Öffentlicher Verkehr
Gemeindetageskarten sind für die Verwaltung ein Verlustgeschäft

Für rund 40 Franken einen Tag lang den öffentlichen Verkehr in der ganzen Schweiz benützen: Günstiger als mit der Gemeindetageskarte der SBB kann man nicht reisen. Doch die beliebten Billette werden schnell zum Verlustgeschäft.

Michel Ecklin
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Der Verkauf von SBB-Tageskarten verursacht in den Gemeinden Verwaltungsaufwand. Archiv bz

Der Verkauf von SBB-Tageskarten verursacht in den Gemeinden Verwaltungsaufwand. Archiv bz

Für die Gemeinden geht die Rechnung mit der Gemeindetageskarte kaum auf. Der Schönenbucher Gemeinderat überlegt sich sogar, ganz auf das Angebot zu verzichten. «Letztes Jahr sind wir viele Jahreskarten nicht losgeworden», sagt der Schönenbucher Gemeindeverwalter Marcel Friederich. Der Absatz hänge vom Verhältnis zwischen den angebotenen Karten und der Einwohnerzahl ab. Das benachteilige kleine Gemeinden.

Auch Läufelfingen könnte demnächst auf die Tageskarten verzichten. Die Verwaltung verkaufte 2012 noch 79 Prozent der Karten, gegenüber 85 Prozent im Vorjahr. «Rein brutto kommt immer noch mehr Geld hinein, als wir den SBB zahlen», sagte Gemeindeverwalter Thomas Faulstich. Doch der Verwaltungsaufwand sei «beträchtlich».

Das weiss man auch in den grossen Gemeinden des Unterbaselbiets. Dort beträgt die jährliche Auslastung der Karten über 90 Prozent. Muttenz hat neulich die Anzahl Karten von sieben auf zehn erhöht. Dabei spielten finanzielle Überlegungen keine Rolle. Mit dem Angebot könne sich die Gemeinde positiv darstellen, sagt der stellvertretende Gemeindeverwalter Christoph Erne.

Defizite wären nicht tolerierbar

Zudem locke man so vermehrt Leute auf die Gemeindewebseite, und man fördere die Benützung des öffentlichen Verkehrs. «Solange wir finanziell nicht retour machen, bieten wir die Karten an», sagt Erne. Den Verwaltungsaufwand habe aber noch niemand berechnet.

Auch Reinach sieht die Tageskarten als «Dienstleistung an die Bevölkerung», so Gemeindeverwalter Thomas Sauter. Sie seien fast durchgehend ausgebucht. Solange Ausgaben und Einnahmen «praktisch null zu null» stünden, werde man am Angebot nichts ändern. «Hätten wir Defizite von mehreren tausend Franken, könnten wir sie nicht mit Steuergeldern decken. Es gibt kein Gesetz, das uns sagt, dass wir Tageskarten anbieten müssen.» Eine Vollkostenrechnung gab es in Reinach aber nie, räumt Sauter ein. «Vielleicht sollten wir mal eine machen.»

Der Münchensteiner Gemeinderat tat das 2009 – worauf die Gemeindeversammlung beschloss, beim Kartenverkauf nicht mitzumachen. Denn trotz Online-Reservationssystem hätte die Gemeinde die Schnittstellenfunktion übernehmen müssen, sagt Gemeindepräsident Giorgio Lüthi (CVP). «Man kann nicht einfach sagen, unsere Damen am Schalter sind eh immer da.» Das Vermietungs-Konzept der SBB habe die Gemeinde nicht überzeugt, darum seien die Tageskarten seit 2009 nie mehr ein Thema gewesen.

Auch der Läufelfinger Gemeindeverwalter Faulstich sieht es nicht als Aufgabe einer Gemeinde an, die SBB zu subventionieren, indem sie deren Verwaltungskosten übernehme.

Verteuerung kontraproduktiv

Die SBB widersprechen dieser Sicht der Dinge. «Damit wir ein so günstiges Produkt anbieten können, ist es eine Bedingung, dass der Distributionsaufwand von den Gemeinden übernommen wird», heisst es bei der Medienstelle. «Ansonsten wäre ein solcher Preis nicht möglich.»

Allerdings haben die SBB das Tageskarten-Jahresset im Dezember um 4,9 Prozent verteuert. Um ein Defizit zu vermeiden, verlangt Läufelfingen jetzt 40 statt 45 Franken. Doch das könnte kontraproduktiv sein, erklärt Faulstich: «Häufige Fahrten, etwa nach Zürich, sind jetzt mit Halbtax-Abo günstiger als mit Tageskarte.»