignet sich der See nicht zum Baden. «Wenn ein Hund sich dreimal verschluckt, könnte ihm übel werden», sagt Courvoisier. Er hegt die Hoffnung, dass der See saniert und «belüftet» werden kann.

Kiesgruben als versteckte Juwelen

Auch Kiesgruben ohne Wasser möchte Courvoisier beleben: «Es sind versteckte Juwelen, dramatische Landschaften.» Kiesgruben findet er aus kulturgeschichtlicher und biologischer Sicht interessant. Obwohl sie karg wirken, ist die Artenvielfalt ausserordentlich hoch. Bei einer Grube in Zeiningen (AG) kommt die Erdgeschichte hinzu: Beim Kiesabbau wurde eine eiszeitliche Moräne angeschnitten. Courvoisier will die Gemeinden dabei unterstützen, ihre stillgelegten, aber abgesperrten Gruben zugänglich zu machen. Dazu bereitet er einen Förderverein vor.

Den Vorläufer seines Projekts hat das ETH-Studio Basel gelegt. Jacques Herzog, Pierre de Meuron und Kollegen haben eine Seenlandschaft von Basel bis Mulhouse vorgeschlagen. «Der Vorschlag von Courvoisier ist realistischer», urteilt der Basler Kantonsbaumeister Fritz Schumacher.

Vor ihrem Rücktritt 2007 hat die Baselbieter Baudirektorin Elsbeth Schneider-Kenel einen See bei Münchenstein vorgeschlagen. Courvoisier hat mit ihr Kontakt aufgenommen. Die beiden sind zum Schluss gekommen, dass ein Baselbieter See nicht möglich ist: «Man müsste fruchtbares Ackerland unter Wasser setzen. Das ist nicht sinnvoll.»

Auch aus dem Projekt des ETH-Studios hat er gelernt. Dieses ist zum Scheitern verurteilt, weil die Schweizer Stararchitekten etwas selbstherrlich fremdes Land fluten lassen möchten. Courvoisier geht seine Vision vorsichtiger an. Zu mehreren Standorten führt er derzeit Gespräche mit Kiesabbauunternehmen und Gemeinden. Diese Standorte nennt er deshalb noch nicht öffentlich.

Bisher habe sein Büro 600 Arbeitsstunden in das Kiesgrubenprojekt gesteckt, aber noch keinen Rappen verdient. Darum gehe es nicht. Courvoisier hat 15 Jahre lang für die Stiftungen Christoph Merian und Habitat gearbeitet. «Ich habe es im Blut, dass ich neben meiner Arbeit noch anderen Projekte lanciere, die mir Freude bereiten.» Er ist zuversichtlich: «Ich spüre viel Wohlwollen.»