Riehen
Geplantes Dorfzentrum hat bereits Gegenwind

An einer Vernissage präsentierten die Gemeindeverantwortlichen die Pläne für die Umgestaltung des Dorfzentrums. Nun kündigt die SVP Widerstand an.

Tobias Gfeller
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So soll das Riehener Dorfzentrum aussehen.

So soll das Riehener Dorfzentrum aussehen.

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Wahrscheinlich hatten die Gäste der Vernissage noch nicht einmal ihr Geschenksäckchen ausgepackt, als SVP-Einwohnerrat Eduard Rutschmann am Tag darauf mitteilte, wie unzufrieden er mit den Plänen des Gemeinderates für das Dorfzentrum sei. «Mit dem vorgestellten Siegerprojekt für einen fussgängerfreundlichen Dorfkern vom Singeisenhof bis zur Wettsteinanlage umgeht der Gemeinderat einmal mehr den Volkswillen», schrieb Rutschmann am 22. März. Mehrmals habe das Volk Nein zu Veränderungen gesagt. «Das jetzt präsentierte Projekt setzt sich somit über den klar geäusserten Volkswillen hinweg.»

Ein Dorn im Auge Rutschmanns ist die geplante Parkplatzsituation für Autos und Velos. Auch der Parkhaus-Idee beim jetzigen Wettsteinparkplatz kann Rutschmann nicht viel Positives abgewinnen. «Ein privater Investor würde damit Profit machen wollen, dementsprechend hoch wären auch die Preise.» Rutschmann glaubt nicht, dass die Riehener ein Dorfzentrum zum Flanieren brauchen: «Riehen Dorf ist ein reines Versorgungszentrum.» Die SVP wird an der kommenden Einwohnerratssitzung eine Interpellation einreichen, in der sie Kostentransparenz fordert.

Keine grossen Eingriffe

Ganz anders sehen das die Fraktionspräsidenten der nach der SVP grössten Parteien im Einwohnerrat. Silvia Schweizer (FDP) findet den Vorschlag «keinen grossen Wurf». Sie bezweifelt, ob damit Detailhandel und Gewerbe geholfen werden kann. Schweizer ist überzeugt, dass die Pläne im Einwohnerrat durchkommen werden. Doch dem bereits angedrohten Referendum der SVP gibt sie grosse Chancen: «Die Bevölkerung will keine Veränderungen. Es ist ein Problem der Altersstruktur», meint sie weiter. «Wir müssen das ausbaden, was die ältere Bevölkerung entscheidet. Alles, was mit Entwicklung zu tun hat, hat bei uns einen schweren Stand.»

Sogar «freudig überrascht» war Franziska Roth-Bräm (SP). «Ich finde es einen tollen Weg, den der Gemeinderat vorschlägt.» Die Pläne würden das Bestehende aufnehmen und nicht alles über den Haufen werfen. «Eine Etapierung ist möglich.» Genau aus diesen Gründen sieht sie für das Projekt grosse Chancen. Besonders angetan ist Roth-Bräm von der geplanten Quergasse vom Singeisenhof bis zum Wettsteinparkplatz. Ähnlich sieht es Christine Kaufmann. Die EVP-Fraktionspräsidentin hat vom Vorschlag «einen guten Eindruck». Kaufmann ist «verhalten optimistisch», dass die Pläne in die Wirklichkeit umgesetzt werden. LDP-Einwohnerrat Peter Zinkernagel ist ebenfalls angetan von der Planungsidee: «Das Projekt ist in einem vernünftigen Rahmen und man kann es rasch realisieren.»

Vollzug in zwei Phasen

Das Siegerprojekt des Basler Architekturbüros Stauffenegger und Stutz sieht eine Aufwertung der Quergasse Singeisenhof-Wettsteinparkplatz vor. Die untere Schmiedgasse wäre für die Motorfahrzeuge weiter befahrbar, die Geschwindigkeit würde aber gedrosselt und die Fussgänger hätten stets Vortritt. In einer zweiten Phase soll auch die untere Schmiedgasse autofrei werden - ähnlich der Freien Strasse in Basel, wären ausserhalb von Sperrzeiten Anlieferungen gestattet. Der 32-er Bus dürfte weiterverkehren.

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