Spitalliste
Gesundheitsdirektor Thomas Weber: «Die Wahlfreiheit ist den Patienten wichtig»

Leif Simonsen
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Thomas Weber

Thomas Weber

Kenneth Nars

Herr Weber, die Analyse hat ergeben, dass es jährlich 8000 stationäre Eingriffe zu viel gibt in der Region. Hat Sie diese Zahl überrascht?

Thomas Weber: Wir haben geahnt, dass beispielsweise in der Kniearthroskopie zu viele Eingriffe gemacht werden könnten. Doch 8000 Eingriffe sind viel. Realistisch ist, dass wir 4000 Eingriffe weniger durchführen können. Wenn wir mit Kosten von 10'000 Franken pro Fall rechnen, so beträgt das Einsparpotenzial hochgerechnet 40 Millionen Franken.

Warum wollen Sie die Zahl der Eingriffe nicht um die ganzen 8000 Fälle reduzieren, die unnötig durchgeführt werden?

Dann kommen wir nahe an die Planwirtschaft, bei der wir sagen: Der Staat weiss, dass es genau 8000 Fälle sind. Dann wird die Wahlfreiheit der Patienten eingeschränkt. Und den Patienten ist es wichtig, dass sie ihr Spital frei wählen können – das hat man in vielen Abstimmungen gesehen.

Selbst wenn Sie alle Faktoren wie die Demografie ausschalten, so bleibt in der Region die Zahl der Eingriffe hoch. Haben Sie dafür Erklärungen? Sind es die Chirurgen, die zu häufig Eingriffe vornehmen?

Ich denke, es arbeiten alle nach bestem Wissen und Gewissen. Doch die Spitäler haben wirtschaftliche Vorgaben. Wir haben viele Häuser in der Region und die Spitaldirektoren sind bemüht, die Spitalbetten belegt zu haben – das ist letztlich ihre Aufgabe.

Die angepeilte Mengenbeschränkung torpediert doch den Wettbewerb. Für die Kliniken lohnt es sich nicht mehr, Top-Ärzte zu holen und Patienten anzulocken, wenn sie nur eine beschränkte Anzahl Eingriffe vornehmen dürfen?

Die Regulation betrifft den gesamten Versorgungsraum. Wenn der Top-Arzt von der Klinik A in die Klinik B wechselt, dann gibt es in der Klinik B womöglich weniger Fälle. Ausser die Klinik B holt einen neuen guten Arzt von ausserhalb der Region. Dann kommt es zur Mengenausweitung. Deshalb werden wir mit allen Spitälern den Dialog parallel führen müssen.

Kommen wir um Spitalschliessungen herum?

Es wird Konzentrationen in der Spitallandschaft geben. Wenn es Häuser gibt, die sich spezialisiert haben und nun in einer Disziplin stark wachsen wollen, dann müssen sie über die Bücher. Es ist zumindest anzunehmen, dass gewisse Spitäler einige Leistungsaufträge verlieren oder freiwillig darauf verzichten werden. Das hats ja auch schon gegeben.

Sie streben eine Senkung der Fallzahlen um fünf Prozent an. Müssen sich alle Spitäler auf eine Umsatzreduktion von fünf Prozent gefasst machen?

Wenn Sie ein Spital sind, das sich vor allem auf Kniearthroskopie spezialisiert hat und drauf und dran ist, noch fünf Spezialisten aus Zürich zu holen, dann kann ich nur sagen: Das ist kein Geschäftsmodell. Aber pauschal kann man nicht von Umsatzreduktion sprechen: Das Geburtshaus beispielsweise wird davon kaum betroffen sein.