Gelterkinden
Genossenschaft für Familienherbergen stösst ihre Häuser ab

Die einst florierende Genossenschaft für Familienherbergen mit Sitz in Gelterkinden überträgt ihre Liegenschaften und Anteilscheine an das Hilfswerk Connexio. Sie kann diese nicht mehr selber finanziell tragen.

Simon Tschopp
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Die Genossenschaft für Familienherbergen überschreibt ihre Ferienhäuser an Connexio. (Symbolbild)

Die Genossenschaft für Familienherbergen überschreibt ihre Ferienhäuser an Connexio. (Symbolbild)

Keystone

18 000 Mitglieder zählte der Verein für Familienherbergen während seiner Blütezeit in den 1960er- und 1970er-Jahren, rund 100 Liegenschaften besass die gleichnamige Genossenschaft zu jener Zeit. Der Verein vermietete preisgünstige Ferienwohnungen an Alleinerziehende und Familien mit geringem Einkommen, die Genossenschaft baute und unterhielt die Liegenschaften in der Schweiz, aber auch in Deutschland und Holland. Tempi passati.

Häuser müssen saniert werden

Die vor 65 Jahren gegründete Genossenschaft für Familienherbergen mit Sitz in Gelterkinden, der momentan noch zehn Genossenschafter angehören, überträgt per 1.Januar 2013 ihre zwölf Häuser mit rund 40 Ferienwohnungen sowie ihre Anteilscheine an Connexio, das Netzwerk für Mission und Diakonie der Evangelisch-methodistischen Kirche. Die Genossenschaft wird ab Dienstag von Genossenschaftern geleitet, die im Vorstand von Connexio sitzen. Dieses Hilfswerk verfolgt ähnliche Ziele wie die Genossenschaft für Familienherbergen, nämlich sozial benachteiligte Menschen zu unterstützen.

Die Ferienhäuser in den Kantonen Graubünden, Tessin und Wallis sind sanierungsbedürftig. «Durch den Verkauf einzelner Häuser sollen die Renovationen verbleibender Wohnungen finanziert werden», erklärt Peter Kopp. Dieser gehört seit 1976 dem Vorstand der Familienherbergen an, seit zwei Jahren ist er Präsident. Connexio habe ihrer Genossenschaft eine Absichtserklärung abgegeben. Darin sei festgehalten, dass Connexio die Liegenschaften gemäss Statuten der Familienherbergen weiterführen werde, sagt Kopp weiter. Connexio hat vom aktuellen Vorstand der Familienherbergen ebenfalls die Auflage übernommen, einen allfälligen Gewinn mit der Reka-Ferienstiftung, der Heilsarmee und dem Blauen Kreuz zu teilen.

«Zur Diskussion stand auch eine Liquidation unserer Genossenschaft. Nun haben wir uns für die Lösung mit Connexio entschieden.» Der Wert der Liegenschaften sei um einiges höher als die Hypothekarschulden, versichert Peter Kopp.

Die Gründe für diese Neuorganisation sind vielfältig. Die Liegenschaften können nicht mehr ertragsreich bewirtschaftet werden. Weil Sanierungen vernachlässigt worden sind, ist der Renovationsbedarf nun entsprechend gross. Dadurch sank der Standard der Ferienwohnungen, und es ging Kundschaft verloren. Die Genossenschaft für Familienherbergen geriet in Zugzwang. Der 77-jährige Kopp macht keinen Hehl daraus, dass auch das Alter der Vorstandsmitglieder für diesen Schritt eine Rolle gespielte hat.

«Genau unter die Lupe nehmen»

Für Andreas Stämpfli, Geschäftsleiter von Connexio und ab Dienstag ebenfalls Präsident der Genossenschaft für Familienherbergen, ist noch offen, wie viele Häuser veräussert und wie sie künftig genutzt werden. «Das müssen wir alles genau unter die Lupe nehmen.» Möglich ist aber, dass die Genossenschaft für Familienherbergen in absehbarer Zeit verschwindet. Die Wohnungen werden seit acht Jahren von der Reka vermietet. Vorläufig werde diese Zusammenarbeit weitergeführt, sagt Stämpfli.

Connexio ist in Zürich domiziliert und hat elf Vorstandsmitglieder. Das Hilfswerk finanziert sozial-diakonische Projekte der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz und in 18 weiteren Ländern, unter anderem auch Ferienangebote für Menschen, die sich sonst nie Ferien leisten können.