Gemeinderat
Rothenfluh sucht und sucht und sucht

Nach einer erfolglosen Gemeinderats-Ersatzwahl ist immer noch keine Bewerbung in Sicht. Weshalb?

Simon Tschopp
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Die Idylle trügt. Nicht immer ist in Rothenfluh Friede, Freude, Eierkuchen.

Die Idylle trügt. Nicht immer ist in Rothenfluh Friede, Freude, Eierkuchen.

Kenneth Nars
(25. Juli 2016)

Paul Schaub hat im November 2020 bekanntgegeben, dass er als Gemeindepräsident von Rothenfluh per Ende kommenden Juni zurücktritt. Bei der Ersatzwahl am 7. März resultierte eine Nullnummer, weil keine offizielle Kandidatur vorlag und folglich das absolute Mehr nicht erreicht wurde. Nun steht am 13. Juni die Nachwahl an – und immer noch interessiert sich niemand für das vakant werdende Gemeinderatsmandat.

Amt erfordert viel Arbeit, was offenbar abschreckt

Dies überrascht, gilt die 780-Seelen-Ortschaft doch als politisch lebendige Gemeinde.

«Da mache ich heutzutage ein Fragezeichen»,

meint Schaub. In Rothenfluh werden bereits seit längerer Zeit drei Personen für Exekutive und Kommissionen gesucht. Die Wahlprüfungskommission hat schon viele angefragt, bisher jedoch lauter Absagen erhalten.

Für Paul Schaub ist der Hauptgrund ausbleibender Kandidaturen fürs Gemeinderatsamt, dass das Präsidium viel Arbeit bedeutet.

«Auch meine Kolleginnen und Kollegen in der Behörde stossen manchmal an ihre Grenzen, und einen grossen Dank erhält man nie»,

konstatiert der Noch-Gemeindepräsident.

Über das mangelnde Interesse ist der 72-Jährige ein wenig besorgt. Er stellt jedoch klar, dass die Einwohnerinnen und Einwohner seit November wüssten, dass er auf Mitte Jahr sein Amt abgebe. Schaub machte «zunehmende persönliche Angriffe» für seinen Rücktritt geltend. Solches gebe es hier schon lange und sei nichts Neues. «Ich glaube aber nicht, dass dies der Punkt ist, dass sich niemand meldet.»

Gehässigkeiten wegen Dorfbrunnen

Vor Paul Schaubs Antritt als Gemeindepräsident Mitte 2012 war die Exekutive zerstritten, die politische Stimmung in der Gemeinde aufgeheizt. Er wollte Ruhe ins Dorf bringen. Das habe er erreicht, bilanziert Schaub, «bis vor etwa einem Dreivierteljahr», schränkt er ein. Dann fing es an mit der «ganzen Brunnengeschichte».

Noch-Gemeindepräsident Paul Schaub: «Der Rücktritt wird für mich eine Erleichterung sein.»

Noch-Gemeindepräsident Paul Schaub: «Der Rücktritt wird für mich eine Erleichterung sein.»

zvg

Der Gemeinderat wollte den grossen Dorfbrunnen nicht sanieren, sondern ersetzte diesen durch ein kleineres, neues Exemplar. Dies kam bei einem Teil der Bevölkerung gar nicht gut an und führte zu Gehässigkeiten. Schliesslich entschied man sich für die Sanierung. Darüber mag Paul Schaub nicht mehr reden, er hat das Thema abgehakt. Dennoch:

«Der Rücktritt wird für mich eine Erleichterung sein»,

betont er.