Baselbiet in Bern
Genusswoche: Verpasste Gelegenheit oder nicht vorhandene Einladung?

Das Wegbleiben der Baselbieter Regierung am Auftaktanlass der Genusswoche im Berner Hotel Bellevue hallt nach. Während Lukas Ott die verpasste Gelegenheit bedauert, gibt Sandra Sollberger an, die Genusswoche ohnehin lieber im Baselbiet zu feiern.

Bojan Stula
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Ich glaube nicht, dass wir im ‹Bellevue› die Chance unseres Lebens zum Lobbyieren verpasst haben.» Elisabeth Schneider-Schneiter CVP-Nationalrätin

Ich glaube nicht, dass wir im ‹Bellevue› die Chance unseres Lebens zum Lobbyieren verpasst haben.» Elisabeth Schneider-Schneiter CVP-Nationalrätin

KEYSTONE

Der Sessel am Gala-Tisch im Berner Nobelhotel Bellevue blieb leer. Dabei hätte die betreffende Person von Angesicht zu Angesicht mit Bundesrat Guy Parmelin dinieren können. Doch der Baselbieter Volkswirtschafts-, Gesundheits- und Spezialitäten Minister Thomas Weber hatte am Mittwochabend keine Zeit für ein Tête-à-Tête in der Bundesstadt. Stattdessen bereitete er mit seinem Basler Kollegen Lukas Engelberger die letzten Details für die epochale Präsentation der gemeinsamen Spitalgruppe vor.

Dass aber auch keiner von Webers Baselbieter Regierungskollegen den Weg ins «Bellevue» fand, übrigens genauso wenig wie eine bürgerliche Nationalrätin oder -rat, sorgte am Rande der Genusswoche-Eröffnung für Gesprächsstoff. Hier wurde – einmal mehr – eine Chance für einen starken Baselbieter Auftritt auf Bundesebene verpasst, erschallte sofort der Chor der Kritiker.

Liestals Stadtpräsident Lukas Ott, der dafür als eine Art sechster Regierungsrat in Bern auftrat, äussert sich auf Anfrage diplomatisch: «Ich habe alles Verständnis dafür, dass Thomas Weber am Vorabend seiner Medienkonferenz zur neuen Spitalgruppe nicht mit nach Bundesbern kommen konnte.» Gleichwohl hätte sich Ott gewünscht, dass der Regierungsrat trotzdem vertreten gewesen wäre: «Am Tisch mit Bundesrat Parmelin, Ständeratspräsident Raphaël Comte und Nationalrats-Vizepräsident Dominique de Buman war viel Interesse an unserer Region zu spüren. Die Gespräche haben aber auch gezeigt, dass unser Fussabdruck in Bern einfach grösser werden muss.»

Gar nicht eingeladen

In Anbetracht der fehlenden Schuhe für einen grösseren Fussabdruck betont Liestals Stadtpräsident, dass ein Halbkanton nicht mit «der Diskretion einer halben Portion» auftreten dürfe: «Wir müssen alle Plattformen nutzen, um uns zu vernetzen und unsere Anliegen, aber auch unser Potenzial einzubringen.» Zumindest diese Chance hat der Baselbieter Regierungsrat verpasst.

Regierungssprecher Nic Kaufmann muss bei der Rechtfertigung für die kollektive Abwesenheit ausholen: Wegen der kurzfristigen Terminierung der Spitalgruppen-Präsentation habe sich kein Stellvertreter für Thomas Weber finden lassen, der seinerseits gerne gegangen wäre. Was Kaufmann aber auch bestätigt: In der Landeskanzlei ist von den Genfer Organisatoren gar nie eine offizielle Einladung an den Baselbieter Gesamtregierungsrat eingegangen.

Für Kaufmann war der Landkanton am Mittwochabend in Bern trotzdem «sehr gut vertreten»: Neben Lukas Ott, Ebenrain-Chef Lukas Kilcher oder Vertretern von Produzenten wie Autor und Slow-Food-Repräsentant Jürg Ewald hätten schliesslich auch die beiden Nationalrätinnen Maya Graf und Susanne Leutenegger Oberholzer die Baselbieter Farben hochgehalten. Dafür werden gleich drei Regierungsräte, Thomas Weber, Isaac Reber und Toni Lauber, an der Langen Tafel vom 25. September in Liestal dabei sein.

Lieber im Baselbiet feiern

Auch SVP-Nationalrätin Sandra Sollberger zelebriert die Baselbieter Genusswoche «lieber im Baselbiet mit Baselbietern bei Baselbieter Spezialitäten – als in Bern mit der Cüpligesellschaft». Heute Samstag wird sie mit der Familie den Genussmarkt in Liestal besuchen, am nächsten Sonntag ebenfalls die Lange Tafel; genau gleich wie FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger. An besagtem Mittwochabend musste Sollberger im heimischen Malerbetrieb in Bubendorf arbeiten: «Während der Session muss ich mir die knappe Zeit akribisch einteilen», stellt die diplomierte Malermeisterin klar.

Nicht zuletzt glänzte Elisabeth Schneider-Schneiter beim Genusswoche-Auftakt mit Abwesenheit: «Ich glaube nicht, dass wir im ‹Bellevue› die Chance unseres Lebens zum Lobbyieren verpasst haben», kontert die CVP-Nationalrätin alle Vorwürfe. «Ich war davor und danach für politische Anliegen am Lobbyieren, so wie ich eigentlich immer in Bern für die Region lobbyiere.» Auch das ist ein Argument.