Kunschti
Gemeinderat schliesst Kunschti – von Baupfusch will noch niemand reden

Die Sissacher Eisbahn öffnet frühestens in zwei Wochen, wenn das Dach zusätzlich abgestützt ist. Ausbaden müssen den Schlamassel die Vereine, die die Halle nutzen.

Andreas Hirsbrunner
Merken
Drucken
Teilen
Nur eine dünne Schneeschicht reichte: Das einsturzgefährdete Dach der Kunschti in Sissach.

Nur eine dünne Schneeschicht reichte: Das einsturzgefährdete Dach der Kunschti in Sissach.

Kenneth Nars

So hat man sich in Sissach den Winterauftakt nicht vorgestellt: Kaum fiel der erste Schnee auf das Dach der Kunsteisbahn, wurde diese vom Gemeinderat geschlossen. Beatrice Mahrer, federführende Gemeinderätin, sagt, der Entscheid sei am Samstagabend nach Rücksprache mit dem beratenden Experten der Luzerner Firma Lauber Ingenieure für Holzbau & Bauwerkserhalt gefallen.

Dach erst sieben Jahre alt

Der schwere, inzwischen von der Feuerwehr weggeräumte Nassschnee war offensichtlich das Tüpfchen auf dem i einer mangelhaften Konstruktion, der eine weitere Offenhaltung der Kunsteisbahn als zu riskant erscheinen liess. Denn bereits vor zwei Wochen kündete der Sissacher Gemeinderat an, dass das erst vor sieben Jahren erstellte Holzdach in den nächsten Wochen zusätzlich abgestützt werden soll. Das geschieht laut Mahrer nun nächste Woche, sodass die Kunsteisbahn voraussichtlich am 13.November wieder eröffnet werden könne.

Das Grundproblem ist die Feuchtigkeit, die in die Holzkonstruktion eindringt und das Dach schwer macht. Mahrer beschreibt den Mechanismus so: «Bei warmer Witterung erwärmt sich die kalte, feuchte Luft über dem Eis und steigt auf. Das führt zu Kondenswasser, und das Holzdach saugt sich voll damit wie ein Schwamm.» Wegen des ausserordentlich warmen Wetters in den letzten Wochen sei das Dach viel feuchter gewesen als in andern Jahren, und es habe richtig getropft.

«Das ist sehr ärgerlich.»

Und Mahrer weiter: «Das war von Anfang an jeweils im Herbst und im März ein Problem, das sich von Jahr zu Jahr verschärft hat.» Ein Baupfusch? «Ich weiss es nicht, das wird Gegenstand von weiteren Untersuchungen durch Experten sein», antwortet Mahrer. Nichts sagen will man bei der PM Mangold Holzbau AG in Ormalingen. Diese Firma hatte vor bald zehn Jahren den Auftrag für die Überdachung erhalten und die Holzelemente von einer deutschen Firma als Unterakkordanten bezogen. Das wirbelte damals in Sissach ziemlich Staub auf, weil eine regionale Firma, die etwas teurer offerierte, leer ausging.

Bei der Kostenfrage verweist Mahrer auf die zehnjährige Garantie der Firma Mangold. Aus dem Schneider ist offenbar der heutige Vizegemeindepräsident Martin Hauswirth: Sein Büro hatte noch vor seiner Wahl in den Gemeinderat im Jahr 2003 den Bauleitungsauftrag erhalten. Diese Garantie sei aber nach fünf Jahren abgelaufen, sagt Hauswirth, der sich nicht weiter zum Fall äussern will. Ausbaden müssen die jetzige Kunsteisbahn-Schliessung vor allem die Vereine. So sagt der Präsident des Eishockeyclubs Zunzgen-Sissach, Jean-Daniel Neuenschwander: «Wir müssen mit der Situation leben, aber das ist sehr ärgerlich, weil der ganze Meisterschaftsbetrieb durcheinander kommt.»

Heimspiele und Turnier abgesagt

So müssen alle Heimspiele der insgesamt neun Mannschaften in den nächsten zwei Wochen verschoben werden. Und ein ordentliches Training wird kaum möglich sein, da laut Neuenschwander «die Wahrscheinlichkeit, alternatives, für einen kleinen Club bezahlbares Eis zu organisieren, sehr klein ist».

Und der Curling-Club Sissach muss sein für übernächstes Wochenende geplantes Turnier mit 14 Teams absagen. Aber auch die Genossenschaft, die die Eisbahn und das Restaurant von der Gemeinde Sissach mietet, ist betroffen: Sie hat wegen der Schliessung Mindereinnahmen.