Bildung
Gemischte Gefühle selbst bei den Lehrern

Die Interessenverbände wissen nicht, was sie mit der Sparbotschaft aus den Kommissionen anfangen sollen. Der Landrat und das Volk haben das letzte Wort. Eines ist also klar: Am 17. Juni steht dem Baselbiet ein Abstimmungsmarathon ins Haus.

Leif Simonsen
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Keystone

Als SVPler hat man es in der Bildungskommission nicht einfach – auch nicht als Präsident. «Hier sitzen sechs Lehrer», klagt der Füllinsdörfer SVP-Landrat Karl Willimann. Er, der Sparwillige, gegen die Staatsangestellten, die ihre Pfründe sichern.

In seiner Bildungskommission waren die Sparvorhaben der Regierung im Bildungsbereich umstritten, zwei wurden gar zur Ablehnung empfohlen: Die Überführung der zweijährigen Berufsvorbereitenden Schule 2 (BVS2) in das einjährige Brückenangebot SBA plus und die Erhöhung der Pflichtlektionen der Fachlehrer auf Sekundarstufe II und in der Sekundarschule.

Nicht das gleiche Angebot

Die Bildungskommission führte gegenüber Bildungsdirektor Urs Wüthrich ins Feld, dass das einjährige und das zweijährige Brückenangebot keinesfalls das gleiche Angebot und somit eine Doppelspurigkeit sei. Und dass es problematisch sei, einzelne Berufsgruppen auszusortieren und höher zu belasten.

Immerhin hatte Willimann die Finanzkommission im Rücken. Sie nickte die Sparmassnahmen im Bildungsbereich allesamt ab und machte sich dabei insbesondere beim Lehrerverein Baselland (LVB) unbeliebt. «Diese Massnahmen fallen ausgerechnet in die Bildungsreform. Derzeit sind die Lehrerinnen und Lehrer sowieso stark belastet», sagt LVP-Vizepräsident Michael Weiss.

Abstimmungsmarathon steht an

Der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) der Region Basel sitzt zwar im gleichen Boot wie der LVB, schreibt aber in einer Mitteilung, dass er «erfreut ist über die ablehnende Haltung der Bildungskommission zu den drei gewichtigen Massnahmen für den Bildungsbereich.»

Die Reaktionen auf die Empfehlungen aus dem Landrat fallen bei den Verbänden und Parteien ansonsten im Rahmen des Erwarteten aus. Auf bürgerlicher Seite wird die Arbeit der Finanzkommission hervorgehoben, die am Gesamtpaket der Regierung nur wenig zu bemängeln gehabt hatte. Die einzige öffentliche Stellungnahme seitens der Politik gibt es von der SP: Sie wirft den Landratskommissionen vor, sie hätten es verpasst, «am Landratspaket die notwendigen Korrekturen vorzunehmen.»

Die Sozialdemokraten stören sich derweil nicht nur an den Bildungskürzungen, sondern am «Streichkonzert», das neben der Bildung auch den öffentlichen Verkehr und die Prämienverbilligungen trifft. SP-Präsident Martin Rüegg nennt Letzteres eine Sparmassnahme, die «auf dem Buckel der Ärmsten» stattfinde.

Die ansonsten zurückhaltenden Reaktionen bestätigen indes Rüegg, der weiss: «Noch ist nichts in trockenen Tüchern.» Mit anderen Worten: Der Landrat und das Volk haben das letzte Wort. Eines ist also klar: Am 17. Juni steht dem Baselbiet ein Abstimmungsmarathon ins Haus.