Regierungswahlen
Gerhard Schafroth: «Als Finanzexperte habe ich gute Wahlchancen»

GLP-Kandidat Gerhard Schafroth will durch Fachkompetenz siegen statt durch ein Bier mit dem Bürger. Als Vertreter der Mitte sieht er seine Wahlchancen als intakt. Seinen Gegnern Nussbaumer und Weber spricht er Fachwissen für die Finanzdirektion ab.

Michael Nittnaus
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Der Liestaler GLP-Landrat Gerhard Schafroth (55) hofft auf 20 Prozent der Stimmen – um dann auf einen Sieg im zweiten Wahlgang.

Der Liestaler GLP-Landrat Gerhard Schafroth (55) hofft auf 20 Prozent der Stimmen – um dann auf einen Sieg im zweiten Wahlgang.

Martin Töngi

Herr Schafroth, Sie treten am 3.März gegen die SP mit Nationalrat Eric Nussbaumer und die SVP mit Vizepräsident Thomas Weber an. Seien Sie ehrlich: Sie haben keine Chance, Regierungsrat zu werden.

Gerhard Schafroth: Das Baselbieter Stimmvolk wird entscheiden, ob Sie recht haben oder nicht. Rein rechnerisch ist aber bloss je etwa ein Viertel der Stimmen auf der rechten und der linken Seite klar vergeben. 50 Prozent liegen in der Mitte. Was mit diesen geschieht, ist völlig offen. Wir von der GLP wollen jetzt eine Zäsur herbeiführen und von der Fokussierung auf die Parteien wegkommen. Es gilt, in Baselland die Finanzen in den Griff zu bekommen. Und ich glaube, viele Baselbieter haben das erkannt. Deshalb rechne ich mir als Finanzexperte durchaus gute Chancen aus. Sonst würde ich gar nicht antreten.

Die SVP verweist auf ihre Grösse und pocht deshalb auf die Rückkehr in die Regierung. Ist die GLP mit ihren 120 Mitgliedern nicht schlicht zu klein, um so ein Amt zu besetzen?

Wenn die Grösse einer Partei tatsächlich das entscheidende Kriterium wäre, dann hätte das Volk 2011 die SVP gar nicht erst aus der Regierung werfen dürfen. Es gibt auch kein Gewohnheitsrecht. Ausserdem tut es dem Baselbiet sogar sehr gut, dass die SVP nicht in der Exekutive ist. Für sie mag es frustrierend sein, aber fürs Gesamtsystem ist es wertvoll. Denn nur so gibt es eine starke Opposition, die der Regierungsarbeit auf die Finger schaut. Ausserdem kann eine kleine Gruppe – wie eben die GLP – enorm viel bewirken, wenn sie im richtigen Moment den geeigneten Kandidaten hat.

Ihr Wahlkampf fokussiert darauf, Sie als Finanzexperten darzustellen. Im Landrat gibt es aber Stimmen, die das infrage stellen. Dort stehen Sie mit Ihren Vorstössen oft alleine da, gelten als Querschläger.

Ich bin noch nicht lange im Landrat und lerne auch immer wieder dazu. Etwa habe ich bei meinen vielen Budgetanträgen etwas übers Ziel hinausgeschossen. Deshalb habe ich einige ja zurückgezogen. Was aber das komplexe Thema der Pensionskassen-Sanierung angeht, so glaube ich, den Respekt der anderen Mitglieder der Finanz- und der Personalkommission gewonnen zu haben.

Auch Ihre Kompromissbereitschaft scheint im Landrat eher gering zu sein. Gerade Weber schreibt sich das aber auf die Fahne.

Wenn ich von etwas sachlich wirklich überzeugt bin, dann lasse ich nicht locker. Das kann natürlich stur wirken. Wenn wir Probleme wirklich lösen wollen, dann geht das nicht über Kompromisse oder wenn man nett zueinander ist. Das hat Baselland eine verspätete Verselbstständigung der Spitäler und die Verzögerung der Pensionskassen-Sanierung eingebracht. Probleme löst man nur durch hartnäckige Arbeit. Hat man dann eine Lösung gefunden, sind Verhandlungen bei der genauen Umsetzung natürlich möglich – da bin ich dann auch kompromissbereit.

Wo sehen Sie bei Ihren beiden Konkurrenten Schwächen?

Das ist einfach. Eric Nussbaumer ist ein hervorragender Energiespezialist, der in Bundesbern einen super Job macht und dort auch dringend gebraucht wird. Doch in Baselland brauchen wir jetzt keinen Ökologen. Um die Finanzprobleme zu lösen, fehlt ihm das geeignete Fachwissen. Und Thomas Weber ist ein sehr sympathischer und angenehmer Typ, der immer darauf achten wird, um sich herum keinen Streit zu haben. Aber auch ihm fehlt das Rüstzeug, um das komplexe Pensionskassenproblem rasch und zuverlässig zu lösen. Beiden mangelt es zudem an Visionen für ein effizientes Rechnungswesen des Kantons.

Was sind also Ihre Visionen?

Mit einer Kostenrechnung bräuchte es kein Entlastungspaket mehr. Dieses Massnahmenpaket halte ich methodisch für den falschen Ansatz, um die Finanzen in den Griff zu bekommen. Eine meiner Visionen ist auch, ein Anreizsystem für Gemeinden einzuführen, damit sie – freiwillig – gewisse Aufgaben des Kantons übernehmen und so den unseligen Zentralismus Basellands reduzieren.

Sie sind im Komitee der Fusionsinitiative.

Ja, aber mein Ziel ist nicht zwingend die Fusion. Mir geht es primär darum, eine Auslegeordnung zu machen und neue Lösungen der Zusammenarbeit zu suchen. Das Resultat ist da offen. Da stehe ich zwischen Nussbaumer und Weber.

Als Ihre grösste Schwäche nennen Sie Ungeduld. Glauben Sie denn, dass Sie da als Regierungsrat glücklich sein können?

Diese Frage stelle ich mir tatsächlich. In meinem Unternehmen ziehen alle am selben Strang; und die Probleme werden innert kürzester Zeit gelöst. In der Politik aber gehört es zum täglichen Geschäft, dass man sich gegenseitig blockiert. Das ist nicht lustig. Auch all die Machtspiele, die es in der Regierung gibt – das ist nicht das, was ich suche. Ich glaube aber, dass wir im Regierungsrat eine neue Kollegialität aufbauen können und ich das Gremium stärken würde.

Meinen Sie, dass es dank Ihnen zu einem zweiten Wahlgang kommt?

Es gibt sogar Stimmen, die sagen, dass Thomas Weber schon im ersten Wahlgang gewinnen könnte. Meine Analyse ist aber, dass man gegen Eric Nussbaumer im ersten Wahlgang überhaupt keine Chance hätte, würden wir nicht zu dritt antreten.

Am GLP-Parteitag sagten Sie, dass sich die SVP bei einem zweiten Wahlgang hinter Sie stellen müsste, um Nussbaumer zu schlagen. Halten Sie das für realistisch?

Da müssen wir offen sein. Es braucht sicher genaue Analysen, welcher der beiden bürgerlichen Kandidaten dann die besseren Chancen hätte. Wenn ich aber am 3.März 20 Prozent der Stimmen hole, dann halte ich es für realistisch, im zweiten Wahlgang links wie rechts genug Stimmen dazuzugewinnen, um Nussbaumer zu schlagen.

Wird man Sie nun also plötzlich in Beizen und Festzelten antreffen, um beim Bürger zu weibeln?

Wir als kleine GLP müssen eher mit meiner Fachkompetenz überzeugen. Wichtig werden Podiumsdiskussionen sein. Mit den Menschen ein Bier zu trinken, ist aber etwa bei Baschi Dürr in Basel-Stadt kläglich gescheitert. Davon verspreche ich mir nicht so viel.

Ist der Wahlkampf für die GLP nicht blosses Kalkül, um für die Wahlen 2015 – besonders für den Landrat – bekannter zu werden?

Natürlich wirkt sich ein Wahlkampf immer auch aufs Image einer Partei aus. Aufbauarbeit ist sicher eine unserer Motivationen, aber nicht nur – und nicht meine wichtigste.