Label
Gemeinden sind sich uneinig: Braucht es Labels für den Standortvorteil?

Labels sind bei Gemeinden ein beliebtes Marketinginstrument, um gute Steuerzahler anzulocken. Einige Baselbieter Gemeinden kaufen für viel Geld gleich mehrere Labels – Allschwil hingegen will sich kein Gütesiegel leisten.

Joel Hoffmann
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Um gute Steuerzahler anzulocken, sind Labels ein beliebtes Marketinginstrument. Einige Gemeinden schmücken sich als Energiestadt. Umweltschutz ist in. Auch andere Labels, wie «Kinderfreundliche Gemeinde» der Unicef erfreuen sich steigender Beliebtheit in beiden Basel: Reinach, Arlesheim und Blauen haben es. Riehen auch. Basel will es.

Wer möchte schon als kinderfeindlich gelten? Das dachte sich auch die Grüne/EVP-Fraktion des Allschwiler Einwohnerrats und forderte per Budgetpostulat, dass Allschwil das Unicef-Label erwerben soll. Doch das Gemeindeparlament hat letzte Woche das Postulat knapp abgelehnt - ganz im Sinne des Gemeinderats, für den der Aufwand fürs Label in keinem Verhältnis zum Ertrag stehe. Bei einer Gemeinde wie Allschwil würde, so Unicef, Evaluation sowie Prozessbegleitung zum Erwerb des Labels 15 000 Franken kosten. Dieses Geld soll, so der Gemeinderat, direkt in die Projekte einfliessen.

Allschwil sagt Nein zu Labels

«Ich möchte mich nicht gegen Labels äussern», gibt sich Allschwils CVP-Gemeindepräsident Anton Lauber überraschend vorsichtig. Für Allschwil komme ein Label momentan nicht infrage, da man aktuell viele Millionen Franken für Kinder und Jugendliche investiere. Allschwil baut Tagesschulen, Tageskindergarten, führt zwei Tagesheime und bieten beispielsweise einen Mittagstisch an. «Der Einwohnerrat hat Labels bisher jeweils abgelehnt, weil wir in vielen Bereichen bereits Vorbildcharakter haben», mein Lauber. Man habe für die Jugendförderung bereits viel gemacht und werde auch in Zukunft viel unternehmen. Ein Label als «Anstupf» brauche Allschwil nicht.

«Ich kann nachvollziehen, dass nicht alle Gemeinden ein solches Label wollen, denn dafür braucht es finanzielle Mittel und es bedeutet viel Arbeit», sagt Daniel Wyss, Arlesheimer Gemeinderat (Frischluft) und bis im Sommer 2012 zuständig für die beiden Labels Energiestadt und kinderfreundliche Gemeinde. Ein Label selber steigere die Standortattraktivität nicht, meint Wyss, aber die Arbeit dahinter schon. Der grosse Vorteil des Labels sei, dass es die Verwaltung und den Gemeinderat verpflichtet, das jeweilige Thema systematisch anzugehen. Gemeinsam mit Spezialisten wird die Gemeinde durchleuchtet und mit dem Massnahmenkatalog wird das Verbesserungspotenzial aufgezeigt und daran gearbeitet.

Reinach zahlt 15 000 für Label

«Anders als in Arlesheim haben wir schon lange unsere Strukturen durchleuchtet», sagt Reinachs Gemeinderat Paul Wenger (SVP). Das hätte der Gemeinderat auch ohne das Unicef-Label gemacht. Seit Oktober ist Reinach «Kinderfreundliche Gemeinde». Dazu Wenger: «Dieses Label ist einfach eine Bestätigung unseres Engagements.»

Wie in Allschwil gab es auch im Reinacher Einwohnerrat verschiedene Meinungen zum Labelerwerb - schliesslich ging es, wie in Allschwil, um etwa 15 000 Franken. «Wenn wir schon die Auflagen fürs Label erfüllen, dann sollten wir auch ein Zeichen setzten: ‹Wir sind gut. Familien, wohnt in Reinach!›», betont der SVP-Gemeinderat. Und Wenger hofft «natürlich» auf einen Imagegewinn. Ähnliche Marketing-Überlegungen machte sich die Gemeinde auch beim Energiestadtlabel, auch wenn hier der praktische Vorteil ist, dass der Gemeinde ein Energieberater zur Seite steht. Weitere Labels wollen die angefragten Gemeinden nicht erwerben - am Angebot würde es beileibe nicht mangeln.