Smart Parking
Genervt auf der Suche? Dieses System soll in der Region Basel freie Parkplätze anzeigen

Ein Verkehrsleitsystem für Parkplätze: Dieses Ziel verfolgt der Verein «Smart Regio Basel» – noch harzt es aber.

Benjamin Wieland
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Sensoren wie dieser könnten bald in der Region Basel zum Einsatz kommen. Der Verein Smart Regio Basel plant einen Pilotversuch.

Sensoren wie dieser könnten bald in der Region Basel zum Einsatz kommen. Der Verein Smart Regio Basel plant einen Pilotversuch.

zvg/Stadt St. Gallen

In St. Gallen ist man schon weiter. Die Stadtpolizei testet in zwei Strassen sogenannte Parkplatzsensoren. Ist ein Parkplatz besetzt, funkt ein tellerförmiger Apparat einen Rechner an. Der sammelt die Daten. Ziel des Projekts mit dem Namen «Smart Parking»: Suchverkehr verhindern. Im Idealfall lotsen künftig Navigationssysteme wie Google Maps die Autofahrer direkt zu freien Parkplätzen.

Auch in Basel-Stadt und den umliegenden Gemeinden soll «Smart Parking» den Verkehr lenken und verflüssigen. Das ist das Ziel von «Smart Regio Basel». Der Verein plant ein Verkehrsleitsystem, wie es in einigen Städten bereits im Einsatz ist. Dort passen zudem Logarithmen die Parkgebühren je nach Angebot und Nachfrage an. Zentrale Lagen sind teurer als periphere, und auch die Tageszeit spielt eine Rolle. So kostet ein Parkplatz in der Innenstadt am Samstagnachmittag mehr als in der Nacht von Sonntag auf Montag. Die Gebühren werden direkt vom Kreditkartenkonto abgezogen.

Projekt mit Sensoren im Herbst

Das alles ist in der Nordwestschweiz noch Zukunftsmusik. Smart Regio Basel will aber im Herbst mit Testgemeinden ein erstes Pilotprojekt mit Sensoren durchführen. Die Gespräche seien noch im Gange, sagt Elias Schäfer, Geschäftsführer des Vereins. Welche Gemeinden zum Zug kommen, verrät er nicht.

Ein Grund für das gemächliche Tempo der Region: Sie ist politisch zersplittert. Jede Verwaltung setzt auf eigene Lösungen. Zum Beispiel Münchenstein: Die Gemeinde hat eben erst einen SMS-Bezahldienst für Tagesparkkarten eingerichtet. Autofahrer, die ihr Fahrzeug auf öffentlichem Grund abstellen wollen, können per Mobiltelefon ein Tagesticket bestellen. Dafür müssen sie die Daten ihres Kontrollschilds an die Nummer 234 schicken – schon weiss die Gemeindepolizei Bescheid.

In Basel-Stadt wiederum können Automobilisten Tagesparkkarten per Onlineformular oder an den Automaten der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) lösen. Gewisse Gemeinden arbeiten noch völlig analog. Ein Wildwuchs, der Smart Regio Basel die Planung erschwert. Für den Verein wäre es sicherlich wünschenswert, wenn Basel und die umliegenden Gemeinden alle auf dieselben Techniken und Kanäle setzen würden.

Parkhäuser sind bereits vernetzt

Ein koordiniertes Vorgehen käme auch den Nutzern entgegen, sagt Elias Schäfer. Trotzdem seien separate Lösungen wie die jüngste in Münchenstein kein Hindernis: «In diesem Fall handelt es sich um eine Vereinfachung der Zahlungsabwicklung, der Kundennutzen wird erhöht. Ein eigentliches Verkehrsleitsystem ist aber auf Daten zum Standort der Fahrzeuge oder der Belegung der Parkplätze angewiesen – solche Informationen kann ein SMS-Dienst wie der in Münchenstein nicht liefern.»

Schon heute steht fest: Münchenstein gehört nicht zu den Testgemeinden von Smart Regio Basel. Gemeindepräsident Giorgio Lüthi erklärt auf Anfrage, weshalb: «Wir sind ganz einfach noch nicht so weit. Die Parkraum-Bewirtschaftung ist noch nicht auf das ganze Gemeindegebiet ausgedehnt. Es handelt sich jeweils um einen langwierigen politischen Prozess, bis sie in einem neuen Quartier eingeführt werden kann. Bis dahin sind unsere Ressourcen gebunden.»

Basel kennt zwei kleinere Verkehrsleitsysteme. Seit Jahren schon werden die freien Parkplätze in den Parkhäusern elektronisch erfasst. Die Industriellen Werke Basel (IWB) wiederum bauen an ihren Ladestationen für Elektrofahrzeuge Sensoren ein. Sie sollen erfassen, welche Zapfsäulen am stärksten frequentiert sind. Derartige Erfassungssysteme auf Parkplätze auf der Allmend auszuweiten, sei derzeit nicht geplant, heisst es auf Anfrage vom Basler Bau- und Verkehrsdepartement. Man behalte die Entwicklung aber im Auge.

Das St. Galler Pilotprojekt ist auf ein Jahr begrenzt. Der Versuch endet in diesen Tagen – einige Erkenntnisse sind aber bereits durchgedrungen.

Gut möglich, dass Sensorensysteme bald überholt sind. Neuwagen sind standardmässig mit GPS-Sendern ausgerüstet. Sie könnten alle notwendigen Daten liefern. Doch hier wartet die nächste Knacknuss auf die Entwickler: der Datenschutz.

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