Grossprojekte
Gelterkinden greift tief in die Kasse: «Danach steht die Schuldensanierung an»

Die Gemeinde Gelterkinden stemmt gleichzeitig zwei Grossprojekte. Wie das funktioniert, erklärt Gemeindepräsidentin Christine Mangold.

Simon Tschopp
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Christine Mangold beim gestrigen Spatenstich.

Christine Mangold beim gestrigen Spatenstich.

Einen schöneren Tag für den Spatenstich zum Primarschulhaus-Neubau Hofmatt und zur Sanierung der Kopfstandturnhalle hätte man wahrlich nicht wählen können. Gelterkindens Gemeindepräsidentin Christine Mangold war gestern bestens gelaunt – nicht nur des sonnigen Wetters wegen. Während Primarschulklassen, die nächstes Jahr den Neubau beziehen können, das Gelterkinderlied vortrugen, sang Mangold kräftig mit.

Die Freude und der Stolz der Gemeindepräsidentin, seit über 20 Jahren Mitglied der Exekutive, kommt nicht von ungefähr. «Ich habe das Gefühl, dass der Gemeinderat eine gewisse Vertrauensbasis aufgebaut hat. Die Bevölkerung sieht, dass wir nicht einfach etwas ins Blaue hinaus beantragen», sagt Christine Mangold. Ihre Behörde durchleuchte, was notwendig und auch finanziell tragbar sei.

Gegen 28 Millionen Schulden

Gelterkinden hat in den letzten Jahren viel Geld in den Strassenbau und die Begegnungszone gesteckt. Mitte Januar erfolgte der Spatenstich fürs neue Hallenbad; dieses wird gegen 18 Millionen Franken kosten, zwei Drittel davon belasten die Gelterkinder Gemeindekasse. Der gestern gestartete Schulhaus-Neubau Hofmatt schlägt mit 6,7 Millionen zu Buche, die Sanierung der Kopfstandturnhalle mit 2,1 Millionen Franken.

Die Gemeinde Gelterkinden, die derzeit ausser der Pensionskasse schuldenfrei ist, wird sich mit diesen Investitionen eine Schuldenlast von gegen 28 Millionen aufbürden – trotz der Steuererhöhung von drei Prozentpunkten, welche die Gemeindeversammlung vergangenen Dezember diskussionslos genehmigt hat.

Auch dieser Beschluss ist für Mangold «ein klarer Vertrauensbeweis der Bevölkerung». Diese steht laut der Gemeindepräsidentin «grossmehrheitlich» hinter dem Hallenbad, das eine Referendumsabstimmung deutlich überstanden hat, dem Schulhaus-Neubau und der Sanierung der Kopfstandturnhalle.

Gelterkinden wächst, es wird gebaut, Familien ziehen in die Oberbaselbieter Zentrumsgemeinde, die derzeit 6040 Einwohnerinnen und Einwohner zählt. «Deshalb müssen wir die Infrastruktur anpassen», betont Christine Mangold, für die klar ist: Für Gelterkinden sei es ganz sicher ein grosser Brocken, dass zwei derartige Bauvorhaben fast gleichzeitig liefen. Als Investitionskönigin sieht sich die Finanzchefin deshalb aber nicht. «Wenn man im Kanton herumschaut, stellt man fest, dass einiges gebaut wird.»

«Finanzielle Verschnaufpause»

Gerne hätte der Gelterkinder Gemeinderat die zwei Projekte gestaffelt. Doch beim Hallenbad kam es zu Verzögerungen. Und alle Gebäulichkeiten kamen in die Jahre. Zudem benötigte Gelterkinden wie viele andere Gemeinden wegen Harmos mehr Schulraum für zusätzliche Primarschulklassen.

Nun haben die zwei Vorhaben eben im selben Jahr begonnen, und 2018 können auch gleich beide Neubauten ihrer Bestimmung übergeben werden. Danach ist vorläufig Pause mit grossen Bauprojekten in Gelterkinden. «Dann brauchen wir eine finanzielle Verschnaufpause, und es steht die Schuldensanierung an», blickt Christine Mangold, die Mitte 2020 ihre Gemeinderatskarriere beenden wird, voraus.